Charisma

Geistliche Vaterschaft neu entdecken

Martin Werlen, Abt des Benediktinerklosters Einsiedeln, plädiert für eine Neuentdeckung geistlicher Vaterschaft in der Kirche. Sie sei notwendig, weil die katholische Kirche durch den «inflationären» Gebrauch des Vater-Titels viel dazu beigetragen habe, dass der Sinn für geistliche Vaterschaft – und auch für geistliche Mutterschaft – verloren gegangen sei. Werlen betont, geistliche Vaterschaft beruhe im Wesentlichen auf einem Charisma.

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Abt Martin Werlen
Der Abt stellt zunächst das Wesen geistlicher Vaterschaft dar, wie es in der Bibel und der Tradition umschrieben wird. In einem Beitrag für die katholische Zeitschrift «Communio» zeigt er auf, dass der geistliche Vater ganz und gar in der Nachfolge Christi steht. «Der geistliche Vater ist kein Guru», so der Abt.Der Sinn geistlicher Vaterschaft sei nicht irgendeine Abhängigkeit, sondern «Ermöglichung neuen Lebens». Geistliche Vaterschaft wolle einem andern helfen, «das Leben in Fülle» zu finden. Und: «Geistliche Vaterschaft ist nicht Institution, sondern Charisma – Gabe des Heiligen Geistes. »

Geistliche Mutterschaft

In der Tradition werde selten von der «geistlichen Mutterschaft» gesprochen, hält Werlen fest. Dies sei überraschend, denn im Evangelium sei ausdrücklich von geistlicher Mutterschaft die Rede, nicht aber von geistlicher Vaterschaft: «Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter» (Die Bibel, Markusevangelium, Kapitel 3, Vers 35).

Daraus werde deutlich: «Es ist nicht eine Frage des Geschlechts, sondern der Christusnachfolge. » Beim «christozentrischen Ansatz» verfalle man nicht einfach den «kulturell bedingten» patriarchalen Strukturen und versuche sie theologisch zu rechtfertigen. Eine Rückbesinnung auf Bibel und Tradition könne helfen, «aus kulturbedingten Verengungen herauszufinden», folgert der Abt.

Nicht machbar

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Abt Martin Werlen inmitten junger Menschen.
Werlen weist auf die Gefahr der «Überinstitutionalisierung» innerhalb der römisch-katholischen Kirche hin. «So wird man nicht Vater, sondern man ist es von einem Tag auf den andern», etwa durch die Priesterweihe. Dabei gehe der charismatische Grund der Vaterschaft ganz unter. «Wir nennen uns in der Kirche zu schnell Vater, und wir lassen uns zu schnell Vater nennen», kritisiert der Abt.

Man werde geistlicher Vater und geistliche Mutter, könne sich jedoch nicht selbst dazu machen: «Geistlicher Begleiter wird man, indem man als solcher von geistgetriebenen Menschen aufgesucht wird.» Geistliche Vaterschaft ist nach Ansicht von Werlen auch nicht ans Priestertum gebunden.

Chance für Kirche

Weil junge Menschen wieder «empfindlicher» für die Bedeutung von geistlichen Müttern und Vätern seien, habe die Kirche die Chance, geistliche Vaterschaft wieder neu als Charisma zu entdecken und zu leben. Der Einsiedler Abt ist überzeugt: Ein wesentlicher Beitrag auf diesem Weg der Neuentdeckung könnte von den geistlichen Müttern und Vätern in den Orden kommen.

Webseite:
Abt Martin Werlen auf «Twitter»

Datum: 18.04.2011
Quelle: Kipa

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