Schüsse um drei Uhr morgens: Nach dem Massaker in Nigeria
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Sicherheitsleute bergen einen Verletzten. |
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In der Nacht auf Sonntag überfielen Milizen des muslimischen Nomadenstammes der Fulani drei von Christen bewohnte Dörfer nahe der zentralnigerianischen Stadt Jos mit Schusswaffen und Macheten und brachten 500 Personen um. Am Montag wurden noch Verletzte in die Spitäler gebracht. Der amtierende Staatschef Nigerias Goodluck Jonathan hat den nationalen Sicherheitsberater Sarki Mukhtar entlassen. Augenzeugenberichten zufolge schossen die Angreifer morgens um drei Uhr zunächst wild in die Luft, um die Dorfbewohner, Angehörige des christlichen Berom-Volks, aus ihren Hütten zu treiben. Die Fliehenden hackten sie mit Macheten zu Boden. In Tierfallen und Netzen seien sie gefangen und dann getötet worden, hiess es. «Hilflose Menschen, wie Kinder, Frauen und ältere Männer, die nicht mehr rennen konnten, wurden zu Tode gehackt», sagte Mark Lipdo vom Stefanus-Hilfswerk der BBC. Unter den Opfern soll sich ein drei Monate altes Baby befunden haben. In dem Dorf Ratt wenige Kilometer von Jos, der Hauptstadt des Gliedstaates, seien praktisch alle Hütten angezündet worden, hiess es. Viele Menschen verbrannten bei lebendigem Leibe. Ausser Ratt wurden auch die Dörfer Zot und Dogo Nahawa angegriffen. Muslime verschont Laut Agenturberichten waren Muslime in den Dörfern per SMS zwei Tage vor dem Überfall gewarnt worden, so dass sie sich entfernen konnten. Überlebende sagten, die Fulani-Angreifer hätten das Wort ihrer Sprache für Vieh (nagge) gerufen und so die Dorfbewohner getrennt: Wer es nicht verstanden habe, sei zu Tode gehackt worden. Nach einem Bericht riefen Angreifer „Allah ist grösser", bevor sie in die Hütten eindrangen und sie wie auch Kirchen in Brand setzten. Trauer und Wut
Laut dem Informationsbeauftragten des Gliedstaats wurden über 200 Personen, Kinder, Betagte und schwangere Frauen, verletzt in Spitäler in Jos gebracht. Am Montag wurden 400 Leichen in Massengräber gelegt, wobei Soldaten die erregten Angehörigen zurückhielten. Zuvor hatten auf dem Dorfplatz von Dogo Geistliche gepredigt und den Trauernden nahegelegt, das Geschehene hinzunehmen. Die Lage in der Region blieb angespannt. Die Zeitung „Vanguard" berichtete am Dienstag, die Polizei habe 96 Personen festgenommen. Vier Flüchtende seien erschossen worden. Die Staatsführung entsandte Truppen, um Plünderungen zu verhindern. Untat und Rache Der Dorfbewohner Yusuf Alkali sagte dem unabhängigen Pressedienst IRIN, der Angriff könne als Rache für einen Überfall junger Berom verstanden werden. Sie hatten im Januar Fulani überfallen, viele getötet und Vieh geraubt. Etwa 20‘000 Personen waren im Januar aus ihren Behausungen geflohen. Laut einem Hilfswerkvertreter leben in Nigeria schätzungsweise 15 Millionen nomadische Hirten. Im zentralen Plateau-Gliedstaat ist die Weidefläche geschrumpft. Zur Gewaltbereitschaft trägt auch bei, dass Täter selten zur Rechenschaft gezogen werden. Im nördlichen Gliedstaat Jigawa haben die Behörden die Weideflächen und Pfade für die Herden eingegrenzt, worauf die Gewalt zurückging. Der Sultan lenkt ab Alhadschi Saad Abubakar, der Vorsitzende des Obersten Islamischen Rats, hat sich nach dem Massaker dagegen gewehrt, dass alle Muslime als Terroristen hingestellt werden, wenn einzelne Untaten begehen. Der Sultan äusserte, stattdessen sollten die Machenschaften der USA und ihrer Agenten unter die Lupe genommen werden. Weltweit verübten Amerikaner mehr Bluttaten als Muslime. Viele Christen und Juden verübten täglich Terrorakte, doch in der westlichen Presse sei davon nicht die Rede.
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch
Datum: 10.03.2010
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