Proteste gegen "Homophobie"

Marburger Psychotherapiekongress unter Polizeischutz

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Marburg
Marburg. Die Beziehung zur Mutter prägt einen Menschen stärker als alles später erworbene Wissen oder biologische Gegebenheiten. Das sagte die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin Christl Vonholdt (Offensive Junger Christen) beim sechsten Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge am 23. Mai in Marburg. Ein Kind brauche vor allem Vertrauen, Bindung und Berührung der Mutter, notfalls durch einen Muttersatz. Ohne die derart erlebte Geborgenheit falle es dem Kind schwerer, seine Identität zu entwickeln. Eine Mutter stelle sich auf ihr Kind ein, indem es dessen Gefühle spiegele und benenne, sagte Vonholdt. Dadurch lerne das Kind, die eigenen Gefühle einzuordnen und zu verstehen. In den ersten drei Lebensjahren solle eine Mutter daher möglichst beständig für ihr Kind da sein.

Daniel Hell: Leben als Experiment

Nicht die Sexualität, sondern die Suche nach der eigenen Identität ist das seelische Hauptproblem unserer Zeit. Viele Menschen leiden an sich selbst und ringen um ihre Identität, sagte der bekannte Zürcher Psychiater und Buchautor Daniel Hell in Marburg. Die Identität sei einem Menschen nicht mehr wie früher vielfach von Kindesbeinen an vorgegeben. Durch Flexibilität, Mobilität und Medien wandle sich die soziale Rolle des Menschen häufig: „Das Leben ist nicht mehr ein Schicksal, sondern ein Selbstexperiment."

Allein durch Messung und Visualisierung von Hirnaktivitäten lasse sich ein Mensch nicht ausreichend beschreiben, sagte Hell gegen die Behauptungen von Neurowissenschaftlern, die dem Menschen die Seele absprechen.

Proteste gegen „Homophobie"

Eintausend Fachleute aus Medizin, Psychotherapie und Kirchen trafen sich vom 20. bis 24. Mai in Marburg. Die Tagung mit dem Thema "Identität - der rote Faden in meinem Leben" wurde von der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) in Frankenberg durchgeführt. Ein grosses Polizeiaufgebot stand vor der Stadthalle bereit, um Ausschreitungen zu begegnen. Ein „Bündnis gegen Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus" hatte angekündigt, die Veranstaltung verhindern zu wollen. Deren Vorwürfe, der Kongress biete homosexuell-kritischen Wissenschaftlern ein Forum, wies der Veranstalter zurück. Der APS-Vorsitzende und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. Martin Grabe (Oberursel), betonte: "Bei unserem Kongress ging es um ganz andere Fragen. Wir diskutierten in 120 Seminaren Themen, die mit der Identitätsfindung und Identitätsstörungen zu tun hatten."

Einladung abgelehnt

Gegen den Kongress demonstrierten laut Angaben der Polizei am 21. Mai etwa 1.000 Menschen friedlich in Marburg. Um gegenüber den Studenten transparent zu sein, lud die APS zehn Vertreter des Allgemeinen Studierendenausschusses an der Philipp-Universität Marburg (AStA) ein, kostenlos an der Fachtagung teilzunehmen. "Der AStA lehnte das Angebot jedoch ab und verzichtete darauf, sich selbst ein Bild vom Kongress zu machen", bedauerte der Pressesprecher des Kongresses, Frank Fornacon. Im Vorfeld habe der AStA die Tagung ebenfalls scharf kritisiert.Webseite mit den Seminaren des Kongresses

Quelle: idea / APD

Datum: 26.05.2009

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