Frau am Steuer

Ein Kompliment und doch kein Kompliment...

Auf dem Blog morethanpretty.net schreiben Frauen in Leitungspositionen Gedanken aus ihrem Alltag. Sabine Favre, Co-Pastorin im Centre de Vie in Neuchâtel (CH), erklärt, wie es sich als Frau anfühlt, gut gemeinte Komplimente zu bekommen, die auf den zweiten Blick kein Kompliment sind – und was für sie das göttliche Leiterschaftskonzept ist.

Zoom
Sabine Favre
Ich bin eine dynamische Fahrerin und achte auf das Wohl meiner Fahrgäste. Als ich kürzlich an meinem Ziel ankam, empfängt mich ein Freund, der mir nachgefahren ist, mit einem breiten Lächeln: «Du fährst sehr gut», sagte er. Im ersten Augenblick fühle ich mich geschmeichelt und schätze das Kompliment. Aber bereits im nächsten Augenblick stört mich diese Aussage. Hätte er mir das gleiche Kompliment gemacht, wäre ich ein Mann gewesen? Nein, einem Mann sagt man nicht, er sei gut gefahren, denn das ist ja logisch! Aber einer Frau… das angenehme Gefühl verschwindet auf der Stelle und Ärger macht sich breit.

Tief verankerte Klischees

Ich bin in Eile und ein Autofahrer vor mir fährt sehr schlecht. Das regt mich auf! Endlich biegt er in eine andere Richtung ab und der Verkehr fliesst besser. Ich erhasche einen Blick auf den Fahrer: eine Frau! Es kann ja nur eine Frau sein, denke ich! Ah diese Frauen am Steuer! Eine kleine väterliche und göttliche Stimme sagt mir ganz nett: «Eine Frau am Steuer…?!»

Erstaunt über meine Reaktion, merke ich, dass die Klischees so fest und tief verankert sind, dass sogar ich in diese Falle tappe. Ich verspreche meinem Himmlischen Vater, nie mehr so eine sexistische Aussage zu machen. Sorge dich zuerst um den Balken in deinem Auge…

Gleichberechtigung – zu Gottes Ehre

Als ich eine junge Frau im Vollzeitdienst an der Seite meines Mannes war, stellte ich fest, dass es in den Gemeinden, die wir besuchten, keine einzige Pastorin gab. Weder eine Frau predigte, noch sass eine im Ältestenrat. Noch schlimmer: In gewissen Gemeinden durfte eine Frau nicht einmal das Abendmahl servieren.

Ich bin keine Ellenbogen-Spielerin, eher das Umgekehrte. Aber ich bat Gott, dass er das, was er vorgesehen hatte, wiederherstellt: die Gleichheit, die das beste gemeinsame Potential hervorbringt zu Gottes Ehre!

Mehr als nur Nachahmerin

Heute, 25 Jahre später, hat sich für die Frauen in unseren evangelischen Gemeinden viel verändert. Die Frauen leiten das Abendmahl, predigen, prophezeien und sind in der Gemeindeleitung vertreten, sie können sogar Pastorinnen werden. Gott sei Dank!

Wie sind wir so weit gekommen? Weil wir das Steuer übernommen haben! Und dies sowohl mit Leidenschaft für Gott und sein Königreich, als auch mit Respekt den Männern gegenüber. Wir haben ihnen Frauen für Leitungspositionen vorgeschlagen und helfen ihnen, vorwärts zu gehen, anstatt sie zu beneiden. Unsere Vorgängerinnen haben einen Weg gebahnt, und dieser Weg muss erweitert werden, so dass die Frau nicht mehr nur als Nachahmerin, als Passagierin auf den Hintersitz verbannt wird.

Angst vor Leiterinnen

Dort, wo der Mann leitet, kann die Frau ihre eigene Art des Leitens einbringen, geführt von Gottes Stimme.

Der Weg zum gegenseitigen Vertrauen bleibt dennoch immer noch lang. Noch heute haben Leute Angst vor Frauen in Führungspositionen. Könnte die Ursache Eifersucht sein? Oder Angst vor falscher Autorität aufgrund von schlechten Erfahrungen, oder einfach weil wir denken die Frauen haben zu wenig Erfahrung? Geben wir ihnen doch eine Chance! Unsere Besorgnis muss weg. Ein biblischer Vers sagt: Es gibt keine Männer und keine Frauen mehr (Galater, Kapitel 3, Vers 28). 

Arbeiten wir doch daran, dass das vom Schöpfer vorgesehene Leiterschaftskonzept wieder hergestellt wird – dies zu seiner Ehre. Dabei sollen sich beide, der christliche Mann und die christliche Frau, persönlich entfalten, so dass sie zusammen ein Vorbild einer neuen, wirkungsvollen Leiterschaft sein können.

Ich wünsche mir, dass Gott unsere Gedanken-Schemen und alte Verhaltensmuster neu ausrichtet. Nehmen wir die Lenkstange unseres Schicksals mit Selbstbewusstsein, Legitimität und Ehre in die Hand. Ich fühle mich privilegiert, eine Frau am Steuer zu sein!

Zum Thema:
Gedanken aus dem Alltag: Das Wundermittel
Ein kleiner Schritt: Der Einzug ins verheissene Land
morethanpretty.net: «Gott hat den Frauen mehr als nur Schönheit anvertraut!» 

Datum: 09.09.2016
Autor: Sabine Favre
Quelle: morethanpretty.net

Kommentar schreiben

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich neu, um diesen Artikel zu kommentieren.
Anmelden
Mit Facebook anmelden

Publireportage

Bühne frei für Gott
39 Frei- und Landeskirchen haben sich zusammengeschlossen, um Gott professionell und zeitgemäß auf die große Bühne zu bringen. Drei Lebensgeschichten, verpackt in faszinierende Musicals, kombiniert mit Inputs von Life on Stage Redner Gabriel Häsler.

Anzeige

Diese Artikel könnten Sie interessieren

Konferenz Generation Gathering
Das Miteinander der Generationen ist in der Stiftung Schleife, Winterthur, seit Jahren ein wichtiger Teil des gemeinschaftlichen Lebens. Leiter...
Pastorin und Pastor
Auch er ist nicht ewig jung: Bill Hybels (65), Gründer und Leiter der Willow Creek Community Church (WCC) in South Barrington bei Chicago, tritt in...
«3000 Jahre Faszination»
Die 3'000-jährige Geschichte der Bibel auf rund 300m² Ausstellungsfläche, multimedial dargestellt – das ist die Bibelausstellung, welche auf...
Lichtshow auf dem Bundesplatz
Seit sieben Jahren wird der Bundesplatz Bern während dieser Zeit zum Ton- und Lichtspektakel mit dem Namen «Rendez-vous». Dieses Jahr steht etwas...

Werbung

RATGEBER

In die Beziehung investieren Fünf einfache Tipps, die viel bewegen
«Ehe ist Arbeit» – das bekommen Paare oft zu hören. Doch die Floskel wirkt für manche entmutigend....

Adressen

CGS ECS ICS

Werbung

VERANSTALTUNGEN

20.+21. Oktober | 8 - 18 Uhr | Livenet-Büro
27.-29.10.2017 | Eulachhallen, Winterthur
Samstag, 28.10.2017 in Zofingen

Livenet Service