Potentielle Terroristen?

Christliche Leiter reagieren scharf auf Diffamierung

Nicht nur Terroristen mit der Waffe, sondern auch Journalisten mit ihren Worten können Gewalt ausüben. So meinte der Berlin-Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» in einem Kommentar, der Attentäter von Orlando, der 49 Personen in einem Homosexuellen-Club erschoss, hätte «genauso gut auch ein evangelikaler Christ sein können». Christliche Leiter übten postwendend scharfe Kritik an dieser Darstellung.

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Michael Diener und Ansgar Hörsting
Die Absicht hinter dem «total unangebrachten Vergleich» liege auf der Hand, so Diener: Gewaltbereiten Terrorismus gebe es in jeder Religion, auch im Christentum. Diener: «Damit verkennt der Autor aber, dass die Christenheit insgesamt ihre intensive Lerngeschichte zu 'Gewalt und Glaube' ohne Eigenschonung vorangetrieben hat und dass es keine christlich motivierte Legitimation für Gewalt im Namen des eigenen Glaubens geben kann.»

Richtigstellung gefordert

Der Korrespondent verletze hier seine journalistische Sorgfaltspflicht; er polemisiere und bleibe «jeden Beweis für diese schreckliche Behauptung schuldig», hält Diener fest und fragt zurück: «Wo haben evangelikal geprägte Christen Gewalt gegenüber Andersdenkenden oder Minderheiten in einer Weise ausgeübt, welche diesen Vergleich rechtfertigen würde?» Wer derart «einfach mal Äpfel mit Birnen vergleicht», handle verantwortungslos, stellte der Allianzvorsitzende fest und forderte eine Richtigstellung.

Christen drücken Anteilnahme aus

Diener brachte gleichzeitig – wie viele andere christliche Leiter auch, unabhängig wie sie etwa zur Homo-Ehe stehen – sein «tiefes Entsetzen» über den Massenmord von Orlando zum Ausdruck: «Immer schrecklicher zeigt menschenverachtender Terror seine hässliche Fratze und lässt die Angehörigen und eine ganze Gesellschaft leidend, fragend und auch zornig anklagend zurück. Auch wenn die Motive des Attentäters letztlich noch im Dunklen liegen, lässt sich vermuten, dass religiöse Beweggründe und Hass auf Minderheiten hier eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt haben.» Auch evangelikale Christen trauerten mit um die Opfer und litten mit den Angehörigen: «Im Gebet sind wir mit ihnen allen verbunden.»

Dr. Michael Diener ist Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften). Er ist auch Mitglied der Leitung der EKD, des Rates der Evangelischen Kirchen Deutschlands.

Ansgar Hörsting: «Üble Nachrede»

Der Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) in Deutschland, Ansgar Hörsting, nannte diese Gleichsetzung gegenüber der Nachrichtenagentur idea «so abstrus», dass es ihm die Sprache verschlage. Es sei «üble Nachrede», Evangelikale mit einer solchen Tat in Verbindung zu bringen, nur weil sie aus biblischer Sicht praktizierte Homosexualität nicht bejahen könnten. Während IS-Anhänger Hass predigten und mordeten, verkündeten Evangelikale «die Liebe Gottes in Jesus Christus». Hörsting forderte Journalisten auf, diese Bewegung nicht länger zu diffamieren, sondern sich über sie zu informieren.

Zur VEF gehören 14 Freikirchen mit rund 265'000 Mitgliedern. Hörsting ist im Hauptamt Präses des über 40'000 Mitglieder zählenden Bundes Freier evangelischer Gemeinden.

Zum Thema:
Massenmord in Homo-Disko: Wenn theologische Streitpunkte in den Hintergrund rücken
Frei von Homosexualität: «Christen versuchten nicht, mich zu ändern, sie überliessen dies Gott»
Mahnung zur Selbstkritik: Michael Diener: «Keine Lust auf Schubladendenken»

Datum: 16.06.2016
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / idea

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