Freundschaft als Schlüssel

Studentenmissionen aus aller Welt setzen Fokus auf persönliche Beziehungen

Ob Diskussionsrunden mit leckerem Essen in Dänemark, Freizeiten mit Christen und Nichtchristen in Bulgarien oder Kurse zu allgemeinen Themen wie «Partnerschaft» in Holland, die Strategien der europäischen Studentenmissionen sind so vielfältig wie ihr kultureller Hintergrund.

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Dass christliche Studentenorganisationen wie die Studentenmission Deutschland (SMD) oder die VBG in der Schweiz aktiv in Schulen und Universitäten am Wirken sind, ist wohl vielen Christen bewusst. Weniger bekannt ist, dass es ähnliche Organisationen in 160 Ländern aller Kontinente gibt, die alle der International Fellowship of Evangelical Students (IFES) angeschlossen sind. Insgesamt gehören 600'000 Studenten zur IFES.

Doch obwohl jedes Land seine eigenen kulturellen Besonderheiten hat und Evangelisation auf eigene Weise durchführt – sei es durch Konferenzen, Kurse, Kunstausstellungen, Sommer-Camps, Bibelkreise oder Konzerte –, verfolgen die Studentenmissionen alle eine Hauptstrategie: Evangelisation durch Freundschaft. Sie sind überzeugt, dass Nichtchristen durch persönliche Beziehungen zu Christen den christlichen Glauben am besten kennenlernen und entdecken können. Hierzu befragte das christliche Webportal Evangelical Focus fünf europäische Studentenmissionen: Die UKH Tschechische Republik, BCSU Bulgarien, IFES Niederlande, GBU Spanien und KFS Dänemark.

Dänemark: Gutes Essen und Gute Nachricht

Zur dänischen Studentenbewegung gehören etwa 1'500 Studenten, die sich in 90 Gruppen im ganzen Land treffen. An Universitäten organisieren sie wöchentliche «Lunchbars», kleine Diskussionsrunden mit Essen. Beliebt sind auch die «Waffel-Abende». Kathrine Kjar, freiwillige Mitarbeiterin vom KFS, berichtet: «Wir haben Berichte bekommen von Gruppen, bei denen fast die ganze Schule an solchen Abenden teilgenommen hat!»

Doch obwohl diese Veranstaltungen gut besucht sind, steht für die KFS die Freundschafts-Evangelisation im Vordergrund: «Hier in Dänemark beobachten wir, dass eine der wichtigsten Wege, wie das Evangelium zu Studenten kommt, durch christliche Studenten ist, die Freundschaften zu ihren Kommilitonen aufbauen und dadurch die Möglichkeit erhalten, ihnen vom Evangelium zu erzählen», so Kjar.

Spanien: «Vorurteile gegenüber allem, was 'religiös' klingt»

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Studenten lesen zusammen in der Bibel.
In Spanien gehören rund 600 Studenten in 47 Städten aktiv zur Studentenmission GBU Spanien. Sie bauen auf kreative Aktivitäten, um Kommilitonen anzusprechen, beispielsweise das «Markus-Experiment», eine kreative Darstellung des Markus-Evangeliums, oder Bibel-Studien, die speziell für Jugendliche und junge Erwachsene erstellt wurden.

Aber auch hier ist der Hauptfokus die Freundschaft. Mitarbeiter Antonio Ruiz erklärt, dass Spanien in den vergangenen Jahrzehnten äusserst skeptisch geworden ist, es gäbe viele «Vorurteile gegenüber allem, was ‚religiös‘ klingt». Deshalb ist das Motto der GBU auch «Ein Glaube, der denkt. Ein Denken, das glaubt» (A faith that reasons. A reason that believes). Es sei äusserst wichtig, dass der christliche Glaube im Rahmen von Freundschaft und Vertrauen weitergegeben werde, so Ruiz.

Niederlande: Viele chinesische Studenten kommen zum Glauben

Der IFES Niederlande führt mithilfe der 3'000 Mitglieder in 24 Städten Alpha-Kurse, Missionswochen und Bibelkreise durch. «Wir sind dankbar dafür, dass viele chinesische Studenten zum Glauben kommen», erzählt der Vorsitzende von IFES Niederlande, Kristian Haverkamp. Ausserdem werden Kurse mit ganz allgemeinen Themen wie «Partnerschaft» oder «Entscheidungen treffen» sowohl von christlichen als auch nichtchristlichen Trainern angeboten, um im Anschluss Diskussionen über das Leben und seine Bedeutung ins Rollen zu bringen.

Die grösste Herausforderung ist für die Leitung der Studentenmission jedoch, ihre Mitglieder für die Evangelisation zu begeistern. «Die Mitglieder von IFES-Niederlande kommen zu 98 Prozent aus christlichen Haushalten. Den meisten von ihnen fehlt der Eifer oder die Leidenschaft, um ihre Mitstudenten zu erreichen. Sie denken häufig, dass das Evangelium für ihre Freunde belanglos ist, weil sie noch nicht verstanden haben, inwiefern die Gute Nachricht für sie selbst von Bedeutung ist», erklärt Haverkamp.

Bulgarien: Zehn Tage zusammenleben, um Neugierde zu wecken

In ganz Osteuropa sind die Studentenmissionen am Wachsen, so auch in Bulgarien. Hier gehören mittlerweile 120 Studenten in 8 Städten dazu «und wir hoffen, dass wir in den kommenden zwei Jahren noch in weiteren drei Städten vertreten sein werden», berichtet Liz Howald, Mitarbeitern der BCSU.

In Bulgarien kommt insbesondere das Sommerprojekt gut an, ein interkultureller Austausch zwischen der BSCU und zwei anderen IFES-Gruppen. Doch damit ein BSCU-Mitglied an dem Austausch teilnehmen darf, muss es eine Bedingung erfüllen: Man muss einen nicht-gläubigen Freund mitbringen. «Der Inhalt des Projektes ist nicht offensichtlich christlich, aber wenn die nicht-christlichen Studenten zehn Tage lang zusammen mit Christen leben und lernen, verstehen sie besser, was Christen ausmacht, und werden offener dafür, mehr von Jesus zu lernen.»

Auch in Bulgarien spielt die Freundschaft eine zentrale Rolle bei der Evangelisation. Man müsse bewusst Zeit investieren und Vertrauen aufbauen, denn «den meisten Bulgaren wird beigebracht, dass sie Christen nicht trauen sollten, weil Christen komisch sind und zu einem Kult gehören», erklärt Howald. «Deshalb muss man als erstes durch Freundschaft dieses Misstrauen überwinden.»

Tschechische Republik: Gebet für die Freunde

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Studenten in Tschechien beten zusammen.
In der Tschechischen Republik treffen sich 150 Studenten in 10 Gruppen, die alle von Studenten selbst geleitet werden. Sie beten hauptsächlich für ihre Freunde und erzählen sich gegenseitig, wie Gott im Leben ihrer Freunde wirkt. Natürlich geht es auch hier darum, innerhalb der Freundschaft das Evangelium weiterzugeben, sei es durch persönliche Gespräche oder Events.

Aber auch das Leben der Mitglieder liegt der Mission am Herzen. Tomas Uher, Generalsekretär der UKH, erklärt: «Dass die Studenten die Gruppen selbst leiten, ist sehr wichtig für uns. Wir sehen, wie Frucht daraus entsteht, wenn Jesus nicht nur im Herzen des Leiters lebt, sondern das ganze Leben bestimmt.»

Zur Webseite:
IFES

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Datum: 06.01.2016
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Livenet / Evangelical Focus

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