Bischof Johannes Friedrich
Glaube braucht Bildung
«Glaube braucht Wissen und Information, vor allem aber Bildung.» Darauf hat der Leiter der bayerisch lutherische Bischof Johannes Friedrich aufmerksam gemacht. Es reiche heute nicht aus, den christlichen Glauben einfach unreflektiert weiter zu tragen. Ein solcher Glaube stehe in der Gefahr, in einem kindlichen Stadium stecken zu bleiben und irgendwann zu ersticken, sagte Friedrich am Freitag vor der mecklenburgischen Landessynode.Es reiche aber ebenso wenig aus, in einer - vielleicht seit Generationen zur Gewohnheit gewordenen - Ablehnung des Glaubens zu verharren. «Bildung hat etwas damit zu tun, dass ein Mensch geistigen Werten gegenüber aufgeschlossen ist», so Friedrich, «ein Gespür dafür entwickelt, durch Vordergründiges hindurch zu schauen und zum Vergeben und Verzeihen bereit wird.»
Dem Wort Gottes unmittelbar begegnen
Martin Luther habe in verschiedenen Hinsichten Bildungsprozesse initiiert, etwa durch die Übersetzung der Bibel ins Deutsche, so dass viele Menschen unmittelbar dem göttlichen Wort begegnen können. Mit dem Singen von Chorälen würden Gemeindeglieder selbst an der Verkündigung beteiligt. Und in den Schulen sei die Vermittlung von Wissen und Kenntnissen demokratisiert worden. Die Folgen dieser gross angelegten reformatorischen Bildungsinitiative spürten wir bis heute auch in Gesellschaft und Politik. Viele, die diese Entwicklungen für sich in Anspruch nehmen, ahnten jedoch nicht, wo deren Wurzeln liegen.Verkündigung vor Strukturreform
Laut dem bayerischen Kirchenleiter befinden sich die Kirchen derzeit in Ost und West in einem tiefgehenden Veränderungsprozess und vor strukturellen Herausforderungen. Dies zeige etwa die gemeinsame Arbeit der drei evangelischen Kirchen in Norddeutschland an der Entstehung einer Nordkirche.Es bleibe jedoch auch dabei die zentrale Aufgabe, das befreiende Evangelium von Jesus Christus weiter zu sagen - und zwar so, dass es die Herzen und Gewissen der Menschen erreiche und ihnen Orientierung in ihrem Leben gebe. Der entscheidende Ort sei hierfür nach wie vor die Ortsgemeinde, betonte Bischof Johannes Friedrich. Speziell der Gottesdienst biete Gelegenheit zu diesem Vermittlungsprozess. Das kirchliche Leben habe bildende Wirkung.
Quelle: EKD
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