Die Atom-Komödie des Iran

Alle paar Monate wird wieder mal verhandelt. Währenddessen läuft das Atomprogramm des Iran weiter und bleibt das Existenzrecht Israels zumindest verbal in Frage gestellt.
Der iranische General Ali Jaafari: «In naher Zukunft verschwindet diese krebsartige Bakterie Israel.»
Verströmt Vernichtungsphantasien gegen Israel: Iran-Präsident Ahmedinedschad.
Irans Aussenminister Mottaki: «Wenn jeder Moslem einen Eimer Wasser auf Israel schleudert, wird Israel ausgelöscht werden.»

Im Herbst 2008 dürfte das erste iranische Atomkraftwerk in Busher hochgefahren werden. Verschiedene Seiten wie die Vereinten Nationen, die Europäische Union und die Internationale Atomenergiebehörde haben offenbar vergeblich versucht, die iranische Regierung von ihrem Vorhaben abzubringen.

Stattdessen führte diese Regierung die Unterhändler an der Nase herum, so dass im September 2005 einer von ihnen klagte: «Wir laufen an der Leine Teherans!» Drohungen, Resolutionen und Androhungen beantwortete Teheran mit immer neuen kleinen Verhandlungen. Doch die platzten regelmässig, wurden verschoben oder waren durchtränkt mit leeren Versprechungen und jeglicher Art von Hinhaltetaktik.

Stets wurde eine friedliche Nutzung der Atomenergie beteuert, auch wenn die Kontrolleure Pläne für Atomwaffen zu Gesicht bekamen, wie der «Spiegel» berichtete.

Bombe Ende 2008?

Wie funktioniert so ein Spiel auf Zeit? Von einer «letzten Chance» für den Iran sprach der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Mohamed El-Baradei, am 2. September 2007: «Bis November, spätestens Dezember, müssten wir sehen können, ob Teheran seine Versprechen einhält», schrieb damals der österreichische «Kurier»

Die Vereinten Nationen sollten deshalb ihre Sanktionen gegen den Iran nicht verschärfen, so El-Baradei. Der Sprecher des iranischen Aussenministers, Mohammad Ali Hosseini, warnte vor einer neuen Iran-Resolution – man würde dann die Zusammenarbeit mit der IAEO überdenken.

In der Zwischenzeit prahlte der Präsident des Iran, Mahmoud Ahmedinedschad: «Wir haben über 3000 Zentrifugen in Betrieb.» Der «Kurier» weiter: Mit 3000 ununterbrochen und störungsfrei laufenden Zentrifugen könnte nach Einschätzung westlicher Experten binnen eines Jahres genug Uran für eine Atombombe angereichert werden. Das wäre im Herbst 2008.

Zu einem anderen Schluss kommen die 16 US-Geheimdienste laut ZDF: Der Iran habe nach Einschätzung der US-Geheimdienste 2003 die Arbeit an einem Atomwaffenprogramm unterbrochen. Zudem sei Teheran «weniger entschlossen» als bislang angenommen, ein Nukleararsenal zu entwickeln. «Wir urteilen mit mässiger Gewissheit, dass der Iran mit Stand Mitte 2007 sein Atomwaffenprogramm nicht wieder aufgenommen hat.»

Mit «hoher Gewissheit» sei davon auszugehen, dass noch bis 2003 an einem solchen Programm gearbeitet wurde. Den Stopp führen die Geheimdienste zurück auf den internationalen Druck.

Weiss die eine Hand nicht, was die andere tut?

Seit über fünf Jahren verhandelt der Iran über sein Atomprogramm und versucht auf die Weise, nicht in eine Isolation zu rutschen. Die eine Hand reicht man seinen Verhandlungspartnern, die andere streckt sich aus nach angereichertem Uran.

Mitte Oktober 2007 kündigte das Mullah-Regime Atom-Gespräche mit der EU an. Auf der anderen Seite liess das persische Reich durchblicken, dass auch diese neue Initiative nichts an der Haltung Teherans im Atomstreit ändern werde, wie «Der Standard» am 15. Oktober 2007 berichtete.

Das Streben nach der Waffe

Mitte November forderte die internationale Gemeinschaft vom Iran – wieder einmal –einen Verzicht auf die Anreicherung von Uran. Teheran dagegen pochte auf das Recht, eigene Atomforschung zu betreiben – immer nur zu friedlichen Zwecken, wie es hiess. Dafür seien die vorliegenden Konstruktionspläne aber nutzlos, meinen Experten laut «Spiegel». Sie könnten nur im Zusammenhang mit einer Atomwaffen-Produktion verstanden werden. – Einfacher gesagt: Der Iran strebt nach Atomwaffen.

Wenig später willigte der Iran in Gespräche mit den USA ein. Ja, man werde demnächst wieder miteinander sprechen, sagte Mottaki laut der iranischen Nachrichtenagentur Irna. Und vier Tage später: Der Iran will die von der Internationalen Atomenergiebehörde geforderten zusätzlichen Inspektionen von Atomanlagen nicht zulassen. Darüber könne man zu einem späteren Zeitpunkt reden. – Eine von vielen Episoden zwischen Verhandeln, Poltern und Bauen ...

«Krebsartige Bakterie Israel»

Erschreckend ist dieses taktische Lavieren, wenn man sich andere Aussagen von führenden Politikern des Landes in Erinnerung ruft. Zum Beispiel die des iranischen Präsidenten, dass Israel von der Landkarte getilgt werden müsse.

Auch den Kommandanten der Revolutionswächter, General Mohammad Ali Jaafari, treiben ähnliche Gedanken um. Seine Vernichtungsphantasien schilderte er diesen Februar 2008 in einem Beileidsschreiben nach dem Tod eines Hisbollah-Mitglieds: «Ich bin überzeugt, dass die Macht der Hisbollah mit jedem Tag wächst und dass wir in naher Zukunft das Verschwinden dieser krebsartigen Bakterie Israel durch das Ausströmen der Hisbollah-Kämpfer erleben werden.»

Ahmedinedschads «Grusswort» an Israel

Mitte Mai 2008 feierte Israel sein 60jähriges Bestehen. Mahmoud Ahmedijedschad liess es sich nicht nehmen, dieses Ereignis zu kommentieren. Von diplomatischer Etikette war er dabei freilich weit entfernt, bezeichnete er doch Israel als «stinkende Leiche» und verglich es mit einer «toten Ratte». Gleichzeitig redete er das baldige Ende des jüdischen Staates herbei. Einmal mehr.

Auch der Aussenminister des Iran, Manouchehr Mottaki, rasselte mit dem Säbel: Er rief die Moslems auf der ganzen Welt zur «Auslöschung» des jüdischen Staats auf. «Wie der Imam Khomeini gesagt hat: Wenn jeder Moslem einen Eimer Wasser auf Israel schleudert, wird Israel ausgelöscht werden.» Statt um Wasser geht es dem Iran aber um die Atomkraft – auch und grade in ihrer zerstörerischen Variante.

Soll keiner sagen können, er hätte von nichts gewusst.

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Datum: 23.06.2008
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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