Kreuzlingen
Islamischer Religionsunterricht an öffentlichen Schulen gestartet
In der Bodenseegemeinde Kreuzlingen wird seit kurzem islamischer Religionsunterricht in öffentlichen Schulen durchgeführt. Im Rahmen eines breit abgestützten Pilotprojekts werden 24 muslimische Viertklässler an derzeit zwei Schulhäusern der Stadt in ihre Religion eingeführt. Das Projekt ist auf die Dauer von drei Jahren angelegt. Derzeit sind 23 Prozent der Schüler von Kreuzlingen muslimischen Glaubens.
Am Ursprung des islamischen Religionsunterrichts an Primarschulen stand ein vom Runden Tisch der Religionen in Kreuzlingen im Jahr 2007 organisierter Workshop. In der Projektgruppe sind die albanisch-muslimische Gemeinde Kreuzlingen, der türkisch-islamische Verein, die Schulgemeinde und die Stadtverwaltung, die evangelische Kirchgemeinde und die katholische Pfarrei St. Ulrich sowie die Pädagogische Hochschule Kreuzlingen vertreten. In knapp einem Jahr wurde das Projekt auf die Beine gestellt, schreibt der Runde Tisch der Religionen in seinem Bericht (Juli).
Verein für Umsetzung zuständig
Für die Umsetzung ist jedoch der am 29. April 2010 gegründete Verein Islamischer Religionsunterricht (Viuk) zuständig. Bedeutsam sei, dass im Verein die beiden in der Stadt ansässigen islamischen Glaubensgemeinschaften, also die albanisch-islamische Gemeinde und der türkisch-islamische Verein, vertreten sind, heisst es im Bericht. Damit sei gewährleistet, dass beide das Projekt mittrügen.
Während drei Jahren wird nun in zwei bis drei Kreuzlinger Schulhäusern muslimischen Kindern der Mittelstufe versuchsweise eine Wochenlektion islamischer Religionsunterricht erteilt werden. Im ersten Jahr wird jedoch nur mit den 4. Klassen gearbeitet. Unterrichtssprache ist Hochdeutsch, der Unterricht ist öffentlich. Der Unterricht wird von Rehan Neziri, Imam der albanisch-muslimischen Gemeinde, erteilt. Der Lehrplan des deutschen Bundeslandes Bayern wird gemäss dem Bericht als Referenzlehrplan übernommen und den Gegebenheiten angepasst. Die erste Lektion hat am 20. August stattgefunden, heisst es auf der Webseite des Vereins.
Längerfristige Finanzierung ist «Knacknuss»
Ein Drittel der Kosten für den Religionsunterricht tragen die Eltern, ein Drittel die beiden Moscheegemeinden. Das letzte Drittel organisiert die Projektgruppe über Beiträge von öffentlichen Organisationen, Unternehmen und private Trägerschaften. In der Finanzierung liege «die eigentliche Knacknuss insbesondere für die längerfristige Organisation des islamischen Religionsunterrichts». Grund dafür sie die fehlende öffentlich-rechtliche Anerkennung der muslimischen Gemeinden, die keine Moscheesteuern bei ihren Mitgliedern erheben können.
Mit dem Pilotprojekt soll deshalb auch gezeigt werden, «ob und wie der islamische Religionsunterricht finanziert werden kann». Ansonsten soll mit dem Projekt, die religiöse Identitätsbildung und die Integration von muslimischen Kindern und deren Eltern gefördert werden sowie die Transparenz des Religionsunterrichts erhöht werden.
Quelle: Kipa
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