Das perfekt inszenierte Jawort
"Es sött speziell sii" - diesen Wunsch hört Diakon Thomas Reschke am häufigsten, wenn sich junge Paare bei ihm zur Trauung anmelden. Als Seelsorger an der Universität St. Gallen hat er viel mit jungen Leuten zu tun und hält auch viele Trauungen. Wichtig, so Reschkes Erfahrung, ist, dass sich die Brautpaare persönlich angesprochen fühlen. Das zeigt sich zunächst in der Wahl des Trauungsortes. Sie möchten auf einem Berg heiraten, an oder auf einem abgelegenen See, in einer idyllischen Kapelle. "Darin wird die Sehnsucht der jungen Brautleute nach Echtheit und Authentizität deutlich", erklärt er. Sie suchten Naturverbundenheit und ein Stück Heimat.
"Würdiger Rahmen"
Und wo liegen die Grenzen dessen, was der Zelebrant mitmachen soll? Grundsätzlich solle die Trauung "in würdigem Rahmen in einer Pfarrkirche oder Kapelle" stattfinden, zitiert Franz Kreissl, auch er Diakon, die offiziellen Richtlinien. Sie sehen grundsätzlich die Pfarrkirche als Trauungsort vor, mit Erlaubnis auch eine andere Kirche oder Kapelle oder einen anderen passenden Ort. Damit liegt es weitgehend im Ermessen des Seelsorgers, wozu er bereit ist.
"Problematisch wird es aus meiner Sicht dort, wo beispielsweise durch die Wahl eines schwer erreichbaren Ortes gehbehinderte Familienangehörige mehr oder weniger bewusst ausgeladen werden", erklärt Thomas Reschke. Auch für den Seelsorger bedeutet die Wahl eines ausgefallenen Trauortes zuweilen einen erheblichen Mehraufwand. "Ich komme den Brautpaaren trotzdem gerne entgegen, soweit es mir möglich ist und es eine vernünftige Begründung dafür gibt", so Reschke. Daher hat er auch schon eine 30-Kilo-Kerze auf einen Berg hochgebuckelt. "Viele Brautleute gehen oft nicht in die Kirche", sagt er, "aber wenn sie kirchlich heiraten, dann mit allem, samt Weihrauch und Hochzeitskerze."
Trend nach Individualität
Wen man auch fragt - alle stellen fest, dass es in letzter Zeit immer mehr besondere Wünsche gibt und dass diese immer ausgefallener werden. Das hat natürlich mit dem gesellschaftlichen Wandel zu tun: Mit der Individualisierung der Gesellschaft, mit Vorbildern aus Filmen und Fernsehen. Und mit der Mobilität, wie Thomas Reschke betont: Viele heiraten heute nicht mehr dort, wo sie herkommen oder wo sie leben wollen, besonders bei den Studierenden, mit denen er es häufig zu tun hat. Da ist die Verwurzelung in der Wohngemeinde nicht mehr gross.
Individualität ist auch zum Beispiel bei der musikalischen Gestaltung der Trauung gefragt. Der Trend gehe derzeit weg vom Mitsingen hin zu Instrumentalstücken oder Bandaufnahmen. Besonders gefragt ist "Ewigi Liebi" - ein Stück, das zu schwierig ist zum Mitsingen. Reschke findet das schade - für ihn liegt gerade hier eine gute Möglichkeit für die Hochzeitsgesellschaft, ihre Beteiligung am Gottesdienst deutlich zu machen.
Keine kirchliche Hochzeit ohne Gott
Ähnliches weiss auch Franz Kreissl zu berichten. Ohne Bibeltext und Vaterunser ist es für ihn keine kirchliche Trauung. "Über den Verzicht auf die Orgel kann man reden", sagt er. Aber: "Auch wir als Kirche haben bestimmte Vorstellungen." Der Gestaltungsspielraum sei jedoch sehr gross - besonders bei ökumenischen Trauungen. Im Gespräch gelte es aufzuspüren, was den Brautleuten wichtig ist. Und dann versuche er ihnen klarzumachen, was der Kirche wichtig ist - dass es um eine ernsthafte Lebensentscheidung gehe, nicht bloss um Klamauk. Bisher habe er sich immer gefunden mit den heiratswilligen Paaren. Manche hätten sich vieles nicht überlegt oder einfach bisher niemanden gehabt, der ihnen das erklärt hätte. "Meist ist ein offenes Gespräch ohne Verurteilung sehr hilfreich", sagt Kreissl. Dass ein Paar von einer kirchlichen Trauung Abstand genommen hätte, weil man sich nicht einig wurde, hat er noch nie erlebt.
Bringt der Familienhund die Trauringe?
Reschke hat auch schon abwenden müssen, dass statt eines Kindes der Familienhund die Trauringe bringen sollte - da müsse mit Fingerspitzengefühl und am besten mit einer Prise Humor deutlich gemacht werden, dass ein Hund mit den Ringen Reissaus nehmen könnte. Doch natürlich ist die Hochzeit für das Paar und die Familie etwas Einmaliges, ganz Besonderes. Das dürfe man auch merken, sagt Franz Kreissl, und das versuche er sich selber auch immer wieder klarzumachen. Schliesslich gebe es recht grosse Varianten, was etwa die Begrüssung oder das Versprechen angehe. Hier könnten die Brautleute sich einbringen und erklären, was ihnen wichtig sei. Diese Möglichkeiten werden gerne genutzt. Wobei für viele junge Leute die Vorstellung einer lebenslangen Ehe unerreichbar scheine, sagt Reschke. Aber die Sehnsucht danach, die sei bei fast allen vorhanden.
