Thuner «Tage der Heilung»
Segen und Schmerzen
Mitte Juni gingen in Thun die «Tage der Heilung 2010» zu Ende. Sie waren geprägt von Lobpreis, Vorträgen, Gebets- und Segnungszeiten sowie verschiedenen praktischen Übungen. - Ein Fazit: Gott segnet Menschen, die zu ihm kommen, doch Schmerzen bleiben auch ihnen nicht erspart.Der Basler Theologe Jens Kaldewey lehrte am Freitagvormittag, dem 18. Juni, über den «Gott des Heils». Er betonte in seinem Vortrag, dass das Reich Gottes bereits unter uns wirksam sei - auch wenn wir Schmerzen haben (Lukas 17,21). «Du musst nicht verzweifelt bitten: ‚Christus, komm!' - Er ist schon da. Das ist die Botschaft des Reiches Gottes: Es ist schon da.» Wegen eines Unfalls war Kaldewey viele Monate gelähmt. Sein Gang zeugt heute noch von der schweren Verletzung.
Kaldewey hält fest, dass dem Bittenden «auf alle Fälle etwas gegeben wird». Doch wie dem auf Süsses bedachten Kind nicht jeder Wunsch erfüllt werden darf, sollten Christen nicht erwarten, dass sie exakt das Gewünschte erhalten. Er habe Gott gebeten, die Depression wegzunehmen, «dass dies alles wie weggeblasen wäre», erzählte Kaldewey. Das sei nicht geschehen. Sondern Gott habe ihm Stück für Stück die Ursachen für die Bedrückung aufgezeigt: Leistungsdenken, Bindungen, falsche Vorstellungen. Im Rückblick erkennt er: «Gott hat viel tiefer an mir gearbeitet, als nur negative Gefühle wegzunehmen.»
Der Stachel bleibt
Er verwies dafür auf das Bild vom Stachel (Paulus in 2. Korinther 12). Paulus habe Gott dreimal gebeten, ein quälendes Leiden von ihm wegzunehmen - bis er erfasste: Gott selber hat den Stachel gesetzt. Er werde ihn nicht einfach wegnehmen - «aber Gnade geben und Kraft». Ruhig formulierte der Bibellehrer: «Wir befinden uns inmitten der Schmerzen, doch in einem therapeutischen Prozess - durch den Gott uns heilt.» Der Referent ging mit den Anwesenden ein Gebet von Blaise Pascal durch, der selbst an jahrzehntelangen Schmerzen gelitten hatte. Gebet wie Vortrag endeten zuversichtlich: «Es kommt die Zeit der vollendeten Heilung an Leib, Seele und Geist.»Heraus aus der Resignation
Die «Tage der Heilung» (TDH) beschäftigten sich besonders mit Blockaden im Glaubensleben. Sie zählten morgens und nachmittags durchschnittlich 300 Teilnehmende; zu den drei öffentlichen Heilungsabenden stiessen weitere 600-800 Personen. Walter Bernhard, Leiter des Teams, äusserte sich dankbar für die geistliche Intensität. Er bezeichnete die Tagung auch als eine Seelsorge-Werkstatt. Frauen bilden eine deutliche Mehrheit in der Expo-Halle unweit der Thuner Altstadt. An den Nachmittagen hätten viele Teilnehmende Heilung in ihrer Seele erlebt, sagt Bernhard.Die Referenten beleuchteten verschiedene Aspekte von Heilung und Heiligung, Zurüstung zum Dienst und Evangelisation. Unter ihnen waren Martin Kaltenrieder und Daniel Hari, der vor zwei Jahren seine Frau durch Krebs verlor. Die beiden Referenten betrachteten den Weg Josefs und das Leiden Hiobs und riefen die Anwesenden auf, herauszutreten aus Resignation, Enttäuschung und Bitterkeit und sich von Gott ihre Berufung zeigen zu lassen.
«Der Heilige Geist zieht Menschen»
Mark Marx aus Nordirland sprach in Thun über die Dynamik des Reiches Gottes und über Heilung. Dabei stellte er auch die Arbeit mit dem «Wunderstuhl» vor, die in seinem Seminar auch gleich geübt wurde. An Ostern 2005 lud die Vineyard-Gemeinde in Coleraine im Norden von Nordirland, Passanten ein, sich auf Stühle zu setzen und für sich beten zu lassen. «Healing on the streets» hat sich seither in viele Länder verbreitet.
Auf diese Weise könnten, so Marx, die Gemeinden, überall Kontakt zu ihrer Umgebung aufnehmen und «ein Umfeld schaffen, in dem Menschen Gott begegnen». Bis zu 16 Stühlen stellt das Team an der Strasse auf - «und der Heilige Geist zieht Leute herbei». Das Team erlebte vom ersten Tag an, dass Menschen geheilt wurden. Seitdem wird der «Wunderstuhl» an jedem Samstag angeboten.
Mark Marx berichtete von einer Oberhexe, die sich vor einem Jahr in England auf einen Stuhl setzte. «Einige Frauen knieten neben ihr nieder und sagten ihr, wie wertvoll sie in Gottes Augen sei.» Gebete und Worte der Erkenntnis folgten. Die Frau wurde geheilt und von allen Bindungen befreit. Ihre Hexenwerkzeuge brachte sie später zur Verbrennung. Bei seinem kürzlichen Besuch traf Marx diese Frau unter den Beterinnen an: «Sie kniete selbst bei einem Stuhl - jetzt als Botschafterin von Christus!»
Ausserhalb der Kirchenmauern dienen
Auch ausserhalb der Kirchenmauern könnten Menschen - so Marx - Gottes Gegenwart erleben, wenn Christen ihnen «sanft» dienten. Dafür sei es aber nötig, auf die Knie zu gehen und von Gott alles zu erwarten. «Schon lange wartet er auf den Strassen darauf, dass wir zu ihm stossen. Er arbeitet bereits an den Menschen.» An den Christen sei es nun, «die Gegenwart Gottes zu fördern», indem sie selbst «Wasser aus dem Brunnen des Heils schöpfen und es mit anderen teilen».Zum Thema:
CDs mit den Referaten: Bestellung über die Webseite der Schule für Heilung Gwatt
Heilung auf der Strasse - der Wunderstuhl in Coleraine
Das Gebet von Blaise Pascal:
«Vater im Himmel, ich bitte weder um Gesundheit noch um Krankheit, werde um Leben noch um Tod, sondern darum, dass du über meine Gesundheit und meine Krankheit, über mein Leben und meinen Tod, verfügst zu deiner Ehre und zu meinem Heil. Du allein weisst, was mir dienlich ist. Du allein bist der Herr. Tue, was du willst. Gib mir, nimm mir, aber mache meinen Willen dem deinen gleich.
So gib denn, Herr, dass ich, wie ich auch sei, mich in deinen Willen einordne und dass ich als Kranker dich verherrliche in meinen Leiden.
Vereinige mich mit dir; erfülle mich mit dir und deinem Heiligen Geiste.
Gehe ein in mein Herz und in meine Seele, um meine Leiden darin zu tragen, damit ich, ganz erfüllt von dir, nicht mehr selbst es bin, der lebt und leidet, sondern damit du es bist, der lebt und leidet in mir, o mein Heiland! Amen.»
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