Reformierte

(K)ein neues Bekenntnis

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Der Anspruchs der Herrn der Herren: Christus thront im Westportal der Kathedrale von Chartres.
Brauchen die Schweizer Reformierten ein neues Bekenntnis? Der Vorschlag einer Arbeitsgruppe löst diverse Reaktionen aus. Im neusten Bulletin des Landeskirchen-Forums plädiert Jürg Buchegger dafür aus, kein neues Bekenntnis zu erfinden, sondern das Apostolische Glaubensbekenntnis in die Kirche zurückzuholen und es mit Hilfe eines Leitbilds zu lesen.

Die reformierten Kirchen der Schweiz sind seit dem streiterfüllten 19. Jahrhundert ohne Bekenntnis. Und man hat sich daran gewöhnt, dass die Reformierten ‚selber denken‘ (Slogan einer Plakataktion). Doch dem Zusammenhalt und der gesellschaftlichen Stellung schadet die Bekenntnisfreiheit, weil sie als Bekenntnislosigkeit ausartet. In der verwirrlichen Postmoderne ist Profil gefragt, da interessiert die Kirche, die sagt, was sie glaubt.

Der Kirchenbund SEK hat das Werkbuch, das den Vorschlag für ein neues Credo samt einer Sammlung alter und neuer Bekenntnisse enthält, in den letzten Monaten für eine Vernehmlassung in die Schweizer Kirchgemeinden verschickt. Ob der Prozess bis zum Reformationsjubiläum 2019 (Amtsantritt Zwinglis in Zürich, 1519) ein Bekenntnis für den Gottesdienst ergibt, ist ganz offen.

Klarheit nach innen und aussen

Jürg Buchegger, Pfarrer in Fischenthal im Zürcher Oberland, begrüsst das Bemühen um ein gemeinsames Bekenntnis grundsätzlich. „Es geht um Erkennbarkeit nach aussen wie nach innen", schreibt er im neusten Bulletin des Landeskirchen-Forums, dessen Vorstand er angehört. Die Erfahrung zeige, „dass auch nach innen keineswegs klar ist, was wesentlich zum christlichen Glauben gehört". Und nach aussen, „auf dem unübersichtlichen Markt der religiösen Angebote, muss die Kirche sagen können, was sie zur Kirche macht. Mit anderen Worten: Es braucht Erkennbarkeit, auch eine in Worte gefasste."

Mit Mehrheitsentscheid zum Bekenntnis?

Buchegger zweifelt indes darean, dass die Reformierten sich auf einen Text einigen können. Und wenn ja: „Wird dieser mehrheitsfähige Text bloss der kleinste gemeinsame Nenner sein?" Damit würden die Kirchen zwischen Genf und Rheineck nichts gewinnen und sich in der globalen Ökumene weiter isolieren. Kein Bekenntnis kann aber auch nicht die Lösung sein, meint der Theologe, denn dann „treibt ein ausufernder Individualismus stets neue Blüten und .... die Gemeinschaft der Heiligen zerfällt in spirituelle und esoterische Partikel. Eine solche Kirche wird auch für den Staat immer weniger erkennbar."

Grundlage gegeben

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Das bewährte Bekenntnis im Gottesdienst sprechen: Jürg Buchegger.
Daher schlägt Buchegger, die die Leuenberger Konkordie von 1973 ernst zu nehmen. In dieser Einmütigkeits-Erklärung hatten Kirchen der Reformation aus ganz Europa das reformatorische Verständnis des Evangeliums als Basis für Kirchengemeinschaft formuliert. Es heisst da: „Dabei haben sie (die Reformatoren; Red.) gemeinsam mit der ganzen Christenheit das in den altkirchlichen Symbolen ausgesprochene Bekenntnis zum dreieinigen Gott und der Gott-Menschheit Jesu Christi aufgenommen und neu bekannt." Die Kirchen täten gut daran, sich auf den Boden der altkirchlichen Symbole zu stellen, wie es die Konkordie vorgibt.

Das Bekenntnis vor den Spaltungen

So schlägt Buchegger das Apostolikum (Reformiertes Gesangbuch 263) als gemeinsames Bekenntnis vor - als Bekenntnis, das den Kirchenspaltungen vorausging und die gesamte Westkirche verbindet. Das alte Bekenntnis wäre mit Hilfe eines neu zu erstellenden Leitbilds zu lesen und zu leben, meint Buchegger, aufgrund eines Vorschlags, den der Berner Theologe Gottfried Locher schon 2006 an einer LKF-Tagung vorgebracht hatte.

Link zum Thema:
Das LKF-Bulletin online

Quelle: Livenet, LKF

Datum: 29.03.2010

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