Meinrad Schicker

Plädoyer für ein "Fairplay" - auch in den Gemeinden

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Meinrad Schicker
Mit der Gleichstellung im Haushalt hapere es noch, stellte das Gleichstellungsbüro fest und rief vergangene Woche zu einem "Fairplay at home" auf. Ist das Wort "Gleichstellung" in freikirchlichen Kreisen noch ein Fremdwort? "Nein", sagt Prediger und Sekretär der Gemeinde BewegungPlus, man sei immerhin auf dem Weg dazu. Das Gespräch führte Thomas Hanimann.
idea:Herr Schicker, Sie haben in der BewegungPlus die Gleichstellung der Frauen auf der Kanzel gefördert. Fördern Sie jetzt auch die Gleichstellung der Männer in der Hausarbeit?

Meinrad Schicker: Das Mass der Gleichstellung wird nie und nimmer an der häuslichen Stempeluhr abzulesen sein! Es geht um etwas viel Grundsätzlichers: Gleichstellung bedeutet, Begabungen und Berufungen des Heiligen Geistes in jedem Gläubigen ernst zu nehmen. Alter und Geschlecht dürfen da keine Rolle spielen. Alle sollen mithelfen können, dass das Reich Gottes kommt. Indirekt kann das natürlich Auswirkungen auf die Aufteilung der Hausarbeit haben. Es gab und gibt noch zuviel Ungerechtigkeit und Schuld im Miteinander der Geschlechter; nur werden wir mit der simplen Forderung ‚Männer, packt die Staubsauger!' dem eigentlichen Problem zu wenig gerecht.

idea: Ist die ungleiche Verteilung der Last der Hausarbeit irgendwie biblisch oder christlich zu begründen?

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Schicker: Nein, überhaupt nicht. Es sei denn, wir deuten etwa das Loblied auf die Hausfrau aus Sprüche 31 als eine dogmatische Aussage. Es gibt in der Bibel nicht "das ideale Frauenbild". Dort, wo Frauen im Neuen Testament in die Schranken gewiesen und beispielsweise zum Kindergebären angehalten werden (vgl. 1. Tim. 2,15), geschah dies als Reaktion auf gnostische Irrlehren. Das Neue Testament will jedoch ein Zusammenleben, das die individuellen Begabungen und Berufungen ernst nimmt.
Auch die biblische Formulierung, dass der Mann das Haupt der Frau ist, haben wir noch nicht verstanden. Es bedeutet sicher nicht, dass der Mann immer das letzte Wort hat und als ‚Hauptmann' die Entscheidungen trifft, die Frauen aber Windeln wechseln dürfen. In vielen Bereichen haben Frauen eindeutig höhere Kompetenz und sollen dort auch Entscheidungen treffen. Die Herausforderung ist, gemeinsam das Leben zu gestalten! Damit kommen wir dem neutestamentlichen Bild von Ehe und Gemeinde um einiges näher!

idea: Wo setzen Sie eindeutige Grenzen der Gleichstellung?

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Schicker: Unter dem Vorwand der Gleichstellung darf kein Geschlechterkampf ausgetragen werden. Auch Quotenregelungen sind nicht das Ziel. Der Grundgedanke des Neuen Testamentes ist Liebe, - der Dienst am anderen in gegenseitiger Unterordnung: Hier liegt die Grenze! Als Gemeindebewegung sind wir schon unter Verdacht geraten, dass wir zu stark dem Zeitgeist frönen. Uns geht es jedoch gar nicht darum, irgendwelchen feministischen Argumenten nachzugeben. Unser Anliegen ist es, die Gaben und Berufungen Gottes ernst zu nehmen. Hier liegt die Chance einer neutestamentlichen und charismatischen Sicht des Lebens und Glaubens!

idea: Die noch bestehenden Verhältnisse in vielen christlichen Gemeinden und Ehen sind für Sie wohl ziemlich veraltet?

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Schicker: Keineswegs. Was in Liebe und gegenseitiger Hochachtung gelebt wird, ist nie veraltet, sondern ist und bleibt ‚biblisch'. Andere argumentieren mit der Bibel und tarnen damit nur ihre Unfähigkeit, Scheuklappen abzulegen und sich dem Leben zu stellen. Viele Ehepaare - nicht nur junge - ringen mit der Frage, wie eheliches Zusammenleben gestaltet werden soll. Es gibt viel Verunsicherung, längstens auch schon in unseren Gemeinden. Hier hilft kein dogmatischer Rückgriff auf die Antworten unserer Vorfahren. Da haben wir noch viel Arbeit - mit der Bibel in der Hand - vor uns. Dann kann es zu echter Orientierungshilfe kommen.
Mit unserem Entscheid in der BewegungPlus, Frauen und Männer entsprechend ihrer Begabung, Berufung und charakterlichen Eignung im Gemeindeleben ungehindert dienen zu lassen, haben wir bewusst eine Tür geöffnet. Viele Fragen sind noch nicht beantwortet, was aber kein Grund sein darf, das Abenteuer ‚Leben' nicht zu wagen.

Datum: 21.11.2002
Autor: Thomas Hanimann
Quelle: idea Schweiz

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