Festung Familie

«Kinder haben ein Recht auf Erziehung»

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«Der zunehmende Anteil von Kindern und Jugendlichen mit teils erheblichen Erziehungsdefiziten ist für die Schule ein Erschwernis, das sie in der Erfüllung ihres Auftrages massiv behindern kann. Man muss Probleme ansprechen und zu lösen versuchen, bevor es zum Kollaps kommt.» Dies schreibt Hansruedi Hottinger, Vizepräsident des Dachverbandes der Deutschschweizer Sekundarlehrer, in der Antwort auf einen Offenen Brief der Schweizerischen Stiftung für die Familie SSF.

Der erfahrene Sek-Lehrer Hottinger, selbst Vater von zwei Söhnen, sieht wie die SSF erschwerte Umstände für Eltern, die erziehen wollen. «Wir haben einen in diesem Ausmass kaum erwarteten gesellschaftlichen und technologischen Wandel erlebt, einen Wertepluralismus - oder ehrlicher gesagt einen Wertezerfall - sowie eine Beseitigung fast aller Tabus, die in ihrer Gesamtheit an die Eltern massiv höhere Ansprüche stellen. Sie verlangen mehr Persönlichkeit und Standfestigkeit. Die Durchsetzung der Erziehungsvorstellungen verschlingt deutlich mehr Energie.»

Zudem hätten sich «weitere Players in die Kinderstube gedrängt». Viele von ihnen sieht Hottinger «nur als verantwortungslose Mitbeeinflusser, die Bezeichnung Miterzieher verdienen sie nicht. Sie kümmern sich kaum ums Wohl des Kindes sondern verfolgen rein wirtschaftliche Interessen, die auf Kosten der Familien gehen. Aber sie sind nun mal da und machen uns das Leben schwer.»

Überforderte Eltern

Doch Eltern könnten sich nicht aus der Verantwortung stehlen, hält Hottinger fest. «Kinder haben ein Recht auf Erziehung.» Allerdings sind mehr Eltern als Erzieher «ganz einfach überfordert». Sie müssten besser und rascher unterstützt werden. «Ich komme immer wieder auf die wichtige Erziehung im Kleinkindalter zurück. Obwohl Angebote bestehen, stellt man fest, dass sie eben von denjenigen am wenigsten genutzt werden, die sie am meisten nötig hätten.»

Was tut Not? «Grenzen setzen und dabei Widerstand ertragen, Anregungen bieten, gemeinsam die Welt erforschen, Zuwendung bieten, Vertrauen und Sicherheit wecken usw. ist für manche Eltern ein Buch mit sieben Siegeln.» Hansruedi Hottinger gewichtet die Autonomie der Familie hoch, «aber die Erziehung unseres Nachwuchses ist gesellschaftlich von derartiger Bedeutung, dass hier vermehrte Anstrengungen unerlässlich sind.»

Schädliche Kleinkredite

Das Befremden der SSF über schädliche Angebote an die Jugendlichen teilt Hottinger, auch den Widerstand gegen «Frontalangriff der Wirtschaft auf das Konsumverhalten unserer Jugend. Wie heute z.B. junge Leute mit Kleinkrediten geködert werden, ist absolut verwerflich.» Doch sei dem mit Verboten nicht beizukommen. Am wirksamsten sei die «umfassendere Unterstützung vor allem der überforderten Eltern die Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen derart zu stärken, dass sie diesen Gefahren trotzen können».

Was Familien brauchen

Die Schweizerische Stiftung für die Familie hatte Ende März auf einen Artikel Hottingers in der NZZ am Sonntag reagiert und gesellschaftliche Leitplanken zum Schutz der Jugendlichen vorgeschlagen. Nicht nur Verbote, sondern auch positive Anreize: «Familien brauchen nicht jede Art Konsumfreiheit, sondern mehr Zeit füreinander, Anregungen zur Kreativität, bessere Beratungsangebote und mehr Schutz vor den Interessen der Wirtschaft und besonders der Unterhaltungsindustrie. Und wer auf Erwerbsarbeit verzichtet, um Zeit für die Familie zu haben, soll dafür belohnt und nicht bestraft oder herabgesetzt werden.»Quelle: Livenet/ SSF
Datum: 16.04.2010

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