Berner Täuferexodus

Umgang mit Minderheiten im 300-jährigen Spiegel

1711 hatten gegen 350 Berner Täuferinnen und Täufer auf Druck der Obrigkeit ihre Heimat auf ewig zu verlassen. 300 Jahre später beleuchtet eine internationale Tagung auf dem Bienenberg bei Liestal die Umstände und Folgen jener Ausschaffung.

Zoom
Szene aus dem Freilichhttheater «Täuferjagd»
Am 13. Juli 1711 stiegen die Täufer, Männer, Frauen und Kinder in fünf Boote, die sie über Aare und Rhein ins Ausland brachten. Die Deportation stellte den vorläufigen Höhepunkt der behördlichen Bestrebungen dar, das eigene Territorium «täuferfrei» zu machen.

Bern wollte die als Ketzer, Rebellen und Scheinheilige gebrandmarkten kirchlich-religiösen Nonkonformisten eliminieren.

Nein zur Waffe

Die Ablehnung des obligatorischen Kirchgangs und der Säuglingstaufe, das Nein zu Eid und Kriegsdienst und der Aufbau eigener, obrigkeitsunabhängiger Gemeinden hatten den Täufern den Vorwurf der Separation und der Sektiererei eingetragen.

Wegen verstärkter Verfolgung waren nach 1670 viele in verschiedenen Wellen ins Ausland geflüchtet. Trotzdem sympathisierten viele bernische Untertanen weiterhin mit ihren Überzeugungen und manche trauten sich den Täufergemeinden beizutreten.

Spannungsfelder

Die Fachtagung auf dem Bienenberg am 1. - 2. September 2011 wird vom Schweizerischen Verein für Täufergeschichte organisiert. Sie blickt aus 300-jähriger Distanz auf den Exodus zurück, mit dem ein entscheidender Schritt getan werden sollte, «bis das gantze Land von disem Unkraut bereiniget seÿn wird».

Die Referenten aus den Rheinländern und den USA beleuchten das Täufertum «im Spannungsfeld von obrigkeitlicher Repression, pietistischem Aufbruch und internationaler Diplomatie». Damals standen auch Pietisten, die zu Hause in Gruppen die Bibel lasen, unter Verdacht und wurden überwacht und verfolgt. Für die Täufer setzten sich in Bern niederländische Diplomaten ein.

Ausschaffung – auch heute

Der Organisator Hanspeter Jecker, Präsident des Vereins, wird in einem öffentlichen Vortrag den Exodus selbst schildern. Andere Referenten stellen Schlüsselpersonen und namenlose Verfolgte vor und gehen auf die täuferische Ansiedlung in Nordamerika ein.

Jecker verweist in einer Pressemitteilung darauf, dass auch heute Begriffe wie «Wegweisung» oder «Ausschaffung» die Tagesaktualität prägen. Dies mache deutlich, «dass Fragen des Umgangs von Mehrheiten mit Minderheiten, Fragen des Umgangs mit Normabweichungen bis heute alles andere als spannungs- und konfliktfrei, sondern höchst emotional geblieben sind».

Zum Thema:
Flyer der Bienenberg-Tagung am 1.-2. September 2011
Website der Schweizer Mennoniten
Zürcher Gedenktafel als Zeichen der Versöhnung mit den Täufern
Berner Reformierte und Täufer
Dossier - Täufer

Datum: 11.08.2011

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