Loren Cunningham
„Tun was immer Gott uns aufträgt“
Livenet: Loren Cunningham, was zeichnet „Jugend mit einer Mission“ (JMEM) aus?
Loren Cunningham: Wir sind eine grassroots-Bewegung mit beiden Beinen auf dem Boden. Wir wollen nichts Grosses vorstellen, aber uns so weit ausbreiten wie möglich. Derzeit sind wir in 175 Ländern weltweit tätig und wachsen weiter. Bald werden wir 20'000 Langzeit-Missionare haben. Im Vergleich zum Vorjahr haben unsere Schulen 12 Prozent mehr Studenten; das Wachstum hält seit der Lancierung der ersten Jüngerschaftsschule 1969 ununterbrochen an. In 140 Ländern gibt es mittlerweile solche Schulen.
Vier Dinge stellte uns Gott vor Augen, als wir JMEM 1960 gründeten, und wir haben daran festgehalten: Wir wollten Jugendlichen Gelegenheit geben, sich in der Mission zu engagieren. Zweitens wollten wir Kurzzeiteinsätze fördern. Weiter sollten junge Frauen sich gemäss ihren von Gott geschenkten Gaben entfalten und auch Leitungsaufgaben übernehmen. Viertens wollten wir die Türe für nicht-westliche Missionare aufstossen.
Das war unzeitgemäss. Ich forschte darum in der Bibel und sah, dass Gott immer wieder junge Menschen gebraucht hat: Joseph war etwa 17, als er nach Ägypten kam; Daniel wurde mit 16 nach Babylon verschleppt. David war etwa gleich alt, als er vor Goliath stand. Gott brauchte auch Johannes Markus, obwohl er von der ersten Missionsreise mit Paulus vorzeitig zurückkehrte; später schrieb er ein Evangelium.
Was ist aus der frühen JMEM-Vision geworden?
Wir glauben, dass jeder Mitarbeiter ein Priester ist. Der Reformator Martin Luther hat herausgestellt, dass wir Christen alle Priester sind. Alle können wir Gottes Stimme hören. JMEM konzentriert sich darauf, Christen zu lehren, wie sie auf Gott hören und ihm gehorchen. Es kommt dann nicht auf die Zahl der Mitarbeiter an, sondern auf ihre Liebe. Wir überwinden Menschen mit vollkommener Liebe, die die Angst vertreibt.
Wenn jeder Mitarbeiter den Willen Gottes für sich erkennen kann, wie wird JMEM geleitet?
Wenn Sie meinen, dass menschliche Fähigkeiten den Ausschlag geben sollen, werden sie nicht viel von Gottes Werk, sondern vor allem Menschenwerk sehen. Und dieses vervielfältigt sich nicht im Reich Gottes. Wie Oswald Chambers betont hat, versteht und braucht der geistliche Sinn den natürlichen Verstand; umgekehrt geht dies nicht. Wir haben einen natürlichen Verstand und denken logisch, ich bin vernünftig. Aber mein Verstand ist nur so gut fürs Reich Gottes, wie er vom Geist geführt wird. Manchmal kann ein ganz junger Mensch, der seine Antenne genau auf Gott ausgerichtet hat, Dinge angehen, die weit über sein Leben hinaus weisen. Halten Sie sich vor Augen, wie der junge Graf Niklaus von Zinzendorf vom Geist geleitet wurde. Oder denken Sie an Samuel, der vielleicht fünf Jahre alt war, als er dem alten Priester Gottes Botschaft mitteilte.
Was hält JMEM zusammen?
Ich habe in Kalifornien Management studiert und einen Master-Degree erworben. Hätte ich JMEM mit diesen Fähigkeiten aufgebaut und zu kontrollieren versucht, wären wir immer noch in Pasadena, nicht wo wir heute sind. Wir sind in alle Länder der Welt gegangen. Über vier Millionen Menschen haben bei JMEM mitgemacht. Sie wurden von der Vision berührt, von geistlich vollmächtigen Lehrern inspiriert und wurden Teil eines Stroms im Leib von Christus, der weltweiten Kirche. Zehntausende Christen, die bei uns waren, sind heute Pastoren. Manche Gemeinden sprühen vor Leben. Sie gehören nicht zu JMEM – wir haben keine Gemeinden, sondern sind eine überdenominationelle Bewegung. Diese Gemeinden erleben einen Strom des Heiligen Geistes, der zu ihnen spricht, sie leitet und Dienste anregt.
Wenn Sie akzeptieren, dass dies die Berufung von JMEM ist, dann werden sie eine Vielfalt sehen. Denn Gott hat uns nicht zur Einförmigkeit, sondern zur Einheit berufen. Einheit im Heiligen Geist. Wir haben Dienste, die im Schoss unserer Organisation entstanden, freigesetzt. Hunderte solcher Dienste sind selbständig geworden, auch „Mercy Ships“, nach 25 Jahren. Es war besser für sie, nicht unter dem Schirm von JMEM zu bleiben. Kurz: Wenn wir auf Gott hören und uns in der Umsetzung von seinem Geist leiten lassen, werden wir sehen, wie der grosse Auftrag von Jesus erfüllt wird.
Loren Cunningham (71) und seine Frau Darlene haben JMEM (Youth With A Mission, YWAM) 1960 in Kalifornien gegründet. Loren hat alle Länder der Welt besucht, um christliche Dienste zu lancieren und Christen zu stärken. Zu diesem Zweck gründete er auch die University of the Nations in Hawaii, deren Präsident er ist. Heute liegt die operative Leitung von YWAM bei einem Dreierteam, geleitet von Lynn Green.
Websites
YWAM
JMEM
JMEM Wiler
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Gottes Träume für die Schweiz
Bilder: JMEM Wiler
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