Quang's Anwalt habe die Zulassung zur Verteidigung seines Mandanten erst vor kurzem erhalten und deshalb bleibe ihm nur eine Woche Zeit für seine Prozessvorbereitung. Wegen der grossen internationalen Aufmerksamkeit appelliert die IGFM an Vietnam, die inhaftierten Mennoniten, insbesondere die durch Folter und Misshandlung schwer erkrankte Lehrerin Le Thi Hong Lien, sofort und bedingungslos freizulassen. Ferner ruft die IGFM ausländische Botschaften in Vietnam auf, Beobachter zu dem Prozess zu entsenden. Nachdem bereits im Februar ein Termin für die Berufungsverhandlung grundlos abgesagt worden war, reiste Rechtsanwalt Nguyen Van Dai wegen der knappen Frist bereits am 6. April 2005 von Hanoi nach Saigon, um die Akten seines Mandanten beim Volksgericht der Ho Chi Minh Stadt einzusehen. Jedoch wird er erst am 7. April Pastor Nguyen Hong Quang im Gefängnis Chi Hoa besuchen können. Nach vietnamesischem Strafverfahrensgesetz darf ein Rechtsanwalt erst dann tätig werden, wenn der Prozesstermin und der zuständige Richter öffentlich bekannt gegeben worden sind. Die IGFM erhielt am 6. April 2005 den Aufruf der vietnamesischen Mennonitischen Kirche an alle Christen, heute Montag und Dienstag für den inhaftierten Pastor Quang, für Vikar Thach und der Lehrerin Hong Lien zu fasten und zu beten. Nach Informationen der IGFM wurden Vikar Thach und Frau Hong Lien in Haft schwer misshandelt. Hong Lien wird momentan in einer psychischen Klinik behandelt. Wegen "Widerstand gegen die Staatsgewalt" waren am 12. November 2004 in der ersten Instanz Pastor Quang zu drei Jahren Haft, Vikar Thach zu zwei Jahren Haft und die Lehrerin Hong-Lien zu 12 Monaten Haft verurteilt worden. Der in Menschenrechtskreisen bekannte vietnamesische Pastor und Rechtsanwalt Quang hatte im März 2004 Anzeige gegen zwei Personen erstattet, die durch Observation, Misshandlungen und Entführung von Christen aufgefallen waren. Sie hatten das Haus von Pastor Quang observiert, in dem sich zu dieser Zeit ein anderer Pastor aufhielt, der wegen seiner Unterstützung für ethnische Christen im vietnamesischen Zentralhochland vom Staatssicherheitsdienst bedrängt wurde. Es gelang den Mennoniten, das Fahrzeug der Agenten zu stoppen und die Polizei zu rufen, um ein Protokoll über den Vorgang der Observation aufzusetzen. Es kam dabei zu einem heftigen Disput, als die Polizei ein den Tatsachen nicht entsprechendes Protokoll angefertigt hatte. Daraufhin griffen rund einhundert Polizisten und Milizionäre zehn Mennoniten brutal an. Wie die IGFM bereits berichtete, ist Hong-Lien infolge von schweren Misshandlungen und Folter in Haft psychisch erkrankt. Sie erkennt ihre Eltern nicht mehr. Drei inzwischen freigelassene Mennoniten berichteten, dass die Polizei und der Staatsanwalt versucht hatten, die Gefangenen zu zwingen, Pastor Quang als Anstifter und Rädelsführer der März-Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Mennoniten zu denunzieren. Weil zwei Mennoniten dies nicht taten, wurden sie mehrmals bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen, ihre Nasenbeine wurden gebrochen und sie erlitten schwere Verletzungen im Rücken- und Brustbereich. Die vietnamesische Mennonitische Kirche erklärte, dass sie in der Vergangenheit immer wieder versucht habe, ihre Probleme friedlich mit der Regierung zu regeln. Dennoch wurden die Repressalien erweitert: Pastor Quang und andere Mennoniten wurden willkürlich inhaftiert, Eigentum des Kirchenbüros wurde beschlagnahmt, das Haus von Pastor Quang immer wieder durchsucht, Versammlungen aufgelöst, Pastoren und Missionare willkürlich verhaftet und an unbekannten Orten festgehalten, Kirchenmitglieder misshandelt und gewaltsam gezwungen, in Verzichtserklärungen ihrem Glauben abzuschwören. Obwohl in der Zwischenzeit der Premierminister angeordnet hatte, Christen nicht mehr zu drangsalieren, behaupteten die Polizisten nach Auflösung eines Gottesdienstes im Februar 2005, auf Befehl gehandelt zu haben. Quelle: IGFMSchlechte Vorbereitung
Fasten und beten
Hundert Polizisten gegen zehn Mennoniten
Bewusstlos geschlagen
Repressalien
Datum: 11.04.2005