Karfreitag und Ostern

«Auferstehung an jedem Sonntag feiern»

Ostern ist das Fest der Auferstehung von Jesus. Doch feiern Christen die Auferstehung «gewissermassen an jedem Sonntag». Gottfried Locher, seit Januar Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), hat sich in einem Gespräch mit dem Landeskirchen-Forum über Ostern, über die Mühe der Reformierten mit den Jugendlichen und die Perspektiven der Landeskirchen geäussert.

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Gottfried Locher.

«Es muss klar werden, dass wir vom Auferstandenen ausgehen, wenn wir am Sonntag Gottesdienst feiern», sagte Locher im Ostergespräch. «Das Christenleben ist auf die Auferstehungsbotschaft hin ausgerichtet.» Die Auferstehung bezeugen können Christen, «weil es einen Auferstandenen gibt. Zuerst war da ein Mensch, der Gottessohn, der den Tod überwunden hat und als Auferstandener anderen Menschen begegnete».

Zuerst das Scheitern

Ostern erschliesst sich dem Berner Theologen vom Karfreitag her. «Wenn wir von Ostern lesen, lesen wir zuerst vom Karfreitag, wo es keine Aussicht auf Ostern gab. Es sah nach dem absoluten Scheitern dessen aus, der das Reich Gottes verkündigt hatte.» Die Anhänger von Jesus seien damals total niedergeschlagen gewesen. «Erst dann, wenn ich mir das wieder vergegenwärtige, kann ich Ostern feiern.»

Glaubwürdig vom Auferstandenen reden – und entsprechend handeln

Dem ersten Vertreter der Schweizer Protestanten geht es darum, dass die Kirche in der Gesellschaft glaubwürdig bezeugt, was Christus ihr aufgetragen hat. Dann könne sie der säkularen Umgebung deutlich machen, warum etwa die Feiertage des Kirchenjahrs wichtig sind. «Wir wollen einen Alternativentwurf, der von Weihnachten zu Ostern führt, nicht ein Jahr, das mit dem Neujahrs-Cüpli  beginnt und mit dem Adventshopping endet.»

«Junge wünschen ein klares Profil»

Wenn die reformierten Kirchen (wie von Soziologen prognostiziert) kleiner, ärmer und älter werden, macht dem SEK-Ratspräsidenten das Dritte wirklich Sorge: «Wenn wir die Jungen nicht mehr ansprechen, gefährden wir den Zusammenhang der Kirche.» Sich öffnen und dem Zeitgeist anpassen solle sie jedoch nicht – viele Jugendliche wünschten ein klares Profil, meint Locher. Dazu gehörten Gottesdienst-Erlebnisse mit vertrauten Elementen, die man wiedererkennen könne. «Das immer Neue schafft keine Heimat.» Jugendliche achteten zudem ganz besonders darauf, «ob Wort und Tat zusammen passen». Weil mehr Schweizer wenig mehr vom Christentum wissen, werde sich die Kirche überlegen müssen, wie sie Erwachsene in den Glauben einführen kann.

Vielfältig, nicht beliebig

Wie sollen die Reformierten sich profilieren? Gottfried Locher versteht das Wort «reformiert» als Hinweis, dass es «vor der Re-form eine Form gab. Die reformierte Kirche verweist auf einen grösseren Kontext, stellt sich in den Zusammenhang, der mit den Geschehnissen der Bibel beginnt und bis in die Gegenwart reicht.» Als evangelische Kirchen gehörten die Reformierten «zu einer Tradition, die keine Kompromisse eingeht, wenn es um den absoluten Vorrang der Bibel geht». Ihre Vielfalt zeichne die Reformierten aus, doch ist Locher überzeugt, dass es «Vielfalt in einer gewissen, auch erkennbaren Einheit sein muss; sonst sprechen wir nicht mehr von Vielfalt, sondern von Beliebigkeit.»

Zum Thema:
Das ganze Oster-Gespräch mit Gottfried Locher

Datum: 22.04.2011
Quelle: Livenet / LKF

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