Das Reizwort

«Müssen wir uns bekehren?»

Der Titel in der Juni-Ausgabe des interkantonalen Kirchenboten provoziert. Zu dieser besonders in Landeskirchen umstrittenen Frage wagt der Zürcher Theologieprofessor Ralph Kunz allgemeinverständliche Antworten.

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Ralph Kunz
Wenn Ralph Kunz, Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich gefragt wird, ob er selbst eine Bekehrung erlebt habe, antwortet er unumwunden mit «Ja». Wenn er vom Kirchenboten nach dem Datum gefragt wird, folgt die überraschende Antwort: «Gerade gestern.»

Tägliche Bekehrung

Er weicht damit nicht aus, sondern will deutlich machen, dass eine Bekehrung vor allem ein Perspektivenwechsel sei. So könne der Gesang einer Amsel plötzlich ein paradiesisches Erlebnis auslösen. Mit einer Bekehrung erfahre man «etwas unerhört Neues». Somit gebe es unterschiedliche Ebenen von Bekehrungen. Für Christen sei eigentlich eine tägliche Bekehrung normal: «Es ist hoffentlich unser tägliches Brot als Christenmenschen, dass wir uns ständig zurückorientieren auf die Hoffnung vom Reich Gottes, auf Jesus und den Heiligen Geist. Wie Luther vor 500 Jahren sagte: 'Busse ist ein tägliches und fröhliches Geschäft.'»

«Eine Gesamtrenovation meiner Existenz»

Damit will Kunz allerdings nicht ein grosses und in seiner Art einmaliges Bekehrungserlebnis relativieren. Er sagt dazu in einer Sprache, die Clichés vermeidet: «Das sind Momente, in denen ich so erschüttert werde, dass sich mein Orientierung- und Weltverständnis komplett neu ausrichtet. Es ist eine Gesamtrenovation meiner Existenz.»

An die Adresse von Landeskirchlern, die lieber von «religiöser Sozialisation» sprechen, sagt er, diese könne nicht allein darin bestehen, dass man nur nachspricht, was mir vorgesagt wird, sondern dass ich «mündig werde, Anstösse zur Neuorientierung bekomme und Entscheidungen treffe. Wer wie die Reformierten das 'selber denken' hochhält, will auch selber glauben.»

An die Adresse der Freikirchler sagt er: «Die Bekehrung ist keine religiöse Trophäe – sie ist meine existenzielle Antwort auf den Ruf Gottes, der weiterruft.»

Gibt es christliches Leben ohne Bekehrung?

Auf den Hinweis, dass eine Bekehrung religiös radikalisieren könne und somit auch Probleme in eine Ehe oder Familie auslösen könne, verneint Kunz das Phänomen nicht, formuliert aber ein Kriterium für eine biblisch basierte Bekehrung: «Die Frage ist doch, führt die Bekehrung zu einer sektiererischen Abkapselung oder befreit sie den Menschen zu einer Menschlichkeit, wie sie Jesus vorlebte.»

Auf die brisante Frage von Kirchenbote-Redaktor Tilman Zuber, ob christlicher Glaube überhaupt ohne Bekehrung dankbar sei, antwortet er wiederum klipp und klar: «Nein. Denn die Bekehrten fragen danach, was vor Gott heil macht, erfüllt und wieder ganz werden lässt, um in der Welt ein gutes Leben zu führen.»

In der gleichen Ausgabe erzählt der stellvertretende Chefredaktor der «Bild»-Zeitung, Daniel Böcking, wie er seine eigene Bekehrung erlebte.

Zum Thema:
Theologieprofessor Ralph Kunz: Staunen über die Geheimnisse Gottes
Umgang mit Freunden: Es geht um Beziehung, nicht um Bekehrung
Bekehrung: Über das Reizwort reden

Datum: 07.06.2017
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet / Kirchenbote

Kommentare

Ach, die Liberalen. Wenn ihr in euren Köpfen der alten Schlange, die seit den ersten Tagen pausenlos Zweifel an Gottes Wort sät, doch endlich mal den Ton abdrehen würdet. Nehmen wir alle das Wort doch einfach an, wie es geschrieben steht. Dann muss man die Bekehrung weder als Vogelgezwitscher banalisieren noch als Sektiererei dämonisieren, sondern kann sie dankbar als notwendige Vorstufe zur geistlichen Wiedergeburt betrachten. Denn nicht Bekehrung ist das Schlüsselwort zum Eingang ins Paradies (so wichtig sie als Sündenerkenntnis und Umkehr zu Gott ist), sondern Wiedergeburt im Geist (Joh 3,3ff.), die nur von Gott geschenkt werden kann. Zu dieser Wahrheit müssen wir felsenfest stehen.
Mir ist aufgefallen, dass teils Bekehrungen in Freikirchen mehr zu Nachfolgern von AT-Gesetzlichen Schriftgelehrten führten, statt zu Nachfolgern Jesus Christus. Durch die Irrlehre, dass alles was in der Bibel steht in AT und NT Worte Gottes seien (Fehlwiedergabe 2. Tim.3.16 wo klar erklärt wird, woran man erkennt, welche Schrift von Gott eingegeben ist und in 17 wozu) Jesus Christus war die gelebte Liebe Hauptanliegen, wie dass dan auch Paulus übernahm. Paulusworte wurden zweckentfremdet und allen Menschen/Gottsuchenden wird eingeredet sie seien Sünder, und hätten vor Gott nur Sündenvergebung, wenn sie anerkennen würden, dass Jesus auch für die Sühnung deren Sünden ans Kreuz gegangen sei.

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