Deutschland

Evangelische Kirche feiert "Geburtsstunde" des Protestantismus

Mit einem Vortrag des Theologen und ZDF-Journalisten Peter Hahne begannen in Speyer die Jubiläumsfeiern zu einem der bedeutendsten Daten in der Geschichte des Protestantismus.

Vor 475 Jahren protestierten beim Speyerer Reichstag mehrere Fürsten und Städte gegen die Absicht des Kaisers, den evangelischen Glauben wieder zu verfolgen und die Schriften Martin Luthers zu ächten. Der 19. April 1529 gelte deshalb als die "Geburtsstunde" des Protestantismus, teilte die Evangelische Landeskirche der Pfalz mit. Der "Protestation" (Einspruch) von 1529 sei es zu verdanken, dass sich das Prinzip der Glaubens- und Religionsfreiheit allmählich habe durchsetzen können.

Hahne fordert missionarische Kirche

Der Fernsehjournalist und Theologe Peter Hahne hat die Christen aufgefordert, Profil zu zeigen und das Evangelium in die Welt zu tragen. Die Terroranschläge von New York und Madrid hätten zu einem "dramatischen Ende der oberflächlichen Spassgesellschaft" geführt, sagte Hahne als Festredner zur Eröffnung des Doppeljubiläums 475 Jahre Protestation und 100 Jahre Gedächtniskirche in Speyer in der Speyerer Gedächtniskirche. Danach habe eine neue Suche nach christlichen Werten begonnen.

Eine missionarische Kirche sei angesichts zunehmender religiöser Indifferenz der Gesellschaft nötig, sagte Hahne, der stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios in Berlin ist, vor rund 2000 Besuchern. Das Grundproblem der Gesellschaft sei die Gottlosigkeit, der "Kontakt nach oben" sei abgeschnitten. Daraus resultierten alle Übel der Welt. "Unter dem Minuszeichen der Gottlosigkeit gerät alles auf die schiefe Bahn." Die Gesellschaft, aber auch die Kirche müsse sich neu vergewissern, "was trägt".

Der christliche Glaube sei die Basis eines erfüllten Lebens, sagte Hahne, der auch Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland ist. Christen seien gefordert, Menschen für die frohe Botschaft von Jesus Christus zu gewinnen. Sie dürften auch angesichts der Probleme der Kirche wie sinkender Mitgliederzahlen und steigendem Finanzdruck "keine Bedenkenträger, sondern müssen Hoffnungsträger sein". Die Christen zeigten jedoch auf dem Markt der Sinnanbieter "zu wenig Produktstolz".

Bittere Miene ablegen

Christen müssten freudiger und offensiver für das Evangelium werben. Gerade junge Menschen benötigten für ihr Leben Orientierung, Massstäbe und Werte. Der Erfolg des "Lutherfilms" bei jungen Menschen und auch deren Faszination für die Speyerer Protestation als Symbol des mutigen Eintretens für Glaubens- und Gewissensfreiheit zeige die Suche nach dem "Echten", den eigenen Wurzeln. Europa dürfe "nur unter dem Kreuz oder gar nicht zu haben sein", sagte Hahne mit Blick auf die Diskussion um einen Gottesbezug in der zukünftigen EU-Verfassung.

Die "Zuschauergesellschaft" sei auf mündige Christen angewiesen, die auch in ihrem Berufsleben ihr Christentum bezeugten und vorlebten, betonte Hahne. Zweifler und Nichtchristen könnten nur durch eine Freude des Glaubens gewonnen werden. In der Kirche gebe es "zu viele Karfreitagschristen mit bitterer Miene". Die Christen seien eine "Gesellschaft mit begründeter Hoffnung" und würden getragen vom Glauben: "Glauben heisst wissen, was trägt."

Veranstaltungen

Das Jubiläum wird bis zum 25. April mit einer Symposienwoche gewürdigt. Dazu wird auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, erwartet. Bis zum Jahresende sind zudem zahlreiche Veranstaltungen mit hohen Kirchenvertretern geplant. Im Jubiläumsjahr wird ausserdem an das 100- jährige Bestehen der Speyerer Gedächtniskirche erinnert, die 1904 nach elfjähriger Bauzeit als "Wahrzeichen des Weltprotestantismus" eingeweiht worden war.

Datum: 22.04.2004
Quelle: Epd

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Noch nie wurden so viele Christen verfolgt wie heute. Die überkonfessionelle Menschenrechtsorganisation CSI (Christian Solidarity International) organisiert im fünften Jahr eine Mahnwache und weist hiermit auf die verfolgten Christen weltweit hin.

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