"Tanz der Farben"

Alle Aspekte von Kirche sehen

Der Umgang mit den Finanzen wie die Predigt, der Kirchenraum wie das Gemeindemitteilungsblatt: Alle Bereiche kirchlichen Lebens sind wichtig und Ausdruck geistlichen Lebens. In seinem neuen Buch "Tanz der Farben" erzählt Peter Dettwiler von der "Leichtigkeit des Kircheseins", die entsteht, wenn Kirche als Gemeinschaft verstanden wird.

"Wir sind in der Kirche immer in Gefahr, die verschiedenen Bereiche unterschiedlich zu gewichten. Beten ist wichtiger als das Geld, Theologie wichtiger als Diakonie, oder auch: soziales Handeln ist wichtiger als Dogmen usw." Der reformierte Theologe Peter Dettwiler, Beauftragter für Ökumene, Mission und Entwicklung der Zürcher reformierten Landeskirche, zeigt in seinem neuen Buch einen Ansatz, der diese verschiedenen kirchlichen Bereiche "verknüpft und als gleich wichtig aufzeigt", wie er erklärt.

Wie der Regenbogen

Dabei bedient er sich eines Konzeptes, das er bei Chiara Lubich, Gründerin und Präsidentin der Fokolar-Bewegung, gefunden hat: So wie das Licht sich in die Farben des Regenbogens bricht, so nimmt die Liebe in den vielfältigen Lebensbezügen verschiedene Farben an und verbindet alle Lebensbereiche zu einer lebendigen Einheit, einem "Tanz der Farben", wie Dettwiler, an ein Gedicht von Silja Walter anlehnend, formuliert. Dabei überträgt Dettwiler die von Chiara Lubich auf die persönlichen Lebensbereiche jedes Menschen bezogenen "Farben" auf das Leben der Kirche: Aktion und Kontemplation, Institution und Gemeinschaft, Finanzen und Gottesdienst, Kirchenordnung und Kommunikation haben je ihre Farbe, kommen aber erst im Zusammenspiel zum Tragen.

Strukturen achten – und hinterfragen

Zeichnet er da nicht ein utopisches Kirchenbild? "Natürlich stelle ich ein Modell dar, das als Ganzes ideal erscheint", räumt Dettwiler ein. "Doch gleichzeitig ist es ein sehr praktischer Ansatz für eine ganzheitliche Sicht der Kirche". So hätten Reformierte grundsätzlich ein sehr zurückhaltendes Verhältnis zur Kirche als Institution. Beides sei jedoch wichtig: Die Institution müsse die Gemeinschaft tragen und stützen, die Gemeinschaft mache die Institution lebbar und farbig.

Könnten aber mit dieser Sicht nicht einfach ungenügende kirchliche Strukturen gerechtfertigt werden? "Meiner Meinung nach ist es umgekehrt. Die ganzheitliche Sicht zeigt auf: Strukturen sind auch wichtig, aber sie müssen von der Liebe und der Gemeinschaft her immer wieder hinterfragt werden. Schlechte Strukturen werden so gesehen folgerichtig verbessert."

Miteinander geistlich leben

"Spiritualität heisst für mich, Glaube und Leben, Glaube und Handeln, verbinden", stellt Dettwiler klar. Spiritualität sei jedoch bis anhin fast ausschliesslich individuell verstanden worden, daher ist ihm der Begriff Gemeinschaft so wichtig. "Dass Kirche Gemeinschaft ist, darin sind sich alle Konfessionen einig", führt der Theologe und Vater von fünf erwachsenen Kindern aus. "Deshalb wollte ich das Verständnis von Gemeinschaft vertiefen - ausgehend von der reformierten Kirche, doch anwendbar auf alle Kirchen und Gemeinschaften."

Das Überwinden der dualen kirchlichen Sichtweise ist ihm dabei besonders wichtig. "Kein oben und unten, kein Geist versus Struktur, kein Vorrang eines Aspektes vor einem anderen", plädiert er. Das hat durchaus ökumenischen wie innerkirchlichen Sprengstoff: Eucharistie ist so wichtig wie Sozialdiakonie, Predigt so bedeutend wie die Finanzen...

Am Mittwoch, 12. April 2006 findet im Hirschengraben 50 in Zürich um 18 Uhr die Buchvernissage statt. Es sprechen der evangelisch-reformierte Kirchenratspräsident Ruedi Reich, Ralph Kunz, Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich, die katholische Theologin Marie-Therese Sprecher, Hans Corrodi von der Schweizerischen Evangelischen Allianz sowie für die Fokolar-Bewegung die Theologin Anita Francioli.

Peter Dettwiler, Tanz der Farben, Plädoyer für eine Spiritualität der Gemeinschaft,
Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main, Fr. 25.70.

Autorin: Beatrice Ledergerber-Baumer

Datum: 10.04.2006
Quelle: Kipa

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