IGW

Die Zukunft der Kirche im Blick

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Im 21. Jahrhundert bei den Leuten: Michael Frost spricht in Aarau und Essen.
Mit zwei dreitägigen Konferenzen in Aarau und Essen fragt das Institut für Gemeindebau und Weltmission IGW nach der Zukunft der Kirche. Hauptreferent ist der australische Evangelist und Buchautor Michael Frost. IGW-Rektor Fritz Peyer-Müller lässt im Gespräch mit Livenet keinen Zweifel daran, dass Kirche sich neu aufstellen muss.

Livenet.ch: Wozu führen Sie die Konferenzen in Aarau und Essen durch?
Fritz Peyer-Müller:
Wir befassen uns grundsätzlich mit dem Auftrag der Kirche im 21. Jahrhundert. Dabei setzen wir nicht auf ein bestimmtes Modell des Gemeindeaufbaus, wollen nicht auf einen Zug aufspringen.

Was ist im 21. Jahrhundert anders?
Die Gesellschaft setzt sich anders zusammen. Sie hat sich stark gewandelt und postmodern ausdifferenziert. Die prägenden Institutionen sind schwächer geworgen. Vieles ist im Fluss.

Was bedeutet das für christliche Gemeinden?
Sie sind herausgefordert. Der Auftrag bleibt bestehen - sie müssen Freundschaften fördern. Gemeinden der Zukunft sind orientiert auf Beziehungen - zu Gott und unter Menschen. Namentlich Freikirchen kommen von der Lehre, vom Dogma her; sie werden sich wandeln. Wir brauchen einen dynamischen Glauben. Gott ist ein Gott der dynamischen Beziehungen. Er liebt die Welt.

Menschen leben in zunehmend diversen Welten. Sie gehören einer Szene an, pflegen Beziehungen zu Gleichgesinnten…
Ja, Freundschaft pflegen wir im kleinen Kreis. Die Beziehung zu Jesus Christus, zum dreieinigen Gott kann auf einer übergreifenden Ebene gestaltet werden. Er verbindet uns miteinander, welcher Kirche und welcher Szene wir auch angehören.

Die Gemeinde von Christus mit ihrem Wertesystem wie ein Dach über diversen Gruppen?
Die christlichen Werte ermöglichen Vertrauen und Freundschaften mit Gleichgesinnten. Sie prägen Freundschaften - und bewegen uns, dass wir neue Freundschaften mit Menschen ausserhalb des vertrauten Kreises aufbauen. Wir wollen unseren Auftrag im 21. Jahrhundert sehen: Christus sendet uns miteinander in die Gesellschaft hinein. In diesem Sinn, als Gemeinde, wollen wir Beziehungen leben.

Sie sehen Evangelisation im grösseren Horizont von Gemeindegründung und -erneuerung, und diese im Horizont des Reiches Gottes.
Ja, im Zusammenhang des Reiches Gottes ist Gemeinde zu bauen. Kirche soll sich als Manifestation von Gottes Reich begreifen und entsprechend handeln. Uns liegt auch die Sorge um die Schöpfung am Herzen. Jesus kommt wieder; auf diesen Tag hin ist sie zu bewahren und zu gestalten.

In den IGW-intern diskutierten Thesen zur missionalen Theologie sehen Sie Gemeinde im Gegensatz zu „gottfeindlichen und lebenszerstörerischen Tendenzen“. Soll sie gegen herrschende gesellschaftliche Kräfte angehen?

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Fritz Peyer-Müller: „Christliche Gemeinden müssen Freundschaften fördern.“
Wir nehmen Anstösse der radikalen Missionstheologie auf, die sich im Süden entwickelt hat. Roland Hardmeier hat in seiner Dissertation über radikale Evangelikale dargestellt, dass wir von der Lausanner Bewegung (Erklärung von Lausanne 1974, Manifest von Manila 1989) viel lernen können. In der Schweiz haben wir das bisher kaum getan. An unseren Konferenzen wird uns der Australier Michael Frost helfen - nicht indem er ein Modell vorstellt, sondern uns hilft, Grundlagen für die weitere Diskussion und Praxis zu legen. Die Arbeit für Europa nimmt uns niemand ab.

Was ist wirklich neu an Ihrem Ansatz? Sehen Sie einen Paradigmenwechsel?
Ja, ich sehe ihn darin, dass wir Kirche grundsätzlich vom Auftrag her denken, den Christus ihr gibt. Kirche ist Mission. Oft wird der Auftrag nur nach innen wahrgenommen. Wir haben eine Verantwortung in der Gesellschaft und müssen in ihr aktiv werden. Es genügt nicht, nette Gottesdienste mit gefälligem Worship anzubieten und zu warten, dass die Leute über die Schwelle kommen. Wir müssen umdenken, als Gemeinde unseren Auftrag leben, auch diakonisch. Die beiden Konferenzen in Aarau und Essen sollen Einzelnen und Gemeinden Anstösse zu einem leidenschaftlichen Leben geben.

Was sagen Sie Christen, denen die Welt so verdorben vorkommt, dass sie sich zurückziehen?
Rückzug in die Gemeinde kann es nicht sein. Wenn wir den Glauben reduziert haben auf Privatsache mit sonntäglichem Kirchgang - dann ist es Zeit für eine Wende.

Links zum Thema:
Webseite zu den Konferenzen „Die Zukunft gestalten“ in Aarau und Essen
Flyer der Konferenzen

Datum: 09.03.2009

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