Ansporn oder Bremse?

Wenn der Glaube zum Wettbewerb wird

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Der Wunsch, besser zu sein als andere, kann ein starker Antrieb für das Leben sein. Daraus lässt sich Ehrgeiz und Kraft gewinnen. Kann das auch für das Leben als Christ gelten?

Es ist sicher etwas zutiefst Menschliches, sich mit anderen zu vergleichen und es besser machen zu wollen als sie. Das ist eine entscheidende Antriebsfeder in der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Kunst und der Unterhaltung - und natürlich auch im Sport. Menschen wollen herausragende Leistungen vollbringen und sich damit an die Spitze setzen. Es ist eine Haltung, die schon unzählige Erfolge und Fortschritte hervorgebracht hat.

Paulus: «Ich laufe wie ein Läufer»

Für viele ist auch das Glaubensleben ein Wettbewerb. Und man könnte hier mit Fug und Recht darauf hinweisen, dass es für dieses Verständnis einen wichtigen Kronzeugen gibt: Paulus. Er schrieb den Christen der griechischen Stadt Korinth: «Jeder, der an einem Wettkampf teilnehmen will, unterwirft sich einer strengen Disziplin. Die Athleten tun es für einen Siegeskranz, der bald wieder verwelkt. Unser Siegeskranz hingegen ist unvergänglich. Für mich gibt es daher nur eins: Ich laufe wie ein Läufer, der das Ziel nicht aus den Augen verliert...» (Die Bibel, Korintherbrief, Kapitel 9, Verse 25 und 26)

Ein Wettkampf mit vielen Gewinnern

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Am Ende zählt für Gott die individuelle Leistung, nicht wie man im Vergleich mit anderen abgeschnitten hat.
Wer sich die Passage des Briefes genauer anschaut, kann sehen, dass es Paulus um die Entschlossenheit und Disziplin eines Sportlers geht. Er hatte hier nicht die Konkurrenz mit den anderen Läufern im Sinn. Er fordert vielmehr dazu auf, an das grosse Ziel zu denken und durchzuhalten. Denn, das sagt Paulus nicht, aber es steht sozusagen zwischen den Zeilen, bei diesem Wettkampf, also dem Leben als Christ, wird es sehr viele Gewinner geben und nicht nur einen einzigen, wie das sonst im Sport üblich ist.

Auch Christen stehen in der Gefahr, ihre Identität und ihre Sicherheit daraus zu gewinnen, was sie erreicht haben und was sie vorweisen können: Die Zahl von Menschen, denen sie ihren Glauben bezeugt haben, die Zeit, die sie im Gebet verbringen, die Anstrengungen für andere Menschen, die Höhe ihrer Spenden... So besteht die Gefahr, dass Menschen mit einem Gefühl der Überlegenheit auf das Erreichte blicken und auf die herabschauen, die das nicht vorweisen können.

Das «Spiel» von Oben und Unten

Doch dies sei an dieser Stelle auch gesagt. Zu diesem «Spiel» von Oben und Unten, von Erfolgreichen und Weniger-Erfolgreichen, gehören immer zwei: Derjenige, der sich auf das Podest stellt oder darauf stehen möchte und der, der es zulässt, dass jemand auf dem Podest steht; weil der andere offensichtlich in seinem Leben als Christ mehr erreicht hat. Es gibt eben nicht nur die, die bewundert werden wollen, sondern auch die, die gerne bewundern und jemanden auf dem Podest stehen sehen wollen.

Auswirkungen auf Leitungsverständnis

Unter Christen ist das Erfolgsprinzip oft eng mit dem Verständnis von Leitung verbunden. Leitungspersönlichkeiten werden oft ganz selbstverständlich nach ihren sichtbaren Erfolgen bewertet. Jesus hatte da eine ganz andere Perspektive: Nach seiner Sicht der Dinge, sollten die bestimmen, die das Wohl und das Ansehen der anderen suchen. Jesus sagte: «Der Grösste unter euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.« (Die Bibel, Matthäus-Evangelium, Kapitel 23, Vers 11 und 12)

Das ist so ganz anders, als all das, was sonst im Leben von Bedeutung ist. Und es ist eine Haltung, die sich viele erst sehr mühsam antrainieren müssen, weil sie viel abverlangt. Was dies angeht, sind Menschen, die Jesus nachfolgen, eben nicht von dieser Welt.

Ein sehr hoher Anspruch

Christen sprechen oft über die Einmaligkeit jedes Menschen. Das tun sie vor allem dann, wenn es um das grundsätzliche Menschenbild oder um den Lebensschutz geht. Aber es gilt natürlich auch für das alltägliche Miteinander der Christen. Das aber bedeutet in letzter Konsequenz, die eigenen Gaben und das Erreichte nicht über das zu stellen, was andere tun oder über das, was sie erreicht haben, ja nicht einmal über das, was sie nicht erreicht haben! Zugegeben: Das ist ein sehr hoher Anspruch. Aber er gilt dennoch.

Wenn am Ende der Zeit einmal wirklich alles auf dem Tisch liegt, was ein Mensch getan und unterlassen hat, was er erreicht oder wo er versagt hat, wird sicher nicht das Kriterium der Zahl und das Vorzeigbare entscheidend sein. Was viel mehr von Bedeutung sein wird, ist das Herz, das Innere eines jeden Menschen. Und was diesen Bereich angeht, ist Jesus ein Kenner. In dieser «Materie» ist er der absolute Fachmann. Da macht ihm keiner etwas vor.

Zum Thema:
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Autor: Norbert Abt
Quelle: Livenet

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