Papst-Buch

«Die entscheidenden Ereignisse» im Leben von Jesus

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Der Papst macht Mut, Jesus in der Bibel zu entdecken. Benedikt XVI. hat am Donnerstag den zweiten Teil seines dreibändigen Werks über den Mann aus Nazareth vorgelegt.

Das in der deutschen Ausgabe 368 Seiten umfassende Buch handelt in neun Kapiteln von den Ereignissen vom Einzug in Jerusalem über den Prozess und die Kreuzigung Jesu bis zur Auferstehung und Himmelfahrt. Dabei gehe es um «die entscheidenden Worte und Ereignisse des Lebens Jesu», betont der Papst, der das Buch auch unter seinem bürgerlichen Namen Joseph Ratzinger herausgibt.

Wie schon im ersten, 2007 erschienenen Band wollte er keine klassische Biografie Jesu schreiben, sondern seine «Gestalt und Botschaft» für den christlichen Glauben erschliessen, erklärt Ratzinger im Vorwort. Zugleich fordert er die Bibelwissenschaft zu einer methodischen Erneuerung auf. Ihr Bemühen um das Verständnis des Bibeltextes habe im Glauben zu erfolgen, sonst drohe sie nach 200 Jahren «theologisch belanglos» zu werden, mahnt der 83-jährige Gelehrte.

Auferstehung – ein Ereignis, kein Traum

Mit besonderem Nachdruck verteidigt Ratzinger die leibliche Auferstehung Jesu. Das leere Grab sei «eine notwendige Bedingung» für den christlichen Glauben. Die Auferstehung nennt er einen «Mutationssprung» und ein «umstürzendes und reales Ereignis». Sie sei nicht als inneres Geschehen oder mystische Erfahrung zu erklären. Der Papst wendet sich gegen die Leugner der Auferstehung. Es widerspreche nicht der Naturwissenschaft, wenn sich ein bislang unbekannter Sachverhalt zeige.

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Erklärungsversuche, die ohne ein leeres Grab auskommen wollen, folgen nach Ansicht Ratzingers einer «verdrehten Fragestellung». «Theologische Spekulationen, nach denen Verwesung und Auferstehung Jesu miteinander vereinbar seien, gehören dem modernen Denken zu und stehen im klaren Widerspruch zur biblischen Sicht», so der Papst.

Historisch-kritische Exegese genügt nicht

Im Rückblick auf die Reaktionen zu seinem ersten Band von 2007 urteilt Ratzinger, es sei neuer Schwung in die Methodendiskussion gekommen. Die historisch-kritische Exegese habe in 200 Jahren «ihr Wesentliches gegeben». Die Bibelwissenschaft müsse nun einen «methodisch neuen Schritt» vollziehen und sich als «theologische Disziplin» begreifen und sich von einem positivistischen Ansatz lösen. Der «historische Jesus», nach dem die kritische Exegese geforscht habe, sei «inhaltlich zu dürftig, als dass von ihm grosse geschichtliche Wirkungen hätten ausgehen können», schreibt Ratzinger.

Auf dem Mittelweg

Der Vatikan-Korrespondent der Nachrichtenagentur Kipa, Ludwig Ring-Eifel, findet es bemerkenswert, dass der greise Papst die Zeit fand, ein solches Buch mit Bleistift und Diktiergerät abzufassen. Das Kirchenoberhaupt habe «die schwierige Materie sorgsam durchgearbeitet und sie mit Eleganz und Leichtigkeit auf den Punkt gebracht».

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Charakteristisch sei ein Mittelweg zwischen strenger Wissenschaftlichkeit und Gläubigkeit: «Er nimmt die Ergebnisse der historisch-kritischen Textauslegung zur Kenntnis und ergänzt sie mit einem vom Glauben und von der Tradition her kommenden Verstehen der Bibeltexte.» Das von Benedikt XVI. gezeichnete Gesamtbild des leidenden, sterbenden und auferstehenden Christus sei «an manchen Stellen frisch und ungewohnt» – auch gerade weil die Schilderung des Johannes-Evangeliums, mit Belegen aus dem Alten Testament ergänzt, ernstgenommen werde.

Komplimente von Kardinal Kurt Koch

Das Buch des Kirchenoberhaupts wurde von katholischen Bischöfen mit Lob und Komplimenten bedacht. Der Schweizer Kardinal Kurt Koch betonte gegenüber Radio Vatikan, es stehe «dem Nachfolger des Petrus sehr schön an, in aller Öffentlichkeit sein persönliches Christusbekenntnis abzulegen, weil es für ihn ja zentral ist, dass man nicht unterscheiden kann zwischen dem historischen Jesus und dem Jesus des Glaubens. Der Jesus, wie er uns in der Heiligen Schrift und in der Tradition der Kirche begegnet, ist der wahre Jesus.» Koch sagte, er glaube, «dass der Papst hier wirklich in den Kern des Christentums vordringt».

Kritik von Theologe Hans Küng

Kritiker der römischen Kirchenleitung und liberale katholische Theologen äusserten Vorbehalte. Der Tübinger Theologe Hans Küng kritisierte, die Bücher von Benedikt XVI. würden die historisch-kritische Methode vernachlässigen und seien für die wissenschaftliche Theologie «kaum interessant». Küng, Weggenosse Ratzingers im Zweiten Vatikanischen Konzil, befand: «Es ist bequemer, am Abend Bücher zu schreiben als Reformen in der Kirche durchzufechten.» Die Kirche werde als einzige westliche Institution noch autokratisch geführt. Der brasilianische Theologe Leonardo Boff sagte dem «Kölner Stadt-Anzeiger», der Papst sei ungeeignet, der Kirche das Prophetische wiederzugeben. «In seinem Jesus-Buch recycelt der Papst alte Vorlesungen aus den 60er Jahren. Statt den Glauben zu stärken, frönt er seiner wissenschaftlichen Eitelkeit.» Boff war von Kardinal Joseph Ratzinger, dem damaligen Präfekten der Römischen Glaubenskongregation, mit einem Rede- und Lehrverbot belegt worden.

Bald auch als E-Book

Für den zweiten Jesus-Band von Papst Benedikt XVI. liegen nach Angaben des Vatikan-Verlags bislang 1,2 Millionen Bestellungen vor. Die italienische Ausgabe ist mit bislang 300.000 gedruckten Exemplaren die grösste. Es folge die deutschsprachige Version mit 200.000 und die englische Sprache mit 150.000 Exemplaren, sagte Verlagsleiter Costa. Übersetzungen in rund ein Dutzend weitere Sprachen, unter ihnen Arabisch, Japanisch und Koreanisch, sind vorgesehen, ebenso eine E-Book-Version in mehreren Sprachen.

Datum: 14.03.2011
Quelle: Livenet / Kipa, epd

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