Vor 50 Jahren: Sechstagekrieg

Umwälzend und folgenreich für Israel und den Nahen Osten

Der Sechstagekrieg zwischen Israel, Ägypten, Jordanien und Syrien dauerte «nur» vom 5. bis 10. Juni 1967. Doch die Folgen dieser kriegerischen Auseinandersetzung, die sich gerade zum 50. Mal jährt, sind für den Nahen Osten bis heute präsent. Was geschah damals eigentlich?

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Der Tempelberg und in der Mitte ist der Felsendom zu sehen.
Das heutige Israel ist ein schmaler Landstrich auf der Weltkarte, gerade einmal so gross wie das Bundesland Hessen. Doch als «Heiliges Land» hat es für Juden, Christen und Muslime eine herausragende Bedeutung. Mit der Staatengründung des modernen Israel 1948 endete die fast 2'000 Jahre lange Diaspora der Juden – die Probleme in der Region gingen und gehen immer noch weiter. Die Kriege und Auseinandersetzungen in und um Israel sind zahlreich. Der für den Staat wichtigste Krieg jährt sich dieser Tage zum 50. Mal: der sogenannte Sechstagekrieg.

Die Vorgeschichte

Zwischen Israel und seinen Nachbarn Ägypten, Jordanien und Syrien bestanden vor 50 Jahren erhebliche Spannungen. Der letzte offene Krieg – die Suezkrise – war zwar über zehn Jahre her, doch das Säbelrasseln hatte kein Ende genommen: Grenzkonflikte gehörten zum Alltag. Und immer wieder standen Drohungen im Raum, die für den kleinen Staat Israel existenziell waren. Zur Eskalation kam es, als der ägyptische Präsident Nasser im Mai 1967 die Meerenge von Tiran (also den Seeweg zum Roten Meer) blockierte, den Abzug von UN-Schutztruppen durchsetzte und um die 100'000 Soldaten mit ca. 1'000 Panzern an der israelischen Grenze aufmarschieren liess. Aus heutiger Sicht ist es unklar, ob er wirklich einen Krieg im Sinn hatte, oder ob er ihn hätte gewinnen können. Nassers Äusserungen liessen es vermuten: «Unser Ziel ist die Zerstörung Israels. Das arabische Volk ist bereit, zu kämpfen …» Dazu schloss Ägypten einen Verteidigungspakt mit Jordanien und Syrien, sodass Israel faktisch eingekreist war. Wegen der Professionalität der israelischen Armee sahen die westlichen Grossmächte zwar keine ernste Gefahr für das Land, trotzdem beschloss Israel, einem drohenden Angriff zuvorzukommen.

Doch es war sicher nicht nur die Bedrohung von aussen, die Israel zum Präventivschlag trieb. Auch innenpolitisch stand es im verheissenen Land nicht besonders gut. Um die 800'000 Juden lebten bei der Staatengründung dort, 1967 waren es dreimal so viele. Doch die Wirtschaft lahmte, die Konflikte zwischen den Zuwanderern aus verschiedenen Teilen der Welt nahmen zu, Jerusalem war noch immer eine geteilte Stadt und Tausende Juden verliessen bereits wieder den zionistischen Staat, weil er ihre Hoffnungen nicht erfüllt hatte.

Die sechs Tage

Ohne Kriegserklärung und völlig überraschend griff die israelische Luftwaffe am Morgen des 5. Juni 1967 an. Die ägyptischen Piloten sassen noch am Frühstückstisch, als Israel binnen kürzester Zeit fast ihre gesamten Flugzeuge vernichtete. Dasselbe geschah mit der syrischen und jordanischen Luftwaffe. In den folgenden Tagen eroberten und besetzten israelische Truppen den Sinai, den Gazastreifen, das Westjordanland, die Golanhöhen und Ostjerusalem. Nach nur sechs Tagen hatten die Israelis die feindlichen Linien durchbrochen und waren kurz davor, in Kairo, Amman und Damaskus einzumarschieren. Der israelische Aussenminister Abba Eban betonte anschliessend in der Knesset: «In sechs Gefechtstagen wurde ein neuer Staat Israel geschaffen.»

Deutung und Folgen

In Israel starben 780 und in den arabischen Nachbarländern 21'000 Menschen. Hunderttausende wurden verletzt oder vertrieben. Der Sieg stärkte das vorher relativ schwache Israel und machte die junge Nation zur Besatzungsmacht. Viele Zionisten, aber auch Christen, sehen in den Eroberungen Israels gutes Recht bzw. erfüllte Prophetien. Andere stellen klar: Die Kriegsgegner von damals stehen sich bis heute unversöhnlich gegenüber. Eine Aussöhnung hat nur ansatzweise stattgefunden – Land gegen Frieden lehnten beide Seiten ab. Erst in den 80er-Jahren begannen Menachem Begin für Israel und Anwar as-Sadat für Ägypten mit einem Friedensprozess, der jedoch inzwischen grossteils stecken geblieben ist. Die arabischen Staaten legten sich in der Khartum-Resolution auf drei klare «Nein» fest: «Kein Frieden mit Israel, keine Verhandlungen mit Israel, keine Anerkennung Israels». Der jüdische Staat dagegen zementierte seine Besitzansprüche auf die hinzugewonnenen Gebiete durch immer neue Siedlungen und verweigert den vertriebenen Palästinensern bis heute einen eigenen Staat.

Einen Grund zum Feiern gibt es also auch 50 Jahre nach dem Sechstagekrieg nicht. Jüdische Kritiker der Besatzung, wie der Journalist Gideon Levy, sprechen von 1967 als dem «furchtbaren Sommer, in dem wir einen Krieg gewannen und sonst fast alles verloren». Aber immer noch lebt die Hoffnung, dass da Frieden wächst, wo es scheinbar am schwersten ist: in und um Jerusalem, der (wörtlich) «Stadt des Friedens».

Zum Thema:
Orthodoxer Christ: Israel als letzter Hort der Christen in Nahost?
14-tägiger Friedensmarsch: Israelische und palästinensische Frauen fordern Frieden
Die Achse des Guten? Israel und Saudi-Arabien rücken zusammen

Datum: 10.06.2017
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

Kommentare

Dass z.B. Deutschland seine verlorenen Gebiete im Osten wieder zurückerhält, fordert niemand, der bei Verstand ist, weil es diese in einem Angriffskrieg verloren hat und somit jedes Recht darauf verwirkt hat. Das wird von allen Seiten akzeptiert, nur für die Angreifer Israels (seit 1948!) soll das nicht gelten. Die grosse Mehrheit der Israelis steht positiv zu ihrem Staat, genauso wie Millionen Christen auf der ganzen Welt, die Gott nicht nur in diesem Jahr danken, dass Israel das biblische Kernland Judäa und Samaria und die Altstadt Jerusalems (aus der die Juden zuvor vertrieben wurden) zurückerhalten hat. Gott kommt mit seinen Plänen ans Ziel – wenn das kein Grund zum Feiern ist.

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