Konferenz für Europa

«500 Jahre Trennung sind genug»

Gemeinsamkeit und Freundschaft vermittelten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm an der Konferenz von «Miteinander für Europa» in München. Vom 30. Juni bis 2. Juli treffen sich hier rund 1'800 Teilnehmende, vorwiegend Leitungspersönlichkeiten und Mitarbeitende.

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Landesbishof Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx (mitte) und die beiden Moderatoren (links und rechts)
Das internationale Netzwerk «Miteinander für Europa» verbindet evangelische, katholische, anglikanische und orthodoxe Christen ebenso wie Mitglieder aus Freikirchen und neuen Gemeinden. Der Kongress steht unter dem Leitwort «500 Jahre Trennung sind genug – Einheit ist möglich!»

Kongress als «prophetisches Zeichen»

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Heinrich Bedford-Strohm

Grosse Beachtung findet die Konferenz auch bei hochrangigen Vertretern der evangelischen Kirchen, der katholischen Kirche und der orthodoxen Kirchen.

Vor dem Hintergrund der Unruhe über das «Nein» der Briten zum Verbleib in Europa und der Krisen in Europa sprach Landesbischof Bedford-Strohm von «genau dem richtigen Zeitpunkt» der Konferenz. Die Veranstalter sehen im Zeitpunkt des Kongresses ein prophetisches Zeichen.

Zum internationalen Netzwerk «Miteinander für Europa» gehören mehr als 300 christliche Bewegungen und Gemeinschaften. Das Netzwerk verbindet evangelische, katholische, anglikanische und orthodoxe Christen ebenso wie Mitglieder aus Freikirchen und neuen Gemeinden. Das Netzwerk entstand 1999 nach der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre in Augsburg. In dem Dokument bekannten die katholische Kirche und der Lutherische Weltbund, dass eine der zentralen Lehraussagen der Reformatoren heute keine Kirchentrennung mehr begründen kann. 

Reformationsjubiläum ist Christusfest

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Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx betonte mit Blick auf das Reformationsjubiläum im Jahr 2017, dass es darum gehe, ein Christusfest zu feiern. Man habe sich einander (katholische Kirche und evangelische Kirchen in Deutschland) versprochen, Christus in die Mitte zu stellen und Christus zu bezeugen.

Landesbischof Bedford-Strohm wies darauf hin, dass noch vor dem Beginn des Jubiläumsjahres evangelische und katholische Bischöfe aus Deutschland Mitte Oktober nach Israel reisen. Das sei ein wichtiges Symbol. «Wir gehen dort hin als Pilger. Wir wollen an den Orten, wo Christus gelebt hat, auf Christus hören. Und wir wollen diese geistliche Kraft mit hierher nehmen», so Bedford-Strohm.

Der EKD-Ratsvorsitzende machte deutlich, dass bei allen unterschiedlichen Auffassungen in Lehre und institutionellen Fragen, es um eine «Ökumene der Herzen» gehe. Es gehe darum «zu spüren und zu erleben, dass Christus mitten unter uns ist. Das ist die massgebliche Realität», so Bedford-Strohm.

«Aufregende Zeiten»

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Pfarrer Frank Römer
«Wir spüren, es sind aufregende Zeiten», sagte der evangelische Pfarrer Thomas Römer (CVJM-München), Mitglied der Konferenzleitung. Er begrüsste das Miteinander der evangelischen und der katholischen Kirche in Deutschland. Er warte auf den Tag, an dem sich dieses Miteinander der Christen auch dadurch ausdrücke, dass man künftig «an einem Tisch in der Kirche sitze», mit Blick auf die weiter getrennte Feier von Abendmahl und Eucharistie. In dieser Frage warte man auf die Bischöfe und werde nicht allein losgehen.

Römer forderte dazu auf, die geistliche Tradition anderer Kirchen kennen und achten zu lernen. «Wir brauchen Pilgerreisen zu den Heiligen der anderen Kirchen, deren Vätern und Müttern, um uns mit ihnen zu versöhnen und ihnen unsere Liebe und Ehrfrucht auszudrücken. Ich glaube, das könnte uns heilen in der Seele.»

Übereinstimmung bei wichtigen Themen

Kardinal Walter Kasper bezeichnete die Initiative «Miteinander für Europa» als «wichtigen Vorposten» im Blick auf ein Miteinander und den Prozess der Vergebung zwischen den Christen verschiedener Kirchen. Kardinal Kasper war viele Jahre Leiter des päpstlichen «Sekretariats für die Einheit der Christen». Kasper gehörte zu den massgeblichen Initiatoren des jüngsten Konzils in Rom zu Fragen der Familie und Sexualität. Kasper stellte in München in Aussicht, dass es in absehbarer Zeit einer Erklärung geben werde, die übereinstimmende Lehrmeinungen zwischen evangelisch-lutherischer und katholischer Kirche zu den Themen Kirche, Amt und Eucharistieverständnis veröffentliche.

Papst via Videobotschaft

Am Samstag geht das Treffen der Christen in München mit einer grossen Kundgebung in der Münchner Innenstadt zu Ende, zu der der Veranstalter mehr als 5'000 Menschen erwarten, darunter viele Jugendliche. In Videobotschaften wenden sich Papst Franziskus und der orthodoxe Patriarch Bartholomäus I. an die Teilnehmenden.

Zum Thema:
Leitartikel «Die Zeit»: Reformationsjubiläum als Gelegenheit, den Papst einzuladen? 
Efraim Tendero: «Ich glaube nicht an ökumenische Beziehungen» 
Abschluss Musiktage: Musik baut Brücken – auch über Konfessionsgräben hinweg 
Sie schreiben Geschichte: Erstes Mal seit 1'000 Jahren: Papst trifft orthodoxen Patriarchen 

Datum: 01.07.2016
Autor: Norbert Abt
Quelle: Livenet

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