Exorzismus im Brennpunkt

Das Böse – die Befreiung – und die Medien

Für ein Politmagazin eher ungewöhnlich, hat die Rundschau des Fernsehens SRF Exorzismus aus katholischer und freikirchlicher Perspektive thematisiert. Dazu einige Beobachtungen und Überlegungen.

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Beat Schulthess
Exorzismus ist ein hoch sensibles, brisantes und emotionales Thema. Niemand weiss wirklich genau, was bei Phänomenen abgeht, die als Besessenheit, okkulte Belastung und unheimlichen Vorfällen ohne natürlich erklärbaren Grund gelten.

Exorzismus in einem Politmagazin?

Wenn die Rundschau-Sendung (wir haben darüber berichtet) das Ziel gehabt hätte, wirklich Licht in die Sache zu bringen, hätte sie sich überfordert. Wollten die Sendemacher eher Stimmung machen und Leute an den Pranger stellen, die Ewiggestrigem anhängen? Ging es um die Quote?

So genau wissen wir das nicht. Klar ist, dass die präsentierten katholischen Exorzisten in einem seltsamen Licht erschienen. Die Art, wie sie mit einem klar definierten Werkzeugkasten Dämonen austreiben, wirkt für Zeitgenossen befremdlich. Aber auch ein freikirchlicher Befreiungsdienst, wie ihn der Heilsarmeeoffizier Beat Schulthess betreibt, weckt Verdacht und ist auch inner(frei-)kirchlich nicht unumstritten.

Dem Rundschau-Moderator standgehalten

Beat Schulthess hat aber die Herausforderung angenommen und sich dem wie immer hart geführten Gespräch mit Moderator Sandro Broz gestellt. Und er hat auch nachvollziehbare und wichtige Antworten geliefert: Nicht alle, die sich besessen oder dämonisch belastet fühlen, werden auch entsprechend behandelt. Es findet eine Vorprüfung statt. Niemand wird aufgefordert, Medikamente abzusetzen, die der Psychiater verschrieben hat. Wo nötig, wird mit Fachleuten aus der Psychiatrie zusammengearbeitet. Schulthess hat sich im Gespräch souverän gezeigt und gut pariert. Er hat sich kürzlich auch für einen ausführlichen Bericht über seine Arbeit durch Relinfo-Leiter Georg Otto Schmid gestellt. Er will und muss sich nicht verstecken.

Kompetenter Kronzeuge

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Psychiater Samuel Pfeifer
Als Kronzeuge der Psychiatrie agierte Samuel Pfeifer, ex-Chefarzt der Klinik Sonnenhalde. Er ist überzeugt, dass die meisten okkult erscheinenden Phänomene sich durch gute Psychiatrie behandeln lassen. Er hat sich wie wohl kaum ein Kollege in der Schweiz intensiv praktisch und theoretisch mit den Phänomenen befasst. Er hat sogar Dämonenglauben im Islam erlebt und dazu auch publiziert sowie Kurse. Er schliesst dabei nicht aus, dass es Phänomene gibt, wo die Psychiatrie an ihre Grenzen kommt. Noch mehr warnt er aber vor unsachgemässem Befreiungsdienst. Er zitiert auf einer Kursunterlage dazu den Psychiater Alfred Lechler, der ein Buch zum Thema «Krankheit oder Dämonie» geschrieben hat: «Ich habe in zahlreichen Fällen erlebt, welch ungünstige Wirkungen auf einen seelisch kranken Menschen ausgehen können, wenn er fälschlicherweise als dämonisch gebunden bezeichnet wird. Es ist ein grosses Unrecht, wenn ein unter diesem Zustand leidender Gemüts- und Geisteskranker den Vorwurf hören muss, er sei in die Gewalt des Teufels geraten. Wer sich ohne Kenntnis des krankhaften Seelenlebens und dämonischer Zustände ein solches Urteil anmasst, handelt höchst voreilig, ja geradezu grausam.»

Mit den guten Mächten rechnen

Das Spektrum der Überzeugung im Blick auf das (neutestamentlich gut belegte) Phänomen Dämonie und Befreiung davon ist somit unter Fachleuten im evangelischen Bereich gross.

Wer immer Menschen berät, die überzeugt sind, von dämonischen Mächten belastet oder gar besessen zu sein, wird gut daran tun, sie nicht gleich in einen «Befreiungsdienst» zu schicken, sondern zu einem Seelenarzt, der auch über die spirituelle Kompetenz verfügt, zwischen Abgründen der Seele und der Macht des ultimativ Bösen zu unterscheiden. Auch wenn diese Leute rar sind. Ein dem Schreiber befreundeter Psychiater bemerkte einmal: «Ich will nicht das Böse austreiben, sondern das Böse durch das Gute verdrängen.» Das Thema Exorzismus leidet zuweilen auch an seiner Übertreibung durch angebliche Spezialisten. Samuel Pfeifer sagt denn auch zur Aufgabe des Seelsorgers: «Eine biblische Seelsorge zeichnet sich nicht primär durch die Betonung Satans und seiner dämonischen Mächte aus, sondern durch die beständige Anwendung biblischer Wahrheiten auf das Alltagsleben.»

Zum Thema:
Exorzismus im SRF: Beat Schulthess zum «Krieg gegen das Böse»
Wenn Christen den Teufel vertreiben
Muslim von Dämonen gequält: Besser mit Gott versöhnt sterben, als mit Flüchen leben
Umgang mit dem Bösen: Exorzismus mit Todesfolge 

Datum: 04.04.2017
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

Kommentare

Ich habe die Sendung in der Rundschau gesehen. Ich war positiv überrascht über den offenen und ehrlichen Austausch. Auch beim "Nachhacken" von Moderator Sandro Broz waren die Antworten von Beat Schulthess fundiert, überlegt und klar. Der Einbezug von Psychiater Samuel Pfeifer fand ich hervorragend. Noch selten wurde im TV eine solch heikle Thematik in dieser offenen Ehrlichkeit geführt. Exorzismus hat in der Gesellschaft einen undurchsichtigen und religiös extremen Beigeschmack. Vor allem wenn Filme und Berichte diese Thematik ins transzendente und undefinierbare Platzieren. Ich hoffe, dass diese Sendung zu einer sauberen Entflechtung beitragen.

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