Israel

Ein Land zwischen Ultra-Orthodoxen und militanten Atheisten

Mit dem Fest der «Freude am Gesetz» ist am 21. Oktober die Herbst-Festzeit der Juden zu Ende gegangen. Die bejubelte Heimkehr von Gilad Shalit während des Laubhüttenfestes kann die scharfen Gegensätze innerhalb des Judentums nicht verdecken.

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Mea Shearim, Stadtteil von Jerusalem
Gemäss einer Anfang Oktober veröffentlichten Umfrage wünscht die Mehrheit der Juden in Israel einen weltlicheren Staat, was angesichts des Auftretens mancher Rabbiner in Politik und Gesellschaft nicht verwundert. 83 Prozent treten für volle Religionsfreiheit ein. 62 Prozent der Befragten fordern standesamtliche Eheschliessungen. Bislang müssen Paare, die sich den strikten Regeln der jüdisch-orthodoxen Eheschliessungen verweigern, zur Trauung ins Ausland reisen.

Die Hälfte der Israelis zeigt sich auch für Eheschliessungen gleichgeschlechtlicher Partner aufgeschlossen. Die Studie des «Smith Research Institute» hatte die Organisation Hiddusch in Auftrag gegeben, die sich für religiöse Freiheit und Gleichberechtigung in Israel einsetzt. Laut einem von Hiddusch zitierten Papier können fünf Prozent der Bürger nicht im Land heiraten.

Frauen nicht auf der Hauptstrasse

Säkulare Juden schütteln den Kopf über Jerusalem, wo die Ultra-Orthodoxen das Übergewicht haben. Sie hatten wie 2010 in ihrem Quartier Mea Shearim eine 26 Meter lange Trennwand aufgestellt, damit die Frauen die Männer beim Zugang zur Toldos Aharon-Synagoge nicht stören. Das Obergericht der Stadt urteilte, die Trennung der Geschlechter sei nicht zulässig.

Die Polizei hatte das erneute Aufstellen der Wand zugelassen, obwohl das Gericht sie schon 2010 als ungesetzlich bezeichnet hatte. Grosse Plakate im Stadtteil wiesen die Frauen an, während des Laubhüttenfests die Mea Shearim-Strasse nicht zu benutzen. Ein Sprecher sagte, bei 15‘000 Männern sollten die 1‘500 Frauen eine andere Strasse nehmen, um zum Fraueneingang der Synagoge zu gelangen.

«Religionslos» auf der ID

Am 9. Oktober 2011 forderten 200 Israelis an einer Versammlung in Tel Aviv das Innenministerium auf, auf ihrer Identitätskarte den Religionsvermerk in «religionslos» abzuändern. Sie folgten Joram Kaniuk, dessen Forderung nach Anerkennung als Religionsloser das Bezirksgericht von Tel Aviv kürzlich nachgekommen ist. «Judentum und Demokratie können nicht zusammen gehen», sagte Kaniuk, überrascht von der Menge der Versammelten.

Die Rabbiner und das religiöse Establishment bezeichnete der militante Atheist als die grössten Feinde des Judentums. Der Dichter Oded Carmeli, der zum Treffen eingeladen hatte, wollte darin den «ersten Riss in der Mauer» sehen. In Jaffa waren kurz zuvor Gräber auf einem islamischen und einem christlichen Friedhof geschändet worden – für Carmeli erneuter Beleg dafür, dass «Religion schreckliche Gewalt verursacht».

Zum Thema:
«Civil Marriage in Israel»


Datum: 21.10.2011
Quelle: Livenet / Haaretz / epd

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