Jahr der Stille

Ein neuer Zugang zur Bibel

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Im Rahmen des Jahres der Stille führen Kirchgemeinden Kurse zu Stille und Meditation durch. So unter anderem in Wetzikon. Was motivierte die Teilnehmenden und was haben sie mitgenommen? Fritz Imhof fragte beim Kursleiter, dem Gemeindepfarrer Daniel Schaltegger, nach.


Herr Schaltegger, jahrelang war der Lobpreis Zeichen lebendiger Christlichkeit. Nun setzen Christen auf die Stille – eine Trendwende?
Daniel Schaltegger: Ja und nein! – Menschen suchen authentische Formen, um ihrer eigenen Spiritualität Ausdruck zu verleihen. Der Lobpreis hat eher den Touch, aus einer „frommen“ oder freikirchlichen Ecke zu kommen. Stille und christliche Meditation/Kontemplation ist damit nicht belastet. Viele Menschen ahnen, dass Stille wichtig ist, und suchen Hilfen, wie sie dies im alltäglichen Leben umsetzen können. Darum ist das Angebot von Stille niederschwelliger als die Einladung zum Lobpreis.

Was war der Grund für die Ihre Gemeinde, ein Seminar zur Stille anzubieten?
Seit Jahren gibt es in Wetzikon eine (kleine) Meditationsgruppe. Wir haben schon vor drei Jahren einen Kurs durchgeführt. Uns als Gruppe ist es wichtig, den Wert der Stille einem grösseren Kreis von Menschen schmackhaft zu machen.

Wesentlich mehr Menschen als erwartet sind gekommen. Wie erklären Sie sich dieses Interesse?
Wir haben mit 20 Personen gerechnet. Gekommen sind knapp 30, was für unseren Raum der Stille absolut an der Grenze ist. In unserer schnelllebigen Zeit suchen Menschen vermehrt Orte der Ruhe und Besinnung.

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Was erhoffen Sie sich als Folge des Seminars?

Dass Menschen sich vermehrt auf den Weg der Stille einlassen und die Meditationsgruppe etwas grösser wird. Allerdings machen wir die Erfahrung, dass ein Weg der Stille oft ein individueller Weg ist und darum eine Verbindlichkeit in einer Gruppe nur für einen kleinen Teil ein Bedürfnis ist.

Haben Sie konkrete Rückmeldungen?
Ja. Viele Teilnehmende haben angegeben, dass ihnen die einzelnen Abende nicht nur sehr gefallen, sondern sie auf einen Weg gebracht haben. Dazu beigetragen haben bestimmt auch die Übungen zwischen den wöchentlich stattfindenden Kursabenden und der Austausch darüber, wie es allen mit diesen Übungen ergangen ist.

Wird die Stille ein Thema für Ihre Gemeindearbeit bleiben?
Ja. Wir planen im Herbst 2011 einen Kurs «Exerzitien im Alltag» durchzuführen. Auch die Meditationsgruppe findet weiter statt.

Können Sie eine Erfahrung aus dem Seminar teilen? Was ist Ihnen wichtig geworden?
Ich habe nicht nur organisiert, sondern auch selbst teilgenommen. Was ich schon lange geahnt und teilweise auch praktiziert habe, ist in diesem Kurs in Worte gefasst worden. Der Zugang zur Bibel ist nicht intellektuell, sondern intuitiv und verlangt eine andere, persönliche Auseinandersetzung. Mir ist auch wichtig geworden, Menschen auf einem solchen Weg selber begleiten zu können.
 

Datum: 22.08.2010

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