Büchertipp

Kirchen haben (mehr) Potenzial

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Positive Entwicklungen und Potenziale christlicher Gemeinden zeigen drei Bücher, die wir hier vorstellen. Sie ermöglichen den Lesern, zwischendurch abzuheben und im Flug die Landschaft zu überblicken.

Der abtretende Chrischona-Direktor Markus Müller ist überzeugt: Für die Zukunft Europas werden Christen entscheidende Bedeutung haben. In seinem Buch «Trends 2016 – die Zukunft lieben» hat Müller Entwicklungen seit 1945 zusammengefasst. Er bespricht fünf Herausforderungen, in denen Christen Chancen sehen können.

Der Kulturraum Europa fusst nach Müller auf den Säulen Wahrheit und Barmherzigkeit. Die Christen des Kontinents hätten Dienen und Haushalterschaft zu kultivieren und christliche Gemeinde als «Ur-Entfaltungsort des Lebens» zu gestalten. Denn «Gemeinde ist der erste Ort, den sich Christus in dieser Welt sucht, um Gestalt zu gewinnen. Die Gemeinde ist sein Leib.» Müller mahnt, nicht «gering von der jetzt real existierenden Gemeinde zu denken, denn Christus ist Haupt über die ganze Gemeinde» (232).

Orte der Hoffnung

Im Schlussteil des Buchs skizziert Markus Müller «Gemeinde als Antwort Gottes auf die Herausforderungen der Zeit». Europa brauche «Orte der Hoffnung, der Wahrheit und der Barmherzigkeit. An diesen Orten wird etwas von dem anschaubar und wird etwas von dem gelebt, was für eine künftige Welt notwendig ist.» Christen sollten priesterlich leben, die Menschen von Gott her sehen und sie dienend aufrichten. Hoffnung ist «der rote Teppich, der uns von der Zukunft her ausgelegt ist.» Müller betont: «Hoffnung ist nie gegen etwas, sondern immer für etwas – nie gegen eine Sache, sondern für eine Sache.» Er schliesst sein Buch mit der Vision einer «Herzensuniversität» (Ort der christlichen Bildung des Herzens), die verbindliches Leben und Handeln inspiriert und ermöglicht.

Geistliches Wachstum umfassend fördern

Was lässt christliche Gemeinden nicht (nur) äusserlich, sondern geistlich wachsen? Ein Ergebnis der sogenannten REVEAL-Studie, die in der Willow Creek Community Church am Rand Chicagos entwickelt und 2007 an ihrer Leiterkonferenz vorgestellt wurde, lautet: Grosses Engagement in der Gemeinde ist kein Indiz für hohes geistliches Wachstum.

Das Buch «Wachsen – Praktische Folgen der REVEAL-Studie» von Greg L. Hawkins und Cally Parkinson benennt Katalysatoren für jeden der drei Haupt-Entwicklungsschritte des Christen (vom Entdecken des Glaubens über das Üben und Reifen bis zum christusgemässen Gestalten aller Lebensbereiche). Die Katalysatoren finden sich auf vier Ebenen:

  1.  Überzeugungen und Einstellungen,
  2.  organisierte Gemeindeaktivitäten,
  3.  individuelle geistliche Übungen und
  4.  geistliche Aktivitäten mit Anderen.

Die Autoren räumen ein, dass geistliches Wachstum «nicht linear oder vorhersagbar verläuft. Es handelt sich um einen komplexen Prozess, der so einzigartig ist wie jeder einzelne Mensch, und er schreitet in einem Tempo voran, das von den Lebensumständen eines Einzelnen und vom Handeln des Heiligen Geistes abhängig ist.»

Parkinson weist aufgrund der Umfrage darauf hin, dass Christen aus geistlichem Stillstand herauskommen, indem sie geistliche Übungen (Bibellesen, Beten, Bitte um Gottes Führung) wieder aufnehmen. Den Unzufriedenen wie jenen im geistlichen Stillstand könne die Gemeinde in den Erschütterungen und Turbulenzen des Lebens helfen, schreibt die Autorin. «Die Menschen brauchen dafür nur geistliche Zurüstung, Ermutigung, Coaching und Übung.» Weiter hat die Studie die alte Erkenntnis bestätigt, dass die Bibel «der wichtigste Katalysator für geistliches Wachstum ist».

Kirche mit einer ganzheitlichen Mission!

Globalisierung und Postmoderne fordern die traditionellen Kirchen – auch die Freikirchen – massiv heraus. Wie sollen sie ihre Mission im 21. Jahrhundert erfüllen? Der Schweizer Missionstheologe und IGW-Dozent Roland Hardmeier trägt biblische Impulse für ganzheitliche Mission zusammen, indem er Anstösse von Theologen der Zwei-Drittel-Welt aufnimmt. «Es herrscht Südwind. Es ist Zeit, dass wir auf unsere Brüder und Schwestern im Süden hören.»

Hardmeier nimmt kein Blatt vor den Mund: «Wenn das Evangelium, das wir verkündigen, keine Relevanz in einer leidenden Welt erzielt, ist es ein amputiertes Evangelium, dem die biblische Ganzheit fehlt.» Der Theologe lädt dazu ein, dass Christen Jesus nicht nur als Erlöser bekennen, sondern «als Vorbild für Menschlichkeit begreifen und ihm nacheifern». Wegweisend ist für ihn neben dem «ganzen Jesus» (Leben und Lehren, Sterben und Auferstehung) auch das Alte Testament der Bibel. Es demonstriere am Modell der Israeliten, «dass Gott nicht nur an der Veränderung des einzelnen Menschen interessiert ist, sondern auch an der Transformation der Institutionen und Strukturen, welche das soziale Leben der Menschen prägen».

Hardmeier ist überzeugt, «dass die Kirche nicht nur die Aufgabe hat, das Heil zu verkündigen, sondern es durch ihre Gemeinschaft auch verkörpern soll». So kann sie das tun, was Hardmeier im 21. Jahrhundert als not-wendig erachtet: dass sie «mit dem ganzen Reichtum des Evangeliums auf die ganze Bandbreite der menschlichen Bedürfnisse reagiert».

Mehr zu den Büchern:
Landeskirchenforum

Markus Müller: Trends 2016 – Die Zukunft lieben

Brunnen Verlag Basel,
2009, ISBN 978-3-7655-1450-0

Greg L. Hawkins und Cally Parkinson: Wachsen – Praktische Folgen der REVEAL-Studie

Gerth Medien Asslar, 2010
ISBN 970-3-86591-862-8
Leseprobe


Roland Hardmeier: Kirche ist Mission – Auf dem Weg zu einem ganzheitlichen Missionsverständnis

Neufeld Verlag Scharzenfeld, 2009
ISBN 978-3-937896-77-9
Bestellen bei IGW


Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet

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