EKD-Zukunftskongress

Die Kernaufgaben der Kirche sehen

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Die Schlosskirche in Wittenberg.
In den nächsten Jahrzehnten werden sich die evangelischen Landeskirchen Deutschlands gründlich wandeln müssen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat durch einen Zukunftskongress in Wittenberg am Wochenende ihren Reformbemühungen Schub gegeben.

Einen Weg zurück gebe es nicht mehr, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber zum Abschluss Abschluss am Samstag 27. Januar 2007 in der Lutherstadt. Kirchliche Kernaufgaben wie die Gottesdienstgestaltung hätten im Mittelpunkt der geplanten Reformen zu stehen. Es sei, sagte Huber, „allen klar, dass wir etwas für die Wiedererkennbarkeit des evangelischen Gottesdienstes tun müssen – und zwar dafür, dass er nicht an seiner Formlosigkeit, sondern an seiner Form wieder erkannt wird“.

Umstrittene Thesen

Mehr als 300 Vertreter aller 23 Landeskirchen hatten seit Donnerstagabend in Wittenberg über die kirchlichen Reformperspektiven bis 2030 diskutiert . Grundlage war das vor einem halben Jahr vorgelegte EKD-Papier «Kirche der Freiheit» . Die Empfehlungen der Expertenkommission, zusammengefasst in 12 Leuchtfeuern , hatten in der Kirche zum Teil heftige Diskussionen ausgelöst. Mit der Reformdebatte reagiert die EKD auf langfristige Entwicklungen wie Mitgliederschwund, sinkende Finanzkraft und Bevölkerungsrückgang.

Realismus und Wille zur geistlichen Gestalt

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EKD-Ratsvorsitzender Wolfgang Huber
Von Wittenberg gehe das Signal aus, dass die Konzentration auf die kirchlichen Kernaufgaben kein leeres Wort sei, sagte Wolfgang Huber am Samstag. Trotz allen Kontroversen habe der Kongress gezeigt, dass die evangelische Kirche in einen unumkehrbaren Zukunftsprozess hineingeraten sei. Der nordelbische Bischof Hans-Christian Knuth hatte vor den Versammelten betont, die evangelische Kirche sei eine Kirche Jesu Christi und nicht eine Kirche der Freiheit.

„Wir sind kritisch miteinander umgegangen – und das ist auch dringend nötig“, meinte der Ratsvorsitzende in seiner Bilanz. „Wir müssen uns insbesondere wechselseitig davor bewahren, dass unsere Problembeschreibung zu harmlos wird.“ Die Kirche müsse im Dorf bleiben – und dabei für das ganze Dorf da sein. Die Kirche in der Stadt müsse, Huber zitierte Jeremia, „der Stadt Bestes suchen" – und dabei dürfe sie den biblischen Zusatz nicht vergessen: „…und betet für sie zum Herrn“.

Profilgemeinden als Perspektive

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Die Kirche müsse im Dorf bleiben – und dabei für das ganze Dorf da sein.
Nun gehe es darum, Reform- und Pilotprojekte in Gang zu bringen und gelungene Beispiele auf allen kirchlichen Ebenen bekannt zu machen. Als vorrangige Handlungsfelder nannte der Berliner Bischof die Qualität der Gottesdienstgestaltung, das Zusammenwirken von Ehren- und Hauptamtlichen sowie das Verhältnis von herkömmlichen und neuen Gemeindeformen . Als Grundsatz wurde in Wittenberg festgehalten: "Zu Profilbildung ermutigen auf der Grundlage der Parochie (Pfarrbezirk).“

Startschuss für schmerzhafte Strukturbereinigung

Der Zukunftskongress habe Entscheidungen nicht vorgegriffen, betonte der EKD-Ratsvorsitzende. Die Gremien von Landeskirchen und EKD müssten nun bestimmen, welche Prioritäten sie setzen wollten. Der oberste Repräsentant von rund 25 Millionen Protestanten brachte die Erwartung zum Ausdruck, dass die Debatte über Grösse und Gestalt der Landeskirchen weitergehen werde.

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Nicht bei den Ruinen des 20. Jahrhunderts stehen bleiben: Nikolaikirche in Hamburg.
Führende Repräsentanten evangelischer Landeskirchen äusserten sich zufrieden über den «Zukunftskongress». Die hannoversche Landesbischöfin Margot Kässmann sagte, für viele Teilnehmer des Kongresses sei die EKD als eine Bezugsgrösse erkennbar geworden, die mehr sei als nur eine unverbindliche Organisationsebene im Aufbau des Protestantismus in Deutschland.

Am Auftrag orientiert

Huber hatte eindringlich gemahnt, über dem – auch durch den Bevölkerungsrückgang bedingen – Schrumpfungsprozess nicht die Hauptsache zu vergessen: „Unsere Kirche starrt nicht auf Zahlen, sondern es geht ihr um ihre grossartige Aufgabe: die Botschaft von Gottes Liebe zu den Menschen zu bringen, ihnen Jesus Christus vor Augen zu stellen, Gottvertrauen, Daseinsgewissheit und Nächstenliebe in ihnen zu wecken. Wo immer das geschieht, ereignet sich Kirche. Dafür, dass es – soweit es an uns liegt – besser geschieht, wollen wir arbeiten.“

Links zum Thema:
Kommentar: Gezeitenwende
Sämtliche Texte des Zukunftkongresses in Wittenberg
Materialien: Impulspapier und Zukunftskongress der EKD
Webseite der EKD

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Bischof Hans-Christian Knuth

Quelle: Livenet / epd, EKD

Datum: 02.02.2007
Autor: Peter Schmid

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