Diakonie

Heilmittel gegen das finanzielle Desaster?

Menschen als Menschen dienen und ihren Bedürfnissen ganzheitlich entsprechen: Was Diakonie will, wird von den Entwicklungen im Gesundheitswesen zugleich erschwert und dringend gefordert. Der zweite Kongress von „Christen im Dienst an Kranken“ am 25. August in Thun zeigte Spannungsfelder und Perspektiven für die christliche Arbeit mit Bedürftigen und Kranken auf.

Gegen 200 Personen aus medizinischen, pflegerischen und angrenzenden Berufen versammelten sich im Hotel Seepark Thun. In den Referaten und Workshops ging es um aktuelle Herausforderungen für die Diakonie und neue Perspektiven. Was kann sie beitragen zu einem bezahlbaren Gesundheitswesen, das dem Menschen nach Körper, Seele und Geist gerecht wird?

Diakonie beginnt im Herzen. „Wir müssen auf Gott hören und lernen, die Menschen so zu sehen wie Gott sie sieht, aus der Perspektive der Liebe heraus“, betonte der Basler Psychiater Dr. Michel Pickmann in einem Referat. „Wir müssen selber Menschen werden, denen man vertrauen kann, die Werte leben wie Nächstenliebe, Treue, Aufrichtigkeit...“

Die Diakonie der Zukunft müsse alternative Arbeitsplätze anbieten und sich mit Menschen der verschiedensten Volksgruppen, auch anderer Religionen, auseinandersetzen.

Auch um die Heilung der Seele ringen

Zuvor hatte Pickmann an den Grund der Diakonie erinnert, den Jesus legte: Er lehrte nicht bloss das Engagement für Bedürftige und Einsame (Die Bibel, Matthäus 25, 31-46), er war Diakon, kümmerte sich ganzheitlich um den Menschen und opferte sich gar selber. Wenn er geheilt habe, sei es immer auch um das ewige Leben gegangen, sagte Pickmann. Nach der Heilsarmee (Suppe, Seife, Seelenheil) habe Francis Grim den Auftrag von Christen an Kranken fokussiert: Sie sollten am Spitalbett auch Heil für die Seele anbieten. Pickmann, Gründer der Stadtarbeit Elim, verwies auf die vielfältigen, wegweisenden Werke von Christian Friedrich Spittler im Basel des 19. Jahrhunderts (1782-1867).

In seinem Workshop erzählte Dr. Pickmann vom Weg, den die Stadtarbeit Elim nahm, von der Vision bis zur Umsetzung und der Erfüllung staatlicher Auflagen. Bewährt habe sich die familiäre Gemeinschaft im Quartier und dass man sich gegenseitig fördere, nicht nur rede, sondern handle, nach dem Motto „die Gemeinschaft pflegen mit denen, die mich brauchen“. Dies sei in einer Gesellschaft der gestörten Beziehungen und der Selbstbedienungsmentalität nicht einfach.

Aufgrund der Bibel ethisch entscheiden

In einem Ethik-Workshop stellten die Ärzte Robert Stern aus Biel und René Hefti aus Langenthal einen Leitfaden vor, mit dessen Hilfe Christen ein ethisches Problem strukturiert durchdenken und miteinander besprechen können (nach David Cook, Moral Maze: A Way of Exploring Christian Ethics). Dabei werden Situation, Norm und Gewissen berücksichtigt. Der Leitfaden geht von den in der Bibel offenbarten Willensäusserungen und Geboten Gottes aus, wodurch sich 13 Prinzipien ergeben. Die Referenten erläuterten, wie ein ethisches Problem unter Berücksichtigung aller Faktoren näher anzuschauen Handlungsanweisungen herzuleiten sind.

Stärken der Naturheilkunde

In einem gutbesuchten Workshop wurden die vielschichtigen Möglichkeiten nicht-esoterischer alternativer Heilmethoden dargelegt. Wo die Schulmedizin oft im akuten Stadium zum Einsatz komme, lägen die eigentlichen Stärken der Naturheilkunde bei den chronischen Erkrankungen, bei Störungen des Immun- und Stoffwechselsystems, des Säuren-Basenhaushalts, bei Allergien und Hauterkrankungen und im Besonderen bei psychosomatischen Leiden, sagte die Liestaler Drogistin und Naturheilpraktikerin Wanda Joss. Ziel der Naturheilkunde, wie sie die „Schule für christliche ganzheitliche Heilverfahren“ (CgH) vermittle, seien die Wiederherstellung, die Förderung und Erhaltung von Gesundheit von Körper, Seele und Geist.

