170-jährig

Die Pilgermission St. Chrischona in Bewegung

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Auf St. Chrischona bei Basel wird gerannt - Bild von einem früheren Sponsorenlauf.
Die Pilgermission St. Chrischona feiert diese Woche ihr 170-jähriges Bestehen: Anlass zu Rückschau und Ausblick. Der Sponsorenlauf auf dem Berg bei Basel am kommenden Sonntag, der Chrischona in Bewegung zeigen soll, wird ein Kältetest. Doch die Chrischona-Brüder und -Schwestern haben schon viel durchgestanden.

Die Zeitschrift idea Spektrum Schweiz widmet dem Jubiläum viereinhalb Seiten. Der Name Pilgermission ist im Zeitalter des globalen Tourismus erklärungsbedürftig. «Im Himmel verwurzelt und darum auf Erden frei zu sein», bedeutet Pilgermission für den Direktor des Werks, Markus Müller. Nur so sei Gott in dieser Welt wirkungsvoll zu dienen. Die Lebendigkeit der Gemeinde misst Müller «an der Leidenschaft für Gott, für die Menschen und für die Zukunft dieser Welt».

Wach und selbstkritisch?

170 Jahre nach der Gründung in Bewegung? Christian Stricker, Chrischona-Pastor in Amriswil TG und Leiter des Godi-Netzwerks, vermerkt im idea-Editorial Positives. Manche Christen in seiner Umgebung «umwerben Mitmenschen liebevoll», damit sie sich auf Jesus Christus einlassen. Das familiäre Miteinander beeindruckt jene, die dafür empfänglich sind. Stricker fragt, ob Chrischona, in der Schweiz eine Freikirche, «eine Kraft-Geduld-Bewegung» ist. Um in der Gesellschaft Christus wirkungsvoll zu bezeugen, seien heute «Selbstreflexion, die Bereitschaft, sich aufrütteln zu lassen, neues Denken» gefragt. «Sind wir eine selbstkritische, erwachende Bewegung, die zuvorderst auf dem Stuhl sitzt und die Ohren weit offen hat für Gottes neue Pläne?»

Biblisches Mandat

2007 hörte die Leitung des Werks in einer Retraite die Bibelworte aus Jesaja 61,1-3 und 1. Petrus 2,9 neu. Sie sind für Direktor Markus Müller das Mandat, daran zu arbeiten, «dass Gefangene frei werden, Traurige getröstet werden, Menschen in eine königlich-priesterliche Beauftragung finden». Dies setze voraus, die Bedürfnisse der Menschen in der Gesellschaft genau zu erkennen.

Aufblühen in Lenzburg

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Bedürfnisse der Menschen in der Gesellschaft erkennen: Chrischona-Direktor Markus Müller.
Idea Spektrum schildert das Aufblühen der einst überalterten Chrischona-Gemeinde Lenzburg. Marianne und Ernst Leuenberger, 1999 mit ihrer Leitung betraut, motivierten die Senioren, für Junge zu beten. Jugend-Alphalive-Kurse halfen manchen, Jesus Christus kennenzulernen. Kleingruppen (heute 17) ermöglichen den regelmässigen Austausch. Ältere Jugendliche unterrichten jüngere. Sie vernetzten sich mit anderen Gemeinden im Aargauer Seetal. Leuenbergers, früher Missionare in Djibouti, öffneten die Gemeinde für ausländische Besucher; es kam zu internationalen Abenden. Seit einigen Jahren verteilen Gemeindeglieder auch Lebensmittel an Bedürftige.

Gegen Traditionsabbruch

Dem Rückgang biblischen Wissen (auch in pietistischen Kreisen) setzt das Theologische Seminar St. Chrischona TSC Ausbildung entgegen. Der Hauptstudiengang gliedert sich neu in ein zweijähriges Grundstudium und ein Hauptstudium mit vielen Wahlfächern. Leiterschaft, Mitarbeiterführung und Erwachsenenbildung können neu belegt werden. Ein Praxisjahr testet die Bodenhaftung. «Wir müssen sicher viel mehr für die theologische Ausbildung und ein geistliches Amt werben, weil beides an Attraktivität verloren hat», sagt TSC-Leiter Horst Schaffenberger.

Gottes Wort - täglich

Jungen Leuten sei zu zeigen, wie attraktiv vollamtliche Arbeit sein könne. Viele Studenten brächten wenig mit. Gottesdiensttraditionen, Formen der Spiritualität und das alte Liedgut sind kaum mehr bekannt. Auf der andern Seite sehnen sie sich nach einer Vertiefung des geistlichen Lebens und durchaus auch nach Traditionen. In den Gemeinden kommt laut Schaffenberger «die ganz einfache biblische Lehre zu kurz. Es gibt viele Event-Beiträge, aber zu wenig Vertiefung.» Wie ist es normales Gemeindeglied, so der TSC-Leiter, dazu zu bringen, dass es «täglich aus dem Wort Gottes schöpft und daraus profitiert»?

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Ausbildungslandschaft im rasanten Wandel: Horst Schaffenberger (links) und Paul Kleiner.
Die Pilgermission St. Chrischona wurde am 8. März 1840 von Christian Friedrich Spittler in der Kirche St. Chrischona bei Basel gegründet. Zu ihr gehören heute Gemeindeverbände in der Schweiz (99 Gemeinden), Deutschland (69), Frankreich (19), Luxemburg, Südafrika und Namibia, der Brunnen-Verlag und seine Bibelpanorama-Buchhandlungen, das TSC, das Diakonissenmutterhaus und die Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel (amzi).

Links zum Thema:
Webseite der Pilgermission St. Chrischona
Webseite des TSC
Die Schweizer Chrischona-Gemeinden
Interview mit dem Leiter der Chrischona-Gemeinden Schweiz, René Winkler (2007)
Chrischona-Direktor Markus Müller zur Krise des Sozialstaats (2004)

Datum: 12.03.2010
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet / idea

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