Türkei

Islamische Aussichten am Bosporus

Der Sieger der türkischen Parlamentswahlen am Sonntag steht zum vornherein fest: Regierungschef Recep Tayyip Erdogan von der islamischen AKP-Partei wird bestätigt. Er hat das Land vor wirtschaftlichen Abstürzen bewahrt. Die Diskriminierung der winzigen christlichen Minderheit hält an, auch wenn sie mehr Freiheiten hat als in den islamischen Nachbarländern.

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Istanbul.
In einer Studie des amerikanischen Pew Forum äusserten 62 Prozent der Türken Vertrauen in Erdogans Aussenpolitik. Der islamische Politiker, der seine Machtfülle ausnutzt, hat den NATO-Staat Türkei in engere Beziehung mit dem Iran, Syrien und dem Rest der arabischen Welt gebracht. Die Beziehungen zu Israel sind seit der Kaperung der Richtung Gaza steuernden Schiffe vor einem Jahr eisig.

Skepsis bei säkularen Türken

Der Wunsch nach einem EU-Beitritt ist seit 2005 deutlich schwächer geworden. 17 Prozent der befragten Türken fanden, ihr Land solle sich nach Europa orientieren. 25 Prozent nannten den Nahen Osten und 37 Prozent sagten, die beiden Weltregionen seien für die Türkei gleich wichtig.

Mit der Entwicklung ihres Landes sind die Hälfte der Türken zufrieden, doppelt so viele wie im Krisenjahr 2009. Die Zustimmung für Erdogans Politik hängt allerdings stark von der islamischen Prägung ab: Von den Muslimen, die fünfmal täglich beten, loben ihn zwei Drittel, von den säkularen Türken bloss ein Drittel.

Anders als Atatürk

Mit der Herrschaft des gemässigt islamistischen AKP steht das Erbe des Staatsgründers zur Disposition. Mustafa Kemal, der nach 1920 den modernen türkischen Staat gründete und ihm die Westorientierung einpflanzte, versuchte die Mehrheitsreligion (sunnitischer Islam) aus dem staatlichen Leben herauszuhalten und sie zu kontrollieren.

Schranken für Christen

Im Vergleich zu den islamischen Nachbarländern haben Christen in der Türkei mehr Freiheiten. Der intolerante Nationalismus mancher säkularer Anhänger von Kemal Atatürk wie die Bestrebungen der AKP, das gesellschaftliche Leben islamisch zu beeinflussen, behindern allerdings die Entwicklung christlicher Gemeinden.

Der rechtliche Status der evangelischen Gemeinschaften ist ungeklärt. Die Orthodoxen können seit Jahrzehnten keine Priester mehr ausbilden. Der Prozess gegen die Männer, die im April 2007 in Malatya drei Christen ermordeten, zieht sich hin.

Zum Thema:
Türkische Christen als Zielscheibe von Nationalisten


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