Anglikaner und Andersgläubige

Nadal, der Unglaube und die Kirche

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Rafael Nadal
An Gott glauben? Vielleicht. Oder eher doch nicht. - Wie Rafael Nadal tun Millionen Europäer so, als genügten Werte allein, ohne einer bestimmten Religion. Die Anglikanische Kirche von England gibt darauf eine mutige Antwort.

Er geht mit der Einstellung auf den Platz, «das Beste zu geben und jeden Ballwechsel zu spielen, als wäre es der letzte». Rafael Nadal hat sich mit seiner Entschlossenheit und Kampfkraft an die Spitze des weltweiten Tennis-Ranking gespielt.

In Glaubenssachen gibt sich der Champion dagegen eigenartig reserviert: «Ich bete nicht. Ich kann nicht sagen, ob ich an Gott glaube oder nicht.» Er würde zwar gern wissen, ob Gott existiert, gesteht Nadal im Interview (Berner Zeitung vom 6. Juli 2010). «Doch falls es ihn gibt, muss ich nicht beten oder mich bekreuzigen. Dann ist er intelligent genug, um festzustellen, wer ein guter Mensch ist.»

Distanz zum Glauben

Die Distanz zum christlichen Glauben, die in diesen Sätzen zum Ausdruck kommt, hat sich in Europa über Jahrhunderte aufgebaut. Die alteingesessenen Kirchen ringen mit dem Unglauben, der sich bei kämpferischen Atheisten zeigt, aber noch viel häufiger in einer scheinbaren Gleichgültigkeit.

«Falls es Gott gibt ...» - diese Haltung schützt vor dem Anspruch, ihm irgendetwas zu geben. Es geht darum, ein guter Mensch zu sein - und was ein guter Mensch ist, das bestimmt man am besten selbst. Man glaubt etwas, aber in Worte fassen will und kann man es nicht.

In Europa hat sich diese Einstellung in den letzten Jahrzehnten umso mehr verbreitet, als Millionen von Einwanderern einer anderen Religion angehören. Als gemeinsamer Nenner kann die Religion nicht mehr dienen. Man hofft, dass Werte und gegenseitiger Respekt das Zusammenleben ermöglichen.

Ist Christus einzigartig?

Nehmen die alteingesessenen Kirchen des Kontinents wahr, wie gründlich sie in Frage gestellt sind? Bei der Anglikanischen Kirche von England, wo die Säkularisierung besonders früh eingesetzt hat, ist jedenfalls ein geschärftes Problembewusstsein festzustellen.

Die Kirchenleitung wurde von der Synode beauftragt, «ihr Verständnis der Einzigartigkeit von Christus in der britischen multireligiösen Gesellschaft» darzulegen. Im Juli stellte sie ein 45-seitiges Papier«Sharing the Gospel of Salvation» («Das Evangelium der Rettung weitergeben») vor.

Darin hält die Kirchenleitung fest, dass es darum geht, dass alle Menschen, auch Andersgläubige, «zum Glauben an Jesus Christus, zur Taufe und zur vollen Teilnahme am Leben der Kirche kommen».

Anderswo beheimatet

Das Papier skizziert die Aufgaben der Kirche gegenüber verschiedenen Gruppen. Unterschieden werden Menschen in anderen Weltreligionen, Anhänger neuerer religiöser Bewegungen und jene, die sich weder einer Religion noch einer Bewegung zugehörig wissen.

Ein knappes Drittel der 45 Seiten ist guten Beispielen anglikanischer Arbeit in Orten mit vielen fremdreligiösen Menschen gewidmet. Zur christlichen Verkündigung angesichts des kämpferischen Atheismus, der die Unvereinbarkeit von Religion und Naturwissenschaft behauptet, wird von der Church of England ein eigenes Papier erstellt.

Evangelisation und interreligiöser Dialog gehören zusammen

Christus ist einzigartig, sagen die anglikanische Bischöfe in dieser Stellungnahme. Und sie betonen, dass alle Christen als Gottes Werkzeuge handeln sollen, um Menschen «zum expliziten Glauben an Jesus Christus zu bringen». Die Kirche müsse den Glauben nicht nur in Worten, sondern auch in Taten, als Gemeinschaft, zum Ausdruck bringen.

Evangelisation und interreligiöser Dialog schliessen sich nicht aus, sondern sind durch den Auftrag zusammengebunden, das Kommen von Gottes Reich zu verkünden («proclamation»). Die Bischöfe schreiben, es müsse unmissverständlich kommuniziert werden, dass Gott in der Person von Jesus von Nazareth einzigartig gehandelt hat, in seinem Leben und Sterben, der Auferstehung und der Himmelfahrt.

Dass Gott Menschen dadurch rettet, ist von der Kirche zu verkündigen, anzubieten als kostbares Geschenk - nicht wie eine Ware auf dem religiösen Markt.


Zum Thema:
Der Bericht der Church of England 

Quelle: Berner Zeitung, Livenet

Datum: 05.08.2010

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