Kaliforniens Homo-Paare

Ehe durch Urteil «im Wesen umdefiniert»

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Ein Richter in Kalifornien hat das Verbot der Eheschliessung unter Gleichgeschlechtlichen als verfassungswidrig aufgehoben. Sprecher der Evangelikalen haben das Urteil, das den Kulturkampf im Wahlherbst 2010 anheizen dürfte, in den schärfsten Tönen kritisiert. Sie sehen die Zivilisation abbrechen.

Der einflussreiche baptistische Theologe Albert Mohler schrieb, mit dem Urteil habe der Bundesrichter Vaughn Walker sich über das Volk hinweggesetzt und ihm das Recht abgesprochen, die Ehe im Einklang mit der jüdisch-christlichen Tradition zu definieren. «Und Tausende Jahre menschlicher Weisheit wurden als irrational verworfen.»

 

Hin und Her

2008 nutzten im Golden State 18‘000 homosexuelle Paare die Möglichkeit zu heiraten, als der Staat sie registrierte. In einer heftig umkämpften Volksabstimmung sagten dann aber 52 Prozent der Wähler Ja zur sogenannten Proposition 8, einer Bestimmung, welche die Ehe als Beziehung zwischen Mann und Frau definiert. Die Homosexuellen in Kalifornien fanden sich nicht damit ab. Am 4. August 2010 erklärte der (selbst homosexuelle) Bundesrichter Walker das Verbot der ‚gay marriage‘ für verfassungswidrig. Er zog zur Begründung den 14. Zusatz zur amerikanischen Verfassung von 1868 heran, der den Staat verpflichtet, allen Bürgern gleiche Rechte zu gewähren. Das Urteil wird angefochten. Rund 30 Bundesstaaten der USA haben gay marriage verboten. Der Streit wird vom Obersten Gericht entschieden werden müssen.

 

Nicht gewählter Richter verwirft Volksentscheid

Auf über hundert Seiten begründete Walker sein Urteil, wonach homosexuellen Paaren das Recht zu heiraten verfassungsmässig zusteht. Dies zu verbieten, komme der Behauptung gleich, Hetero-Paare seien Homo-Paaren überlegen. Albert Mohler und wertkonservative Amerikaner stossen sich daran, dass ein einziger nicht vom Volk gewählter, sondern ernannter Bundesrichter demokratisch zustande gekommene Entscheide des Souveräns annulliert. Dieser «judicial activism», Rechtsprechung, welche dem Volk den Weg weisen will, lässt in einem beträchtlichen Teil der US-Bevölkerung Wut hochkommen.


Mohler warnt die Verteidiger der traditionellen Ehe, die Bedeutung des Urteils zu unterschätzen. Walkers Entscheid verstärke den (von den gay-marriage-Befürwortern nach Kräften geförderten) Eindruck, die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben sei unabwendbar. Das Urteil sei ein «gewaltiger Gewinn für die homosexuelle Gemeinschaft und ein bedeutender Schritt dahin, dass Homosexualität in der Kultur etwas ganz Normales wird».

 

Erschreckende Sätze

Der Theologe, der dem Seminar der Südlichen Baptisten vorsteht, zitiert Sätze aus dem Urteil, die ihn erschrecken: «Religiöse Ansichten, dass schwule und lesbische Beziehungen sündhaft oder gegenüber heterosexuellen Beziehungen minderwertig sind, schaden Schwulen und Lesben.» «Kinder brauchen nicht von einem männlichen Elternteil (male parent) und einem weiblichen Elternteil aufgezogen zu werden, um sich gut zu entwickeln (to be well-adjusted); und einen männlichen und weiblichen Elternteil zu haben, erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür nicht.» «Das Geschlecht eines Elternteils eines Kindes ist kein Faktor im Anpassungsprozess (adjustment) des Kindes. Die sexuelle Orientierung einer Person entscheidet nicht darüber, ob sie gut für ein Kind sorgen kann (be a good parent).»

 

Ebenso ehefähig?

Weitere Behauptungen, welche den Amerikanern zu denken geben sollten, sind für Mohler: «Gleichgeschlechtliche Paare sind identisch mit gegengeschlechtlichen Paaren in den Eigenschaften, die für die Fähigkeit zur Bildung von Ehen relevant sind.» Und: «Das Geschlecht bildet nicht mehr einen wesentlichen Teil der Ehe; vor dem Gesetz ist die Ehe eine Verbindung Gleichberechtigter (union of equals).» Der Theologe und Kolumnist hält fest, dass solche Sprache bis anhin nie in einem Urteil eines US-Bundesgerichts zu finden war. Wenn das Geschlecht für die Ehe nicht wesentlich sein sollte, «dann ist die Ehe gerade vor unseren Augen im Wesen umdefiniert worden».

 

«Harmaggedon nicht mehr weit»

Für Mohler ist äusserst bedenklich, dass der Richter jene Wähler disqualifiziert, die nicht aufgrund säkularer Erwägungen die Proposition 8 abgelehnt haben. Wie er streicht der Kolumnist Charles Colson die Bedrohung der Religionsfreiheit durch das Urteil heraus: «Ich habe vor Monaten davor gewarnt, dass unsere Glaubensfreiheit untergeht. Nun, wenn ein (solcher) Gerichtsentscheid bestätigt wird, ist es wohl nicht mehr weit bis Harmaggedon.» Das Urteil werde, ob schliesslich bestätigt oder nicht, noch Jahrzehnte widerhallen, meint Mohler. Der Hammer des Richters sei auf die Ehe gefallen. «Die zentrale Institution der menschlichen Zivilisation erlitt einen direkten Schlag, und ihre Zukunft hängt in der Schwebe.»
 

Datum: 10.08.2010
Quelle: Livenet/ Christianity Today

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