Oxford-Professor John Lennox

«Gott will der Wissenschaft keine Konkurrenz machen»

Der britische Mathematiker John Lennox hat in Marburg erklärt, aus welchem Grund Atheisten nicht an Gott glauben – und wie Christen argumentieren können. «Es gibt keinen Widerspruch zwischen Wissenschaft und Glaube», sagte er.

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John Lennox
Der weltweite Einfluss der sogenannten neuen Atheisten sei verheerend, erklärte der britische Mathematikprofessor Lohn Lennox am Freitagabend bei der Herbsttagung der Studentenmission in Deutschland (SMD) in Marburg. Solchen Atheisten wie «Gotteswahn»-Autor Richard Dawkins ginge es nicht nur darum, Gott zu leugnen, vielmehr betrachten sie auch den Einfluss von Religion und Glaube als schädlich. «Die Agenda der neuen Atheisten hat sich erweitert auf einen Angriff auf die Existenz des Glaubens», sagte Lennox. Diese hätten keinerlei Respekt vor der Religion und wollten sie komplett abschaffen und durch Wissenschaft ersetzen. Besonders aggressive Atheisten würden Gott als eine «Wahnvorstellung» abtun, und damit Gläubigen eine psychische Erkrankung unterstellen.

Der Autor zahlreicher Bücher gab einen Einblick in die öffentlichen Diskussionen, die er häufig mit Atheisten führt. Auf den Vorwurf, der Glaube an Gott sei nicht klüger als der Glaube an den Weihnachtsmann oder die Zahnfee, habe er das Publikum gefragt, wer als Erwachsener zum Glauben an diese beiden gekommen sei. Als keiner die Hand hob, habe er gefragt, wer als Erwachsender zum Glauben an Gott gekommen sei. Viele Hände seien nach oben gegangen. «Die besten Denker von der Antike bis heute haben ihr Gehirn gewunden, um Gott zu verstehen. Hat das schon jemand mit dem Weihnachtsmann gemacht?»

Das falsche Gottesbild der Atheisten

Lennox führte aus, dass es keinen Widerspruch gebe zwischen Gott und der Naturwissenschaft, sondern einen Widerspruch zwischen zwei Weltbildern, Theismus und Atheismus. Dies habe oft damit zu tun, dass Atheisten nicht verstünden, an welche Art Gott gläubige Menschen glauben. Im alten Griechenland hätten die Menschen Angst vor Donner gehabt, und deswegen einen Donnergott erfunden. Heute kann man das Phänomen des Donners naturwissenschaftlich erklären, und braucht deswegen den Donnergott nicht mehr – der Donnergott ist ein erfundener Gott, um eine Wissenslücke zu füllen. «Wer sich Gott so vorstellt, muss natürlich glauben, zwischen Gott und der Wissenschaft wählen zu müssen», erklärte Lennox. «Das ist aber nicht der Gott der Bibel. Der Gott der Bibel hat Himmel und Erde erschaffen.»

So habe der Forscher und Christ Isaac Newton nach der Entdeckung der Schwerkraft nicht gesagt «Wunderbar, ich brauche Gott nicht mehr», sondern vielmehr «Was für ein wunderbarer Gott». Je mehr Newton über die Welt lernte, «desto mehr bewunderte er Gott, der das alles gemacht hatte. Gott macht der Naturwissenschaft keine Konkurrenz.» Für gläubige Wissenschaftler wie Newton, Galileo Galilei oder Johannes Kepler sei der Glaube kein Hindernis, sondern der treibende Motor hinter ihren naturwissenschaftlichen Forschungen gewesen.

Lennox zog kochendes Wasser als Beispiel heran, um diesen Gedankengang zu verdeutlichen. Die Frage, warum das Wasser kocht, könne auf zwei Arten beantwortet werden. Erstens könnte man erklären: Eine Gasflamme erhitzt den Kupferkessel, dadurch werden die Moleküle des Wassers schneller und es beginnt, sich zu erwärmen. Zweitens: Das Wasser kocht, weil jemand gerne einen Tee trinken will. «Diese beiden Ebenen widersprechen sich nicht», sagte Lennox. «Die eine Ebene beobachtet naturwissenschaftlich, die andere berücksichtigt das Handeln einer Person. Hier einen Widerspruch zu konstruieren wäre so, als ob man eine Konkurrenz sieht zwischen Henry Ford und der Funktionsweise eines Motors.»

Der 71-Jährige griff die vorherrschende wissenschaftliche Theorie auf, der Mensch sei durch einen sehr langen, ungesteuerten Prozess entstanden, und zeigte Widersprüche an dieser Annahme auf. «Das Herz erfüllt im Körper einen klaren Zweck. Ein zufällig und ungesteuert gewachsener Tumor nicht», sagte er. Warum, fragte Lennox, gehen Atheisten eigentlich davon aus, dass sie ihrem zufällig gewachsenen Gehirn und seinen Gedanken vertrauen können? Schliesslich würden sie auch keinen Computer benutzen, der ungesteuert und zufällig entstanden sei.

«Ich kann mit Gott über Probleme reden»

Am Ende des Abends beantwortete Lennox eine Publikumsfrage zu seiner persönlichen Gottesbeziehung. «Gott ist nicht nur eine Theorie, sondern eine Person», erklärte er. Die direkte Ansprechbarkeit dieser Person sei für ihn einer der faszinierendsten Aspekte des Christentums. Zwar habe er noch nie Gottes Stimme gehört, doch durch das Studium der Bibel habe Gott immer wieder zu ihm und seiner Frau gesprochen. «Man kann zu Gott kommen und mit ihm über Probleme reden», bekannte der Oxford-Professor. «Gemeinsam mit Gott kann man dann Lösungen finden, die über simple Antworten hinausgehen.»

Das Christentum, riet er Zweiflern, könne man ganz leicht auf die Probe stellen. «Jesus Christus verspricht, dass wir ein neues Leben bekommen, wenn wir ihn als Herrn und Heiland annehmen und unsere Sünden bekennen. Das kann jeder testen, und ich habe es schon oft gesehen.» Er habe hunderte Male gehört, wie Drogenabhängige plötzlich frei von ihrer Sucht wurden, weil sie Christen wurden. «Der persönliche Gott hört uns an», sagte Lennox, «und er geht in die Einzelheiten. Er bereichert unser Leben.»

Zum Thema:
Felix Ruther: Wie ein Wissenschaftler mit der Bibel lebt
Studie unter Forschern: Glaube und Wissenschaft sind vereinbar
Mathematikprofessor Lennox: «Auch Atheisten glauben»
Überholte Vorstellungen: Hat die Wissenschaft Gott begraben?

Datum: 14.10.2015
Quelle: PRO Medienmagazin

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