Nina Hagen live

Bibel, Brecht und Bluesrock

Wer kennt sie nicht, die schrill-kreative Sängerin mit Freakout-Style. Die Älteren kennen ihre Musik aus den späten 70ern, 80ern und 90ern, und für die junge Generation ist sie als böse Königin der deutschen «7-Zwerge»-Filme bekannt. Am 14. September trat Nina Hagen im «Kammgarn» auf, zeigte sich politisch und mit viel Rockn'Roll.

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Punksängerin Nina Hagen
Nina Hagens knallig-provokativer Stil hat zwangsläufig viele falsche Bilder und Vorurteile geschürt, was unter anderem dazu führte, dass sie 2010 die Autobiografie «Bekenntnisse» schrieb, in der sie ihre wahre, sehr persönliche Geschichte auf Papier brachte.

Im ersten Kapitel mit der Überschrift «Wie Nina zur Welt kam und die Welt zu ihr. Whow, abba hallo!» macht sie sofort klar, wer hier das Sagen hat und was der Sinn des Lebens ist: «…weil wir geliebte Kinder eines lebendigen Gottes sind… Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt.»

Oh when the saints go rocking in

So war sie in den letzten Jahren für ihre Gospelmusik bekannt, am Konzert jedoch überraschte sie mit bodenständigem Rockn'Roll. Nebst diesem musikalischen Schwerpunkt in der ersten Hälfte des Auftrittes, war Bertolt Brecht omnipräsent. Sie sang mehrere Lieder aus der 3-Groschen-Oper und von anderen SängerInnen, welche auch von ihm geprägt wurden. In einem Interview mit Livenet erzählte sie: «Einst fragte man mein grosses Vorbild, den Schriftsteller Bertolt Brecht, was denn sein Lieblingsbuch sei, und er antwortete: 'Sie werden lachen: Die Bibel.'»

So nutzte sie Brecht, Gospel-Gassenhauer wie «Oh when the saints go marching in», eigene Lieder und Ansprachen, um immer wieder auf ihren Gott und politische Statements hinzuweisen.

Die humorvolle Entertainerin mit Tiefgang hatte viel zu erzählen; Nina Hagen, die ihr Publikum gern mit «Ihr Lieben», oder «Ihr Süssen» anspricht, bezeichnend für ihre Grundhaltung. Das Konzert war auch eine kunsthistorische und sozialpolitische Lektion und weit mehr als nur Musik. Eine Aussage lautete, dass Gott jede Art von Menschen bedingungslos liebt; egal, ob mit linkem, rechtem oder schwulem Hintergrund. Und das nahm man ihr ab.

Viele bekannte Musiker mit christlichem Background ehrte sie. Sie sang den Bluesrock «Gotta serve somebody» von Bob Dylan oder «Peace Pollution Revolution» von Larry Norman, von dem sie sagte: «Er ist uns allen schonmal vorausgegangen» und damit den Himmel meinte – er verstarb 2008. Dylan gratulierte die Sängerin zum Literaturnobelpreis und besonders auch für seine Reaktion, der verzögerten Annahme.

Friedlicher Hippie, nicht Punk

Nina Hagen wollte auch klarstellen, dass sie gar nicht so eine Punk-Dame sei, sondern eher eine Frau mit Hippie-Herzen. Dies wiederum unterstrich sie mit ihren Anti-Kriegsbotschaften, welche einen weiteren roten Faden durchs ganze Konzert zogen – Friede auf Erden!

Das Publikum war sehr durchmischt, bunt wie sie selber, die sehr bunt und diesmal nicht in den bekannten Schwarzton-Kleidern auftrat. Man sah stachelige Punks, bunte Hippies und unauffällige Normalbürger. Auch Michael von der Heide war als Fan zu sehen und hatte noch eine Privat-Audienz. Sie hatten 2002 zusammen den «Kriminaltango» aufgenommen.

«Mein Manager Jesus Christus»

«Übrigens», war ihre Frage ans Publikum: «wer hat den Rockn'Roll erfunden?». Auch hier wartete sie mit einer Überraschung auf: «Es war Sister Rosetta Tharpe, die auch ursprünglich vom Gospel her kam.»

Nina Hagen selber hatte die deutsche Punkmusik und später die Neue Deutsche Welle aufgesprudelt. Auch international ging einiges ab. Ende der 1980er-Jahre wurde sie vom Manager Frank Zappas in die USA eingeladen, und bereits damals bekannte sie sich klar zu Jesus Christus, indem sie ihn als ihren Manager bezeichnete. Somit setzte sie dann sogleich kompromisslos die Zusammenarbeit mit dem Zappa-Management in den Sand. Trotzdem ging auch dort die Karriere los. Sie nahm den Club-Hit «New York New York» auf und konnte zum Beispiel auf dem «Rock in Rio» vor 300'000 Personen spielen.

«Catharina» Nina Hagen, eine 62-jährige Frau, die viel bewegt hat und auch heute noch Leute zum Tanzen, Jubeln und Nachdenken bringt. Ihr persönlicher Taufspruch vom Jahr 2009 aus dem Johannesevangelium lautet: «Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fliessen.»

Catharina «Nina» Hagen (geboren 11. März 1955 in Ost-Berlin) ist eine deutsche Sängerin, Schauspielerin und Songschreiberin. Sie wird als deutsche «Godmother of Punk» bezeichnet, und war eine Vorreiterin der Neuen Deutschen Welle.


Zum Buch:
Nina Hagen: Bekenntnisse (Autobiografie), Pattloch, München 2010, ISBN 978-3-629-02272-1

Zum Thema:
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Datum: 21.09.2017
Autor: Roland Streit
Quelle: Livenet

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