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Warum wechseln Christen die Gemeinde?

 
Familie Frei
Familie Frei
Die Landeskirchen klagen über Mitgliederschwund. In vielen Freikirchen bleiben die Besucherzahlen konstant. Die natürlichen Abgänge durch Wegzug oder Tod werden durch Zuzüger wettgemacht. Doch da bewegt sich noch mehr: Zunehmend wechseln Menschen die Gemeinde.

Die Gründe, warum eine Gemeinde verlassen wird, sind vielfältig. Das kann ein Wohnortwechsel, eine Heirat, mangelndes Jugendprogramm oder eine persönliche Entwicklung sein. Manchmal ist ein Weggang auch schmerzlich begründet: Streit, Überlastung oder missverstandene Kritik. Die Treue, die unsere Mütter und Väter ihrer Gemeinde gegenüber zeigten, ist nicht mehr weitverbreitet. Auch Christen sind Individualisten und suchen sich ein Angebot, das für sie stimmt. Einige Beispiele.

Freunde gefunden
Familie Frei aus Riehen ist vor vier Jahren aus der Chrischona-Gemeinde ausgetreten. Der Grund war ein unbefriedigendes Angebot für die Jugend. "Damals gab es am Sonntagmorgen bei uns stets heftige Diskussionen. Das spitzte sich mit der Zeit so zu, dass regelmässig die Frage im Raum stand: go or no go?",erinnert sich die Mutter. Der Abschied fiel den Eltern nicht leicht, da sie seit ihrer Kindheit zur Chrischona gehört hatten. Doch sie mussten sich zwischen lieb gewordener Tradition und den Bedürfnissen ihrer Söhne entscheiden.

 
Heinz und Brigitte Plüss
Heinz und Brigitte Plüss
Fortan besuchten sie eine charismatisch geprägte Gemeinde, mit der sie aber nicht richtig warm wurden. Deshalb wechselten sie nochmals und fanden ein neues geistliches Zuhause in einer Freien Evangelischen Gemeinde (FEG). Esther Frei meint: "Durch diese Odyssee lernten wir viele unterschiedliche Christen kennen, die alle letztlich dasselbe Ziel haben. Ein Gemeindewechsel kann eine neue Dynamik auslösen. Wir wurden toleranter und würden es auf jeden Fall wieder tun. Unsere Söhne gehen nun gern in die Gemeinde, denn sie haben Freunde gefunden."

Gläubiger Pfarrer
15 Jahre lang betete Adelheid Allenspach mit einer Gruppe engagierter Christen für einen gläubigen Pfarrer in ihrem Dorf Mörschwil im Kanton St. Gallen. Mit Gott vereinbarte sie, dass sie dann aus der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) in die Landeskirche wechseln werde. Vor vier Jahren wurde ein gläubiger Pfarrer gewählt. Kurz zuvor hatte sie ihre Mitgliedschaft in der FEG nach vier Gemeindespaltungen gekündigt. Auch konnte sie hinter gewissen Entscheidungen der Leitung nicht mehr stehen. "Nun arbeite ich bei uns in der Landeskirche in der Kinderarbeit, am Büchertisch, im Gebetsdienst und bei einem speziellen Gottesdienst für kirchenferne Menschen mit", berichtet Adelheid Allenspach.

An Sonntagen ohne Gottesdienst besucht sie weiterhin die FEG. Mancher überkonfessionelle Kontakt sei so entstanden. "Ich würde diesen Schritt wieder tun", sagt sie. "Ein weiteres Geschenk ist, dass sich mein Mann in der Landeskirche wohler fühlt."

Kein Ja zur Uniform
Aus gelegentlichen Gottesdienstbesuchen in der Heilsarmee ergab sich für Heinz und Brigitte Plüss aus Bülach eine Regelmässigkeit. Bald engagierten sie sich in der Wirtschaftsmission und der Frauengruppe. "Nach einigen Jahren merkten wir, dass eine Entscheidung für einen definitiven Gemeindebeitritt ansteht. Nach intensiver Prüfung hatten wir beide kein klares Ja zur Uniform." Sie liessen sich aber in den sogenannten engeren Freundeskreis aufnehmen. Nach einiger Zeit wurden sie erneut mit der Frage konfrontiert, warum sie eigentlich nicht ganz Ja zur Heilsarmee sagen wollten. Sie kamen zur Erkenntnis, dass sie sich nie bewusst für diese Gemeinde entschieden hatten, sondern eher zufällige Mitläufer waren.

Es begann ein schwieriger und schmerzhafter Prozess, der sie nach einer anderen Gemeinde umsehen liess. "Weil der älteste Sohn in der EMK in der Jungschar war, besuchten wir dort einen
 
Adelheid Allenspach
Adelheid Allenspach
Glaubenskurs. Danach nahmen wir den fälligen Gemeindewechsel vor." Nach einem Jahr liessen sie sich in der neuen geistlichen Heimat als Mitglieder aufnehmen. Für das Ehepaar Plüss war es nicht einfach, diesen Schritt zu tun. Aber durch Offenheit klärte sich vieles. Sie sind heute überzeugt, dass es der richtige Schritt war. Mit verschiedenen Freunden aus der Heilsarmee haben sie aber immer noch ein gutes Verhältnis.

Dranbleiben
Die Beispiele zeigen die positiven Seiten eines Gemeindewechsels. Doch kann treues Dranbleiben ebenso wertvoll sein. Wer in guten wie in schweren Zeiten Freuden und Lasten einer Gemeinde mitträgt, kann erleben, was es heisst, ein starkes Netz von geistlichen Brüdern und Schwestern zu haben. Das Ehepaar Plüss meint: "Wichtig ist, dass man sich Gedanken über die Gemeindezugehörigkeit macht und nicht einfach Mitläufer ist."

Interview mit Urs Argenton zum Thema: Von Gemeinde zu Gemeinde: «Jedermann kann gehen»

Autor: Esther Reutimann
Quelle: idea Schweiz
Datum: 19.05.2008

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