Haben Christen im Irak noch Platz?
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Hier wird die Irak-Konferenz eröffnet (Fotos: CSI). |
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Unter der Schirmherrschaft des irakischen Vizepräsidenten Adil Abdul-Mahdi führte die Schweizer Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International (CSI) in Bagdad eine Konferenz durch. Diese thematisierte die Situation der Christen im Irak. Vertreter der wichtigsten irakischen Kirchen trafen sich mit Regierungsvertretern und Menschenrechtsaktivisten, um gemeinsam nach Lösungen im Konflikt um die Christenverfolgung zu suchen. Auch Vertreter der US-Botschaft und des Vatikan nahmen teil. Die zentrale Frage lautete: «Haben die Christen im Irak eine Zukunft?» Das Thema sei auf grosses Medieninteresse gestossen, zehn irakische Fernsehteams hätten berichtet. Die Sprecher appellierten an die Regierungen in Bagdad und Kurdistan, endlich grössere Anstrengungen zu unternehmen, um Christen und andere Minderheiten zu schützen und Bedingungen zu schaffen, die eine sichere und würdige Rückkehr von Hunderttausenden von Flüchtlingen ermöglichen. «Eine Tragödie!» Bewegend waren die Berichte irakischer Christen, die schilderten, wie gezielt auf sie Anschläge verübt wurden. Die Hinterbliebenen der Mordopfer, die im Nordirak Zuflucht gefunden haben, waren mehrere hundert Kilometer weit bis nach Bagdad gereist, ins Hotel, wo die Konferenz durchgeführt wurde. Ihr Bericht von Leid und Tragödien, aber auch von Glaubensmut und Willensstärke bewegten die Konferenzteilnehmer. CSI-Präsidentin Annette Walder-Stückelberger bedauerte besonders das Schweigen vieler Repräsentanten von Kirchen in den Ländern Europas und auch der Schweiz: «Es ist eine Tragödie, dass die Vertreter der Kirchen in der Schweiz und in Europa untätig bleiben. Die dramatische Situation erfordert die Solidarität aller.» Hälfte der Christen geflüchtet «Die Christen gehörten zum Irak wie das Wasser des Tigris», erklärte William Warda, Vertreter der irakischen Menschenrechtsorganisation «Hamorabi». «Sie sind eine Heilsarmee, die seit Jahrhunderten im Hintergrund für das Wohl aller Iraker tätig ist. Was mich am meisten schmerzt, ist, dass es heute eine andere, im Geheimen agierende Terror-Armee gibt, die nichts als Tod und Zerstörung bringt.» Seit Jahrhunderten erduldet die irakische Christenheit eine Welle der Verfolgung nach der anderen. Seit dem Sturz von Saddam Hussein im Jahr 2003 ist fast die Hälfte der irakischen Christen ins Ausland geflüchtet. Muslime sollen sich engagieren
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Mutter, deren Sohn von Terroristen ermordet wurde. |
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Im Zusammenhang mit der Irak-Konferenz fordert CSI-Sprecher Ueli Haldemann, dass sich die Muslime in der Schweiz für die Menschenrechte in ihren Heimatländern engagieren: «Genauso wie die Muslime für die Religionsfreiheit in der Schweiz kämpfen, sollen sie sich auch für Religionsfreiheit in islamischen Ländern einsetzen.» Islamische Staaten werfen dem Westen immer wieder vor, dass Muslime ihre Religion nicht frei ausüben könnten, schreibt Haldemann. «Seit den jüngsten Ereignissen ist in einzelnen arabischen Medien sogar behauptet worden, dass die Schweiz Muslime verfolge.» Schweizer Muslime würden nur einseitig Stellung zur Religionsfreiheit beziehen. Gewalt ablehnen «Der Islam hat mit der Religionsfreiheit ein ernstes Problem», so Ueli Haldemann weiter. Mit Blick auf die Islam-Kundgebung vom letzten Samstag (12. Dezember 2009) erklärt er: «Genauso wie Muslime für die Religionsfreiheit in der Schweiz kämpfen, sollten sie sich auch für Religionsfreiheit in islamischen Ländern einsetzen. Ich vermisse bis heute, dass Muslime in der Schweiz die Verfolgung von Christen und andern religiösen Minderheiten in islamischen Ländern ausdrücklich verurteilen. Ich nehme auch zu wenig wahr, dass sie die Gewalt durch den Islam öffentlich ablehnen.» Menschenrechte in islamischen Staaten missachtet Wie der Bericht des amerikanischen Aussenministeriums über Religionsfreiheit zeigt, missachten viele islamische Staaten die Menschenrechte in massiver Weise. In fünfzig Ländern kommen erhebliche Einschränkungen der Religionsfreiheit vor. Davon sind vierzig Länder islamische Staaten - zum Beispiel garantiert die Türkei auf dem Papier Religionsfreiheit. Christen werden jedoch massiv diskriminiert. Die christlichen Kirchen dürfen keine Grundstücke kaufen und keine Schulen oder Klöster gründen. Bestehende Gebäude von christlichen Gemeinschaften verfallen, weil sie nicht renoviert werden können. Die deutsche Evangelische Gemeinde in Ankara muss sich ausserdem auf dem Gelände der Deutschen Botschaft zu ihren Gottesdiensten treffen. In Saudi-Arabien riskiert ein Christ bis zu mehreren Monaten Gefängnis, wenn er in der Öffentlichkeit ein Kreuz trägt. Christen ist es nicht erlaubt, sich zusammen mit andern Christen in Privatwohnungen zum Gebet zu treffen. Im Iran gilt das islamische Scharia-Recht. Christen müssen sich heimlich treffen. Wenn sich Menschen vom islamischen Glauben abwenden und Christen werden, droht ihnen der Tod. Links zum Thema: Irak: Christentum in Mosul vor dem Aus? Durban 2 - Viele Unschuldslämmer und ein Sündenbock www.csi-schweiz.ch Hintergrundinfos des US-Aussenministeriums zur Religionsfreiheit
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch
Datum: 15.12.2009
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