Ein Grabenkampf

Kinder – nur kostspielige Nervensägen?

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Öffnet sich tatsächlich ein Graben zwischen Eltern und Kinderlosen? Ein Artikel in der Mittellandzeitung suggeriert das, und er erfordert Widerspruch.

Kinder sind eine Gabe Gottes, sagt die Bibel. Aber sie können auch ganz schön anspruchsvoll sein, wissen viele Eltern. Und sie können nerven, beklagen Kinderlose.

Ein Problem für viele Kinderlose

In der Mittellandzeitung (MZ) ist letzte Woche in der Rubrik «Leben & Wissen» ein polemischer Text unter dem Titel «Der Nuggigrabenkampf» erschienen. Die Autorin Katja Fischer De Santi hat, auch mit Berufung auf verschiedene Fachleute und Quellen, zusammengetragen, wo die Probleme zwischen kinderlosen Paaren, Singles und Eltern mit ihren oft ungezogenen Bengeln liegen. Zum Beispiel, dass es schwierig sei, mit Eltern ein Gespräch zu führen, wenn sich dieses nur um ihre Kinder drehe. Oder die Rücksichten, welche Restaurants, Hochzeitspartys und andere Ereignisse auf Kinder nehmen (müssen).

Schmerzhafte Erfahrung

In der Tat kann das Thema Kinder für Paare, die sich selbst dringend Kinder wünschen würden, schmerzhaft sein. Umgekehrt erfahren Eltern, dass sie plötzlich von früheren Freunden nicht mehr eingeladen werden, wenn sie gleich zu fünft erscheinen, auch wenn sie auf auf ein gutes Verhalten ihrer Kids bei den Gastgebern achten. Vielleicht scheuen die Freunde schlicht den Aufwand für die Bewirtung einer Grossfamilie?

Die neue gesellschaftliche Stellung der Kinder

Auch wenn der Artikel in der MZ vieles überzeichnet, stimmt es natürlich, dass Kinder nicht überall gleich wahrgenommen werden. Gesellschaftlich gesehen ist ihre Stellung gestiegen. Auch individuell in der Familie. Was wird nicht alles getan, um das Kind gut voranzubringen und ihm die Zukunft zu erleichtern! Und wie empfindlich können Eltern reagieren, wenn in der Schule Kritik am Verhalten des Lieblings geäussert wird! Kinder werden heute oft wie kleine Erwachsene oder gar kleine Könige gehalten.

Die ambivalente Elternerfahrung

Es stimmt aber auch, dass Kinder ihre Eltern massiv herausfordern können. Der Weg mit Kindern kann zum Trainingslauf ohnegleichen werden, psychisch und physisch! Er führt im guten Fall zur Reifung der Eltern und der Kinder, die im Umfeld Familie enorme Lernschritte machen und vor allem Lebens- und Sozialkompetenz erwerben. Kinderlosen fehlt diese Erfahrung weithin, es sei denn, dass sie sich selbst sozial betätigen oder Pflege- oder Adoptivkinder aufnehmen.

Müssen Kinder rentieren?

Zitiert wird einmal mehr der Freiburger Ökonomieprofessor Rainer Eichenberger, der vorrechnet, dass ein Kind die Gesellschaft im Durchschnitt mehr koste als es ihr (finanziell) bringe. Abgesehen von der Frage, wie Eichenberger das berechnet hat, irritiert sein Resultat, weil eine Gesellschaft letztlich nicht entscheiden kann, ob sie sich Kinder leisten will oder nicht, wenn sie an ihrer Zukunft interessiert ist. Oder ist es besser, wenn wir aussterben und uns zuvor im Alter noch von eingeflogenen Pflegerinnen aus Fernost betreuen lassen? Und alle übrigen Leistungen dort einkaufen, wo man noch Kinder hat? Und selbstverständlich auf eine AHV verzichten, weil eine nächste Generation diese nicht bezahlen kann, weil sie nicht existiert? Oder weil wir vielleicht 500'000 Franken ansparen konnten, die sonst laut Statistiken das erste Kind kostet?

Ein Vorschlag

Wir schlagen daher folgenden Pakt zwischen Eltern und Kinderlosen vor:

  • Eltern machen sich immer wieder bewusst: Was für sie Kinderglück bedeutet, kann für gewollt oder ungewollt Kinderlose ein Grund für Schmerz oder gar Groll sein.
  • Kinderlose sind sich bewusst, dass das Kinderhaben nicht nur Glück und Fun bedeutet, sondern Eltern zuweilen an ihre Grenzen bringt.
  • Kinderlose freuen sich über das Kinderglück ihrer Freunde und Bekannten mit und lassen das die Eltern spüren – statt sie zu beneiden.
  • Eltern sind sich bewusst, dass das Reden über ihre Kinder für ihre ungewollt kinderlosen Freunde schwierig sein kann und suchen auch andere Gesprächsthemen.
  • Kinderlose suchen Wege, wie sie Eltern unterstützen oder Kindern Zeit schenken können.
  • Beide – Eltern und Kinderlose – machen sich bewusst, dass Kinder die kommende Generation sind. Mit allem, was sie damit für uns in unserem Lebensherbst auf sich nehmen werden.

Zum Thema:
Familie ist Zukunft: 20 Jahre Schweizerische Stiftung für die Familie
Kein «Freude herrscht!»: Kindersegen – und die Schweiz sorgt sich um die Kosten
Papst Franziskus: Eine starke Stimme für die Familie

Datum: 17.05.2018
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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