Im Vertrauen auf Gott Neues erhoffen

Die Thaynger Pfarrerin Sabine Aschmann riet stark geforderten Pflegefachkräften, proaktiv im Vertrauen auf Gott, durch eine Haltung von Liebe und Dankbarkeit, auf bessere Strukturen hinzuarbeiten und zu hoffen. Sie rief dazu auf, Freizeit für freiwillige koinonia (Gemeinschaft) und diakonia zu nutzen – nicht nur vom Geld, sondern auch von der Zeit den Zehnten Gott zu geben. Christen sollten Visionen für die Lücken im System des Gesundheitswesens entwickeln und Alternativen aufbauen helfen, geleitet vom Heiligen Geist.

Hilft Gebet?

Der Thuner Pastor und Gebetsleiter Walter Bernhard, Gründer der „Schule für Heilung“ im Gwatt, legte seine Sicht des christlichen Heilungsdienstes dar. Viele Leute glaubten, Jesu habe geheilt, aber die Möglichkeit einer Spontanheilung sei nur in früherer Zeit erfahrbar gewesen. Den Weg zur Heilung könnten auch Zweifel, Misstrauen und Angst (vor Enttäuschungen) blockieren. Bernhard und sein Team ermutigten zu einem sorgfältigen, glaubensvollen Dienst: „Nicht mit Kranken beten, sondern Kranke heilen, ist unser Auftrag.“ Doch Gebet für Heilung müsse geübt werden. Bernhard erzählte von spontanen Heilungen in der Schweiz – und verschwieg nicht, dass im Ringen um Heilung durch Gott manchmal Verzweiflung hochkommt. „Aber Verzweiflung kann heilsam sein. Wir müssen nicht Heilung suchen, sondern Jesus und mit Jesus kommt Heilung, manchmal anders, als wir uns vorgestellt haben.“

„Diakonie ist Not-wendig“

Der Kongress wagte auch Blicke in die Zukunft. Nach dem Hauptreferenten Michel Pickmann ist Diakonie herausgefordert, Lücken im Gesundheitswesen kostengünstig auszufüllen und Menschen mit psychischen Problemen zu begegnen. „Weniger als Spitäler mit Spitzenmedizin wird es Spitäler mit einer Pflege brauchen, bei der man Zeit hat, Trost vermittelt und auch auf existenzielle und geistliche Fragen eingeht.“ Diakonie solle ihre christlichen Wurzeln nicht verheimlichen. Pickmann denkt, dass die Bedeutung von Kommunitäten zunimmt, welche „zeigen, wie Leben in der Gemeinschaft funktioniert“. Christen müssten dort sein, wo Menschen in Not sind.

Die Schattenseite der Professionalisierung

Den Abschluss des Kongresses bildete ein von Radiomoderator Ruedi Josuran geleitetes Podium. Die Oberin des Diakonissenhauses Riehen, Sr. Doris Kellerhals, versteht Diakonie nicht als Tätigkeit, sondern für sie ist sie eine Lebenshaltung – Dienen in der Gemeinschaft. Samuel Bhend, bis 2006 Berner Gesundheits- und Fürsorgedirektor, würdigte den Beitrag der Diakonissen in der Bundeshauptstadt. Sie hätten in der Palliativmedizin pionierhaft gewirkt.

Grossratspräsident Werner Lüthi bezeichnete Diakonie als gelebtes Christentum. Durch die Professionalisierung der Pflege sei das Natürliche, Einfache und Freiwillige zunichte gemacht worden. Die Heimstätte Bärau sei ein Beispiel dafür, wie eine gut laufende Institution durch übertriebene Standards und Professionalisierung in die roten Zahlen rutschte. Michel Pickmann hofft, dass Christen vermehrt beziehungsorientiert arbeiten (können) und sich Hilfebedürftigen als Begleiter zur Verfügung stellen.

Das nächste Bulletin von CDK, das im Herbst erscheint, informiert ausführlich über den Thuner Kongress.
Zu bestellen bei cdk@cfc.ch oder im CDK-Büro, 044 979 13 66.

Datum: 31.08.2007
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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