In sieben Jahren 78000 Sklaven freigekauft

Zürich. Es begann am 20. September 1975 mit Schweigemärschen in Zürich und Bern, an denen Zehntausende gegen die Verfolgung von Christen in der ganzen Welt protestierten. Anderthalb Jahre später - vor 25 Jahren - wurde die christliche Menschenrechtsorganisation "Christian Solidarity International" (CSI) gegründet. CSI kämpft für Religionsfreiheit und hilft Glaubensverfolgten, notleidenden Kindern und Katastrophenopfern. Auf spektakulärste Weise setzt sich die Organisation im Sudan ein: Seit 1995 hat sie fast 78000 Menschen aus der Sklaverei freigekauft.

Im Sudan, wo seit Jahrzehnten ein Krieg zwischen dem islamischen Norden und dem von Christen und Animisten bewohnten Süden im Gange ist, werden systematisch Menschen versklavt. Es sei dies Teil des Versuchs des jetzigen Machthabers General Omar el Bashir, das ganze Land zu islamisieren, stellt CSI fest.

120 Franken pro Sklave

1995 beschloss die Menschenrechtsorganisation, sich für die Befreiung dieser versklavten Menschen einzusetzen. Die CSI-Vertreter stellten bei wiederholten Besuchen vor Ort Erschreckendes fest: "Versklavt werden christliche oder animistische schwarze Frauen und Kinder - die Männer werden gleich an Ort und Stelle getötet. Ihre Besitzer lassen die Sklaven gratis arbeiten, misshandeln und vergewaltigen sie. Sie versuchen auch, sie zu islamisieren, in dem sie ihnen neue Namen geben und zu muslimischen Gebeten zwingen. Viele Frauen werden zwangsbeschnitten. Knaben kommen in Trainingslager, wo sie zum Heiligen Krieg gegen ihr eigenes Volk von Christen und Animisten ausgebildet werden."

Inzwischen hat CSI unter Mitwirkung der betroffenen Bevölkerung und der örtlichen Behörden ein funktionierenden Netzwerk von "Sklavenbefreiungsteams" aufgebaut. Diese arbeiten mit arabischen Mittelsleuten zusammen, welche die Sklaven im Norden des Landes einzeln freikaufen und auf heimlichen Pfaden in den Süden zurückbringen. Dort werden sie in Sammellager gebracht, bis schliesslich der eigentliche Freikauf stattfindet: Pro Sklave blättert der Brite John Eibner, Leiter des CSI-Sklavenbefreiungsprogramms, den arabischen Mittelsmännern umgerechnet 120 Franken (50.000 sudanesische Pfund) hin - nicht ohne zuvor mittels Stichproben Betrugsmanöver ausgeschlossen zu haben. Auf diese Weise hat die Organisation von Oktober 1995 bis Juli 2002 knapp 78.000 Sklaven freigekauft; weitere 37.000 sind ohne Zahlung freigekommen.

Anstoss zu Friedensverhandlungen

Die Befreiungsaktionen seiner Organisation hätten auf Grund vieler Medienberichte internationales Aufsehen erregt und damit wesentlich dazu beigetragen, dass die jetzigen Friedensverhandlungen im Sudan aufgenommen worden seien, freut sich der 72-jährige reformierte Zürcher Pfarrer Hansjürg Stückelberger, Gründer und Präsident von CSI. Die Zahl der Überfälle islamischer Milizen im Südsudan sei zudem mit den Sklavenbefreiungen deutlich zurückgegangen. Und: "Die lokale Bevölkerung drängt uns, unsere Aktionen unbedingt weiterzuführen."

Darauf angesprochen, dass zum Sklavenbefreiungsprogramm von CSI durchaus auch kritische (Medien-)Stimmen laut geworden seien, meint Stückelberger lapidar: "Medienschaffende, die eine solche Aktion im Sudan persönlich beobachten konnten, haben keine Kritik geäussert."

Solidaritätsbewusstsein fördern

Vor 25 Jahren sprach man vom Eisernen Vorhang, hinter den christliche Organisationen Bibeln zu schmuggeln versuchten. Heute sieht CSI den stärksten Handlungsbedarf darin, "in allen Kirchen das Bewusstsein zu fördern, dass alle Gläubigen Glieder am Leibe Christi sind", wie Hansjürg Stückelberger sagt. Solidarität mit verfolgten Christen müsse sowohl für einzelne Gläubige wie für Kirchen und Gemeinden eine Selbstverständlichkeit sein. Und: Die heftigsten Verfolgungen von Christen fänden heute unzweifelhaft in Gebieten statt, in denen Islamisten die Oberhand hätten, unterstreicht der CSI-Gründer und betont, dass seine Organisation in ihren Hilfsaktionen entsprechende Schwerpunkte setze.

Kaum mehr staatlich relevant

Mit Sorge beobachtet der CSI-Gründer, dass westliche Staaten die Verfolgung von Christen durch andere Staaten in ihrem Handeln kaum mehr berücksichtigen. Es sei dies, meint Stückelberger, Ausdruck eines "mangelnden Selbstbewusstseins der eigenen Identität", denn diese Verfolgung beinhalte eine "Missachtung der eigenen unaufgebbaren Grundwerte".

Ohne das biblische Menschenbild seien die freiheitlich-demokratischen Staatsformen aller westlichen Länder nicht denkbar, betont Stückelberger und zitiert EU-Vordenker Robert Schumann, Frankreichs Aussenminister in den fünfziger Jahren: "Die Grundlage der Europäischen Gemeinschaft wird die demokratische Beziehung zwischen den Nationen in Gleichheit sein. Die Demokratie wird aber eine christliche sein oder nicht bestehen."

Hinweis: Am Samstag, 28. September, findet ab 10 Uhr in der St.-Anna-Kapelle in Zürich (St. Annagasse 11) die Jubiläumsfeier 25 Jahre CSI statt.

Datum: 28.09.2002
Quelle: Kipa

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