Einsatz auf Mikronesien

Von Rettungsflügen bis zu Bibelstunden

Markus und Prisca Klassen wirken für die «Pacific Missionary Aviation» (PMA) auf Mikronesien, begonnen bei Ambulanzflügen bis hin zu Bibelstunden. Gegenüber Livenet gewähren die beiden einen Einblick in ihre Arbeit auf der anderen Hälfte des Erdballs.
PMA im Einsatz
Familie Klassen

Livenet: Für jemanden, der noch nie in Mikronesien war: Was ist das für ein Land und wie leben die Menschen da?
Prisca Klassen: Mikronesien ist mehr eine Region, die aus diversen Inselgruppen besteht. Wir leben und arbeiten hauptsächlich auf der unabhängigen Insel Palau, welche nicht weit von den Philippinen liegt. Palau hebt sich von den anderen Inseln dadurch ab, dass die nahegelegenen «Rock Islands» zum Weltkulturerbe zählen und deswegen ein hohes Mass an Touristen die Insel teilweise regelrecht überflutet. Den Insulanern ist es grösstenteils eher unrecht, da sie doch lieber die Insel für sich hätten und gerne unter sich wären, gleichzeitig aber stellt der Tourismus ein sicheres Einkommen, Jobmöglichkeiten und Entwicklungsgelder zur Verfügung.

Das Leben auf Palau ist simpel, aber mit einigen zusätzlichen Vorteilen, welche eben der Tourismus und gewisse Investoren mit sich bringen. Zum Beispiel besitzt Palau eine gute Infrastruktur, einige High-End-Hotels, Resorts, Restaurants sowie besseren und konstanteren Lebensmittelimport als diverse andere Inseln. Man erlebt auf Palau einen regelrechten Kultur-Clash und trifft auf alle möglichen Nationalitäten. In der Masse der Touristen geht man schnell mal unter, doch nach ungefähr zwei Jahren hatten wir vermehrt das Gefühl, bewusster von den Einheimischen wahrgenommen zu werden.

Wie kam es dazu, dass Sie in Mikronesien arbeiten?
Markus Klassen: Ich habe schon im Alter von 14 Jahren angefangen, mich über PMA und ihre Arbeit in Mikronesien zu informieren. Zu dem Zeitpunkt hatte ich stark den Eindruck, dass ich irgendeinmal dort mit PMA dienen würde. Irgendetwas hat mich zu den Inseln und ihren Menschen gezogen. 2012, in einem dreimonatigen Einsatz auf Yap, Mikronesien, haben wir dann als Ehepaar den Ruf Gottes verspürt. Von da an haben wir uns gemeinsam auf die Langzeitmission vorbereitet und sind im November 2014 auf dem Missionsfeld in Palau gelandet.

Welche Momente bewegen Sie besonders in Ihrer Arbeit?
Markus
Klassen: Wenn wir in Zeiten der Not helfen können. Wie zum Beispiel durch einen Ambulanzflug oder eine Such- und Rettungsaktion. Auch die wöchentlichen Bibelstunden auf der Insel Angaur liegen uns sehr am Herzen.

Prisca Klassen: Mir persönlich macht die Arbeit mit den jungen Erwachsenen besonders Freude. Vor allem, wenn sich mir jemand tiefer anvertraut und öffnet, um Rat bittet oder einfach Gebet erfragt. Wenn unser Input merkbar die Herzen und das Denken verändert und die Menschen neu die Freude an Gott entdecken, motiviert und begeistert uns das.

Wie sieht Ihr Alltag aus?
Prisca
Klassen: Mein Alltag als Mutter und Hausfrau sieht, verglichen zu dem in der Schweiz, wesentlich isolierter aus. Durch die Hitze und den Mangel an Angeboten und öffentlichen Plätzen, findet das Leben durch den Tag meist im eigenen Zuhause statt. 