Rituale ausserhalb der Kirche
Trotz der möglichen Varianten finden nicht alle den Weg zu einer kirchlichen Trauung. Davon weiss Myrta Grob Käser zu erzählen. Sie ist Katechetin. Daneben ist sie selbständige Ritualleiterin und gestaltet freiberuflich Rituale an den verschiedensten Lebensübergängen, so auch Hochzeitsrituale. Wer zu ihr kommt, suche Wahrhaftigkeit, sagt Myrta Grob. "Soll jemand, der nie in die Kirche geht, dies nur zum Heiraten tun?", so ihre Frage. Ihre Klienten sollten das tun, was für sie stimme. Sie spricht davon, dass man sich selber glauben müsse, was man tut. Das gilt auch für sie selber. "Ich mache nichts, was für mich nicht stimmt." Sie sieht ihre Aufgabe darin, ihre Klienten zu ermuntern, ihr Eigenes zu finden. Dabei spricht Myrta Grob auch mal einen Segen - segnen darf jede Christin. Sie singt Lieder und spricht passende Texte, wenn das gewünscht wird.Über die Wünsche der Menschen, die zu ihr kommen, berichtet sie Ähnliches wie Thomas Reschke und Franz Kreissl. Die Brautpaare, die Myrta Grob bis jetzt begleitet hat, wollten in der Natur heiraten. Eines hat zum Beispiel einen Spaziergang mit drei Stationen gestaltet zu Themen, die beiden besonders am Herzen liegen. "Lebensnah und lustvoll müssen wir sein", sagt Myrta Grob. Und ähnlich wie Thomas Reschke: "Die Leute müssen sich gemeint fühlen." Viel Sinnliches liege in einem Ritual, sagt Myrta Grob, und sie wolle die Bedeutung eines Lebensüberganges damit greifbar machen.
Auch ganz ohne Gott
Ihre Kunden seien oft frustriert von der Kirche, sagt Myrta Grob, viele seien ausgetreten und insbesondere mit dem Umgang der Kirche mit Frauen nicht einverstanden. Auch Myrta Grob sagt: "Meine beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb der Kirche sind gering. In der Ritualarbeit ist meine Fülle gefragt, ich kann sie leben und entfalten." Ihre Klienten suchten bei der Ritualleiterin mehr Nähe zum Leben, zum täglichen "Rauf und Runter", als sie sich von der Kirche versprechen.
Alle hätten sie dennoch eine grosse Sehnsucht, ihre Feier stimmig zu gestalten. Sie spürt das grosse Bedürfnis nach Spiritualität und versucht, dieses mit ihren Ritualen aufzunehmen. Dennoch hat sie wie viele Seelsorger schon die Bitte gehört: "Bring ja das Wort Gott nicht". Doch im Unterschied zur Kirche erfüllt sie solche Wünsche.
Natürlich sind ihre Rituale zwar für das Paar und die Gäste wichtig, haben aber weder zivil- noch kirchenrechtliche Geltung. Denn auch darauf müssen die Kirchenmänner achten, die Trauungen vornehmen. Und so weiss Thomas Reschke auch das noch zu erzählen: "Ich habe einmal eine Hochzeit absagen müssen, weil herauskam, dass der Bräutigam schon viermal verheiratet war. Auf seinen Einwand, es seien doch ’nur Nebenfrauen’, konnte ich nicht eintreten."
Quelle: Kipa
Anzeige
Diese Artikel könnten Sie interessieren
Neueste Nachrichten
- Home
- News
- Themen
- Gesellschaft
- Glaube
- Andachten
- Auf dein Wort
- Bibellesung
- Bibelstelle des Monats
- Bibelstellen
- Bibelstellen lernen
- Gemeinde leben
- Get Ready Call
- Impuls heute
- Kurzpredigt Dick Leuvenink
- Lass mich zu Dir kommen
- Leben ist mehr
- Licht für den Weg
- Luther Schlüsselverse
- Montags Manna
- Tagesvers
- Termine mit Gott
- Verändert in sein Bild
- warm up
- Bibel
- Glaube
- Theologie, Philosophie, Religion
- Andachten
- Kirche & Co.
- Christliches Gemeindeleben
- Alphalive-Kurs
- Erweckung/Erneuerung
- Evangelisation
- Frauen
- Gebet
- Gemeindeaufbau
- Gemeindegründung
- Jugendkultur
- Kinder und Jugendarbeit
- Kleingruppen
- Lehre
- Leiterschaft
- Mitarbeit, Gaben
- Musik & Lobpreis
- Männerarbeit
- Prophetie
- Seelsorge/Christliche Psychologie
- Senioren/55Plus
- Theologie und Gemeinde
- Verkündigung/Homiletik
- Interkulturelles/Mission
- Kirchen, Gemeinden, Werke
- Christliches Gemeindeleben
- Leben
- People
- Wissen
- Video
- Anzeigen
- Adressen
- Community
- Lebenshilfe
- Service
- CFA Schweiz
- CGS



