„Hier ruht Paulus“
Der Vatikan-Archäologe Giorgio Filippi gab diese Entdeckung Anfang November im Bulletin der Vatikanischen Museen bekannt. Man gehe zwar schon lange davon aus, dass es sich in dieser Kirche befindet. Nun aber dürfte es tatsächlich zutage getreten sein – einen halben Meter unter der Erde, umgeben von Baumaterial aus dem 19. Jahrhundert.
Nicht an der vermuteten Stelle
Dottore Filippi hatte den Auftrag, die genaue Lage dieses Grabes herauszufinden. Unter der bekannten Marmorplatte mit der Aufschrift „Paulo Apostolo Mart“ („Dem Apostel und Märtyrer Paulus“) konnte es sich nicht befinden; sie gehörte nie zu einem Sarkophag. Also veranlasste
Vor allem drei Gründe sprechen tatsächlich für die Echtheit dieses Grabes: die genaue Beschaffenheit jenes Deckels, die Stellung des ganzen Sarkophags und die nähere Umgebung.
Reliquien zweiten Grades
In den Sarkophag wurde nachträglich eine trichterförmige Öffnung gebohrt, aber noch in römischen Zeiten wieder verschlossen. Die Archäologen des Vatikan habe diesen Trichter wieder ausgehöhlt. Nur noch ein daumennagelgrosser Pfropfen an seinem Ende verwehrt den Blick ins Innere der Grabkammer. Solche Öffnungen wurden in den ersten Jahrhundert dazu verwendet, um die Gebeine eines Heiligen mit Stoffstreifen zu berühren. Auf diese Weise wurden sie selber zu Reliquien. Den Handel mit den sterblichen Überresten von verehrten Gläubigen aber liess Kaiser Theodosius im Jahr 386 verbieten.
Paulus im Mittelpunkt ...
Der Sarkophag befindet sich auf dem Fussboden der Basilika, die jener Kaiser zu Ehren des Apostels errichten liess. Sie ersetzte einen noch älteren Bau vom Anfang des 4. Jahrhunderts. Wegen Hochwassergefahr wurde er um mehrere Meter erhöht. Das Grab stand damals als Altar in der Mitte des Raums. Die Gläubigen konnten also unmittelbar neben den Gebeinen des Paulus ihre Gebete sprechen. Ausgehend von dieser einen Basilika wurde es bald im ganzen christlichen Kulturkreis üblich, in eine Altarplatte Reliquien einzulassen.
Die Basilika des Theodosius brannte 1823 vollständig nieder. Für den monströsen Bau, den der russische Zar an dieser Stelle errichten liess, mussten enorme Fundamente aufgeschüttet werden. Sie begruben das alte Grab, und seither war seine genaue Lage unbekannt. 1912 wurde dieser Bau zwar wieder abgerissen, doch die Fundamente blieben liegen.
... auch für die Toten
Das Grab eines Heiligen war aber nicht nur als Gebetsstätte bevorzugt. Man liess sich auch gerne in der Nähe bestatten. Die geschätzten 5000 antiken Gräber unter und um die Basilika gelten als weiteres Indiz dafür, dass es sich beim nun wiederentdeckten Sarkophag tatsächlich um die letzte Ruhestätte des Paulus handeln dürfte.
Demnächst soll die kleine Öffnung in der Grabplatte vollends durchstossen und das Innere mit einer kleinen Kamera ausgeleuchtet werden. Man rechnet damit, ein Skelett ohne Schädel zu finden (der wird in der Basilika St. Johann im Lateran verehrt). Geplant sind zudem DNA-Analysen der Gebeine.
Neuentdeckung lebendiger Worte
Der frühere Christenverfolger Saulus war massgeblich daran beteiligt, dass sich der neue Glauben innerhalb weniger Jahrzehnte im gesamten Römischen Reich ausbreiten konnte. Er wurde im Jahr
64 oder 67 n.Chr. in Rom enthauptet. Neben seinen – vermuteten – Gebeinen harren auch 13 seiner erhalten gebliebenen Briefe immer wieder einer Neuentdeckung. Sie wurden tausendfach übersetzt, auch in deutscher Sprache, und können im hinteren Teil der Bibel besichtigt werden.Quellen: Livenet / Welt.de, kna, Stern, Kipa, Idea Deutschland
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