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Thun: Hauskirchen-Mann zu christlich für SP

 
Patric Bhend
Patric Bhend

Die Thuner SP hat Patric Bhend nicht als Kandidaten für einen Gemeinderatssitz nominiert. Dass der bekannte Lokalpolitiker der Hauskirchenbewegung GPMC angehört, erwies sich möglicherweise als Stolperstein. Die zuvor in der Bevölkerung relativ unbekannte GPMC war deswegen in den Medien plötzlich ein Thema.


Im Herbst wird in Thun die Stadtregierung, der Gemeinderat, in einem neuen Proporzverfahren gewählt. Die SP, die zwei Sitze hält, hat vier Kandidaten nominiert. Nach harten Diskussionen, die auch in den Medien Wellen warfen, blieb Patric Bhend, der im Stadt- wie neu auch im Kantonsparlament sitzt, unberücksichtigt. «Die Freikirche spielte sicher eine Rolle“, räumte der SP-Sprecher ein. Als grundsätzliche Ablehnung gegenüber Mitgliedern in Freikirchen wolle die Partei das Votum aber nicht verstanden wissen.


Auf eine Kandidatur hatte im Vorfeld eine SP-Frau verzichtet, weil sie nicht «mit einer Person, die einer fundamentalistischen Organisation angehört», antreten wolle. Bhend verwies gegenüber der Zeitung „Der Bund“ auf den Willen der Partei, zwei Frauen aufzustellen. Beide gelten – im Unterschied zu ihm selbst – als politisch unerfahren.


Stark gewachsene Hauskirchenbewegung
Bei den parteiinternen Auseinandersetzungen um Bhend richteten sich die medialen Scheinwerfer auch auf die GPMC, die «Gemeinden postmoderner Christen». Die Berner Tageszeitung „Der Bund“ hat nun ein differenziertes Portrait der neuartigen Freikirche nachgeliefert. Vor sieben Jahren gegründet, zählt die Hauskirche heute über 300 Personen, Kinder eingeschlossen. Die GPMC leiten Matthias Kuhn, genannt Kuno, seine Frau und drei weitere Ehepaare. Die Hauskirche betont die Nachbarschaftshilfe, etwa bei der Kinderbetreuung, die denen leichter fällt, die nahe oder gar im selben Haus leben. Dies zu verwirklichen, schwebte Kuhn von Anfang an vor, wie er der Reporterin verriet: «Den Glauben gemeinsam im Treppenhaus leben zu können und nicht still nebeneinander auf der Kirchenbank.»

Miteinander im Alltag leben
Die GPMC führt monatlich einen Gottesdienst für alle durch, in einer alten Fabrikhalle auf dem Selve-Areal in Thun. Zwischendurch treffen sich kleine Gruppen – die so genannten «Livegrooves» – wöchentlich und immer wieder zwischendurch. Auf diese Art habe er seinen Glauben schon immer leben wollen: im familiären Rahmen, nicht an ein Programm gebunden, das die Daten vorgibt, sagt Kuhn.


Was ist der Grund für das Wachstum der GPMC? Der durch Auftritte am Christustag und anderen Grossveranstaltungen schweizweit bekannte Pastor meint, „dass wir mit unseren Gruppen, die wie Familien funktionieren, eine gewisse Antwort sind auf die Beziehungsarmut heutzutage“. Und die Reporterin hat sogar Kuhns Vision notiert, dass «Europa nochmals offen werden wird für das Evangelium – nicht zuletzt wegen all der gewaltigen Mängel in unserem Leben wie etwa Beziehungsschädigungen».


Leitlinien – im Gespräch umgesetzt
Die GPMC richtet sich nach der Bibel; ihre Jüngerschaftspapiere, die aufzeigen sollen, was die Bibel zu aktuellen Themen sagt, sind als Hilfsmittel für die Hausgemeindeleiter gedacht. Die Aussagen zu Themen wie Sexualität, Geld oder Ehe werden diskutiert – und diese Gespräche werden nicht zentral gesteuert, sondern den einzelnen Leitern der «Livegrooves» überlassen.


Als Bewegungsleiter, sagte Matthias Kuhn der Reporterin, versuche er klare geistliche Werte zu vermitteln und die Leiter persönlich zu begleiten. «Das Aufrichten disziplinarischer, christlicher Massstäbe kann sehr lieblos wirken. Deshalb kommt es darauf an, wer mit dem Geschriebenen auf dem Papier dann wie umgeht.» Das Papier über das Verhältnis von Mann und Frau, das bei SP-Leuten Proteste auslöste, hat die GPMC vom Internet entfernt. Kuhn: «Wer sich darob ärgert, mit dem würde ich lieber diskutieren anstatt einfach nur hier und jetzt Stellung zu nehmen.»

Mehr zum Thema:
www.bhend.info

Webseite der GMPC:
www.gpmc.ch

Meinungen zum Thema

 

Quelle: Livenet / Der Bund

Autor: Peter Schmid

Datum: 06.07.2006

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