Prävention sexueller Ausbeutung

«Bei einem Verdacht werden wir sofort aktiv»

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Leitende sensibilisieren: Die Jungschar-Verbände behandeln die Prävention sexueller Ausbeutung in Kursen und Seminaren. (Foto: BESJ)
Leitende in Jungscharen sind sensibilisiert: In Kursen und Schulungen nimmt die Prävention sexueller Ausbeutung einen zentralen Platz ein. Cevi Schweiz, BESJ, die EMK-Jungschar sowie youthnet spm verfügen über Richtlinien und arbeiten mit einer Fachstelle zusammen.

«Sexuelle Ausbeutung ist eine Grenzverletzung», erklärt Seraina Zünd Feger, Kommunikationsverantwortliche beim Cevi Schweiz. «Jeder Mensch hat bezüglich Nähe und Distanz zu anderen seine individuellen Grenzen. Wo diese Grenze genau liegt, ist schwierig zu definieren. Bei der Ausbeutung geht es nicht um Straftaten, sondern um Fälle, bei denen das gesunde Gefühl für Nähe und Distanz fehlt.» Jede sexuelle Handlung zwischen einer leitenden Person und einem Kind, der das Kind nicht frei und informiert zustimmt und bei der seine Abhängigkeit vom Erwachsenen ausgenützt wird, gilt als Ausbeutung. Das Kind wird dabei zur Sprach-, Wehr- und Hilflosigkeit verurteilt und kann das mulmige Gefühl, das es empfindet, nicht einordnen.

Hin- statt wegschauen

Im Cevi Schweiz kommt pro Jahr bei maximal einem Fall der Verdacht auf sexuelle Ausbeutung auf. «Vergewaltigungen innerhalb des Cevi sind uns keine bekannt», stellt Seraina Zünd fest. Ein potenzielles Opfer werde einer Fachstelle wie «Mira» oder «Castagna» zugewiesen. «Mira» ist spanisch und rätoromanisch und bedeutet «schau hin». Der Name spiegelt die gewünschte Transparenz. «Das Hinschauen ist uns wichtig. Wir begleiten das Opfer und besprechen die nächsten Schritte mit der Fachstelle.» Der Cevi Schweiz verfügt über eine offene Haltung gegenüber heiklen Themen und war bei der Gründung der Fachstelle Mira massgeblich beteiligt. Mira berät Vereine und Verbände über die Prävention sexueller Ausbeutung und bietet Referate, Schulungen und Kurse an.

Dunkelziffer vorhanden

Adrian Jaggi, Medienverantwortlicher beim Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen (BESJ), ist kein aktueller Fall von sexueller Ausbeutung innerhalb des BESJ bekannt. «Eine Dunkelziffer ist aber vorhanden.» Das Thema sei heikel, und es brauche viel Feingefühl, um angemessen damit umzugehen. «Bei Verdacht auf sexuelle Ausbeutung werden wir aktiv», betont Jaggi. «Als Christen müssen wir uns den Konsequenzen stellen. Das Vertuschen ist keine Lösung, denn der Bumerang kommt zurück.» Der BESJ sensibilisiere Leiter für das Thema. «In den BESJ-Leiterkursen behandeln wir seelsorgerliche Aspekte, besprechen konkrete Fälle und zeigen auf, welche Spiele sich für Jungschargruppen nicht eignen. Auch Rechtliches sprechen wir an.»

Professionelle Betreuung

Im Jungschar-Verband der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) gab es in den 90er-Jahren einzelne Fälle sexueller Ausbeutung. Man habe die Lehren daraus gezogen und Materialien erarbeitet, um besser reagieren zu können, betont Beat Bachmann von der Takano Fachstelle EMK. «Für betroffene Personen steht eine Krisen-Helpline zur Verfügung, die mit der Takano Fachstelle verbunden ist. Wir arbeiten eng mit zusammen und legen Wert auf eine Betreuung durch Fachpersonen.»

Anlaufstelle für Leiter

Auch beim youthnet spm, der Kinder- und Jugendarbeit der Schweizerischen Pfingstmission (SPM), gibt es eine Anlauf- und Beratungsstelle. Dort erhalten Leiter bei Verdachtsfällen Unterstützung. Werden weitere Schritte nötig, wird die Fachstelle «Mira» hinzugezogen. Innerhalb des youthnet spm kam es gemäss Markus Hediger, Nationalleiter der Royal Rangers Jungscharen, in den letzten vier Jahren - seit der Zusammenarbeit mit «Mira» - zu keinem sexuellen Übergriff.

Prävention ist wichtig

Seraina Zünd vom Cevi sagt: «Alle Leitenden werden von uns geschult. In jedem Regionalverband hat zudem eine Person eine vertiefende Schulung bei «Mira» absolviert.» Die EMK verfüge über ein Konzept zur Krisenintervention mit einer Helpline für Fragen der Jugendleiter. Das Thema sexuelle Ausbeutung bilde beim Jungschar-Verband der EMK in den Leiterschulungen einen Schwerpunkt, sagt Beat Bachmann. Auch beim youthnet spm wird die Prävention in den Leiterkursen für Teenager und Jugendliche grossgeschrieben.

Links zum Thema:
www.cevi.ch
www.besj.ch
www.jemk.ch
www.youthnet.ch

Datum: 19.04.2010
Quelle: ideaSpektrum Schweiz

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