Finden viele Menschen in Mikronesien zu Christus?
Prisca Klassen: Mit einer Einwohnerzahl von knapp 18'000 Menschen und einem hohen Traditionsbewusstsein geprägt, ist es eher schwierig, die Menschen für Christus zu gewinnen. Vor allem, da sich auch einige «christliche» Kirchen mit traditionellem Glauben vermengt haben und die Familienbeziehungen öfters eine radikale Bekehrung erschweren. Wenn jemand zum Beispiel einer Familie angehört, welche sich offiziell zum katholischen Glauben bekennt, kann es gut sein, dass diese Person zwar nie die Messe besucht, aber beim Besuch einer evangelischen Kirche Ablehnung und starke Zurechtweisung von der Familie erfährt. Einfach, weil die Tradition es nicht erlaubt. Auch die Traditionen der Kultur erschweren den Menschen regelmässige Teilnahme an kirchlichen Aktivitäten. Gibt es einen Tod in der Familie, bedeutet dies meist, wochenlangen Verpflichtungen nachzugehen. Deswegen findet man sehr wenig Einheimische, welche fähig sind, regelmässig am Gottesdienst teilzunehmen oder auch nur ein kleines Mass an Verantwortung in der Kirche zu übernehmen, was wiederum ihren Wachstum im Glauben und ihr Verständnis davon immer auf einem eher tiefen Niveau hält.

Wie sieht die einheimische Christenheit aus?
Prisca Klassen: Viele der Christen auf Palau sind schnell einmal verwirrt oder unsicher, was ihren Glauben anbelangt. Grund dafür sind, wie bereits erwähnt, die Unverbindlichkeit, aber auch das breite Angebot und die Präsenz vieler «Kirchen» und Sekten erschweren es den Menschen auf Palau, Klarheit im Glauben zu finden. Dann kommt hinzu, dass Kirchen gerne verpolitisiert und als Werkzeug für Ansehen und Macht missbraucht werden, oder von ungebildeten oder mangelhaft ausgerüsteten Menschen geführt werden, die die Bibel mit allen möglichen Irrlehren oder persönlichen Interessen vermischen. Gute, solide und bibelgetreue Lehre ist hier dringend notwendig. Menschen, die selber felsenfest im Glauben stehen und ein gesundes Verständnis vom Wort Gottes haben. Meiner Meinung nach ist dies auch der Grund, warum vor allem Langzeitmissionare dringend nötig sind. Menschen, die sich selber Zeit genommen haben, vorbereitet aufs Feld zu kommen und fokussiert darauf sind, langzeitlich zu dienen.

Was tut PMA insgesamt vor Ort?
Markus Klassen: PMA ist auf Palau mit der Pacific Mission Fellowship Kirche, kurz PMF, und dem Pacific Mission Aviation Flugdienst, kurz PMA, vertreten. Die Kirche ist für das Geistliche zuständig und versucht durch regelmässige und langzeitliche kirchliche Angebote und Aktivitäten, die Menschen auf Palau mit der Liebe Gottes zu erreichen. Der Flugdienst hilft vor allem physisch durch Transport-, Ambulanz- beziehungsweise Notfall-, Such-, Rettungs- und Überwachungs-Flüge. Doch versuchen wir auch immer wieder, die Kirche und den Flugdienst in gemeinsame Projekte einzubinden. Wie zum Beispiel die wöchentliche Bibelgruppe auf der kleinen, äusseren Insel Angaur, oder den allmonatlichen christlichen Filmabend. Uns gefällt sehr, dass mit PMA eben beides möglich ist: praktische und geistliche Hilfe. Auf anderen Inseln Mikronesiens und den Philippinen ist PMA durch diverse andere Dienste vertreten, wie zum Beispiel mit einem Waisenheim oder einem Krankenhausschiff, aber immer mit dem Ziel und dem Fokus auf Kirchengründung und Kirchenbau.

Zur Webseite:
PMA Schweiz

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Datum: 08.07.2018
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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