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Ranke-Heinemann: Beichte begünstigt Kindesmissbrauch

Hamburg Die Theologie-Professorin Uta Ranke-Heinemann hat der katholischen Kirche vorgeworfen, die Päderastie zu begünstigen. Die 74-Jährige sagte in einem Interview der Zeitschrift «Max», die Kirche begünstige die Neigung pädophiler Priester. Das Eheverbot für Priester habe «zur Folge gehabt, dass die homosexuellen Priester überhand nehmen», sagte Ranke-Heinemann. Deshalb müsse der Zölibat abgeschafft werden.

Die streitbare Autorin des Buchs «Eunuchen für das Himmelreich» meinte: «Der Beichtstuhl wird zur Kontaktbörse, zum Ort, an dem Missbrauch sich anbahnt.» Sie verwies auf einen aktuellen Fall: «In Essen hat ein Junge einem Kaplan gebeichtet, er habe Sex mit einem Mönch gehabt. Der Kaplan, der anschliessend übrigens 14 Jahre Direktor des heilpädagogischen Franz-Sales-Hauses war, hat den Jungen jahrelang weiter missbraucht. Die Minderjährigenbeichte sollte abgeschafft werden.»

Ranke-Heinemann erklärte sich das Festhalten der Kirche am Eheverbot so: «60 Prozent im Vatikan sind homosexuell. Um ihr ideales Biotop nicht zu verlieren, halten diese am Zölibat fest.» Auch wenn der Papst selbst nicht homosexuell sei, habe er die Frauen erfolgreich aus der Kirche vertrieben. «Somit waren Priester ... nur von kleinen Jungen umgeben», sagte Ranke-Heinemann.

Die Tochter des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann war während ihres Studiums 1953 zum Katholizismus übergetreten. Als erste Frau überhaupt erhielt sie 1970 eine Professur für katholische Theologie. 1987 entzog der Bischof von Essen, Franz Hengsbach, ihr die Lehrbefugnis. Danach erhielt sie einen kirchenunabhängigen Lehrstuhl für Religionsgeschichte an der Universität Essen.

Auf die Frage, warum sie selbst noch Mitglied der katholischen Kirche ist, sagte Ranke-Heinemann: «Ich zahle meine Kirchensteuer. Ich bin zwar exkommuniziert, aber mein Geld nicht. Ich bin der bleibende Protest in der Kirche.»


Zeitschrift "Max"

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