Debatte um Eva Herman

Was Kirchenleute dazu sagen

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Eva Herman
Die Entscheidung des Norddeutschen Rundfunks (NDR), die Zusammenarbeit mit der Fernsehmoderatorin Eva Herman wegen umstrittener Äusserungen zur Familie im Nationalsozialismus zu beenden, hat in Kirchenkreisen unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

Die 48-jährige frühere Tagesschausprecherin soll bei der Vorstellung ihres neuen Buchs „Das Prinzip Arche Noah. Warum wir die Familie retten müssen“ gegenüber Journalisten gesagt haben, im Dritten Reich sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges auch sehr gut, zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter. Der Vorsitzende der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der Nordelbischen Kirche, Pastor Ulrich Rüss (Hamburg), sagte gegenüber idea: „So richtig es ist, jede Form von Hitlerverherrlichung zurückzuweisen, so drängt sich doch hier der Verdacht auf, als habe der NDR diese Entscheidung getroffen, weil Eva Hermans familienpolitische Positionen nicht vereinbar mit der Politik des NDR und den Parteien sind.“ Vielleicht sei das aus dem Zusammenhang herausgenommene Zitat allzu gelegen gekommen, fragt sich Rüss.

Der theologisch konservative Protestant fühlt sich an die Kampagne um den früheren CDU-Politiker Martin Hohmann erinnert. Der katholische Politiker war aus der C-Partei und der Unionsfraktion im Bundestag ausgeschlossen worden, nachdem er bei einer Rede am Tag der Deutschen Einheit im Jahr 2003 in missverständlicher Weise „die Juden“ im Zusammenhang mit dem Begriff „Tätervolk“ genannt hatte. Gleichzeitig hatte er aber auch gesagt, weder Juden noch Deutsche könne man als „Tätervolk“ bezeichnen.

Rundfunkbeauftragter achtet familienpolitische Positionen

Im Blick auf die Auseinandersetzungen um Eva Herman zeigte sich der Rundfunkbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland und der evangelischen Freikirchen, Pfarrer Bernd Merz (Hamburg), verwundert darüber, dass eine Frau, die sonst in ihrer Wortwahl so auf Perfektion achte, sich solch einen Fehlgriff erlaube. Er halte die Entscheidung des Senders für nachvollziehbar. Die Kritik des NDR an Hermans Auftritt bei der Internationalen Funkausstellung in Berlin könne er allerdings nicht verstehen. Herman hatte dort die Kirchen zu einer stärkeren Präsenz in Talk-Shows aufgefordert, um zum „Auftrag von Mann und Frau“ Stellung zu nehmen. Auch dies wird in der öffentlichen Debatte kritisiert. Merz fordert dazu auf, zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren. In einer demokratischen Gesellschaft sollte es möglich sein, auch Hermans familienpolitische Position zu vertreten, ohne gleich in die Ecke gestellt zu werden. Er selber achte weiterhin sowohl Frau Herman als „christlich engagierten Menschen“ wie auch ihre familienpolitischen Positionen.

Frauenpolitiker begrüssen Entscheidung

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Pastor Ulrich Rüss
Politikerinnen der Grünen und der SPD haben die Trennung des NDR von Herman begrüsst. Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, Elke Ferner, warf Herman vor, ihr fehlten jegliche historischen Kenntnisse. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte: „Bei Eva Herman wünscht man sich selbst als Frauenrechtlerin, sie möge doch bitte heim an den Herd gehen.“

Autorin weist Vorwürfe zurück

Herman wies die Vorwürfe zurück. „Es ist völlig absurd und bösartig, mich in die rechte Ecke zu stellen“, sagte sie der Zeitung „Bild am Sonntag“. Sie verwies darauf, dass sie sich auch in ihrem Buch von derartigen Gruppierungen distanziere. Ihre Kritik am Feminismus und ihr Plädoyer für einen besseren Zusammenhalt in der Familie bekräftigte sie: „Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder, und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschliessend durch die 68er abgeschafft wurden.“

Verlag kritisiert Vorverurteilung von Herman

Der Pendo-Verlag (München/Zürich), der Hermans Buch herausgibt, kritisiert eine mangelnde Auseinandersetzung mit den Inhalten sowie eine „Vorverurteilung“ Hermans. Ihr Buch sei ein „leidenschaftliches Plädoyer für die dringend notwendige Rückbesinnung auf Werte, wie sie in der Familie gelebt werden: Liebe, Verantwortung, Gemeinsinn“.

Artikel zum Thema:
Eva Herman: „Gesellschaft soll Respekt vor Müttern haben“

Datum: 12.09.2007
Quelle: idea

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