Beobachtung

Charismatische Bewegung – nach 50 Jahren

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Was bleibt von der charismatischen Erneuerungsbewegung 50 Jahre nach ihrem Beginn? Ein US-Beobachter differenziert.

Im April 1960 verliess der Priester der Episkopalkirche Dennis Bennett seine Stelle an der Markuskirche in Van Nuys in Kalifornien. Seine glühenden Predigten über Taufe im Heiligen Geist hatten die Gemeinde zu sehr verunsichert. Die Bewegung, die sich in der Folge mit und um Bennett Bahn brach, wurde ein Flächenbrand, der viele grosse Kirchen tiefgreifend veränderte. Was zuvor die Pfingstgemeinden abgehoben hatte, wurde neu auch in älteren Kirchen erfahren und gesucht: das Wirken und die Gaben des Heiligen Geistes. Die charismatische Bewegung wurde 1967 auch in römisch-katholischen Pfarreien sichtbar.

Im Online-Dienst von «Christianity Today» nennt David Neff bleibende Früchte der Bewegung, die nach 1975 (auch hierzulande) abflachte: Über die Kirchengrenzen hinweg begegneten und schätzten sich Christen, feierten auch Abendmahl (Rom schritt ein) und gingen einander diakonisch zur Hand. «Gemeinden, die einander zuvor konkurrenziert hatten, waren plötzlich offen für gemeinsame Dienste und Gottesdienste.» Dabei folgte man nicht ökumenischen Lehrsätzen, sondern anerkannte, «dass der Heilige Geist andere bewegt und verwandelt».


Verbundenheit und Wertschätzung

In Neffs Einschätzung ist die charismatische Bewegung als solche kaum mehr erkennbar, aber nicht, weil sie sich verflüchtigt, sondern weil sie wie Hefe den Teig durchdrungen hat. «Sie hat die Anbetung in den meisten Kirchen verändert: Wer heute beim Singen die Hände aufhebt, erregt nicht Anstoss. Einfache Chorusse, mehrfach wiederholt, gehören zum Gottesdienst.» Der Historiker Chris Armstrong sieht den Beitrag der Pfingstbewegung (und mit ihr der charismatischen) zum Christentum vor allem in der Offenheit für «die tiefe Quelle lebendigen Wassers, von der alles übrige fliesst..., die persönliche, beziehungsmässige Gegenwart des lebendigen Gottes».

Jahrzehnte nachdem die Quelle zu sprudeln begann, stellt Neff ein anderes Bild dazu: Das Feuer gehört ins Cheminée, sonst ist es gefährlich - aber ein Cheminée ohne Feuer ist nutzlos. Gemeinde braucht Struktur und Lehre, Gottesdienst einen Rahmen - aber ohne Feuer lebt er nicht.

Quelle: Livenet / Christianity Today

Datum: 20.05.2010

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