Jahreslosung 2016

Der Vater, der wie eine Mutter tröstet

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Mutter tröstet weinendes Kind
Es gibt Wortpaare, die gehören so eng zusammen, dass sie quasi «verheiratet» sind. Auf «Hammer» folgt «Nagel», auf «Berg» folgt «Tal» und auf «Gott» folgt «Vater». Doch was sich so logisch und folgerichtig anhört, ist es in Wirklichkeit gar nicht. Denn – Überraschung! – Gott ist gar kein Vater. So entfalten Verse wie die diesjährige Jahreslosung eine ganz besondere Dynamik, weil sie unsere Erwartungen gegen den Strich bürsten, und dabei Trost und Segen bringen.

Warum Gott kein Vater ist

Natürlich wird uns Gott in der Bibel auch als Vater vorgestellt. Allein im Neuen Testament wird er über 250-mal so genannt, besonders prominent im Gebet, das Jesus seinen Jüngern beibrachte: «Vater unser im Himmel …» Es kann also nicht darum gehen zu behaupten, dass Gott als Mutter richtiger wäre als Gott als Vater. Allerdings spricht die Bibel hinein in eine patriarchale Gesellschaft. In einer Zeit, wo ein Vater anders als heute Mittelpunkt der Familie und Stütze der Gesellschaft ist, unterstreicht die Bibel dieses Bild. Aber selbst damals behaupten die Autoren der Bibel nie, dass Gott ein Vater ist.

Anthropomorphismus nennt man diese Art des Vergleichs. Dabei geht es darum zu zeigen, dass Gott so etwas wie menschliche Eigenschaften eines Vaters hat – oder im Umkehrschluss ein Vater sich so wie Gott verhält. Gott ist also kein Vater, genauso wenig wie er ein Fels (2. Samuel, Kapitel 22, Vers 32) ist, ein Hirte (Psalm 23, Vers 1) oder eine Burg (Psalm 91, Vers 2). All dies sind Bilder, die uns helfen, Gott besser kennenzulernen.

Gott ist kein Mann – und er ist keine Frau. Er ist Gott. Trotzdem ist der Vergleich mit einer Mutter in der diesjährigen Jahreslosung kein einmaliger Ausrutscher. An vielen Stellen in der Bibel werden Gott weibliche Attribute zugeschrieben: Gott ist wie eine Schwangere, die ihr Kind zur Welt bringt (Jesaja, Kapitel 42, Vers 14b), die es stillt (Psalm 131, Vers 2). Gott ist wie eine Frau, die Brot backt (Matthäusevangelium, Kapitel 13, Vers 33), ja sogar wie eine Henne (Matthäusevangelium 23,37).

Warum Gott mütterlich tröstet

Ein kleines Kind, das sich wehgetan hat, schreit meistens nach seiner Mutter und lässt sich von ihr trösten. Das bedeutet nicht, dass ein Vater nicht genauso gut trösten könnte, es beschreibt einfach Normalität. Diese Normalität nimmt Jesaja hier auf. Israel hat sich mehr als ein bisschen wehgetan. Es schaut auf die grössten Katastrophen seiner Geschichte zurück: die Wegführung ins Exil, die Zerstörung des Tempels, den Verlust der nationalen Identität. Mitten in dieses Elend hinein erfolgt Jesajas Ansage. Und die heisst nicht: «Es geschieht euch recht!», die heisst im Gegenteil: «Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.»

Dieser mütterliche Trost ist mehr als eine Zusage an Israel. Dieser Trost wird in den vorangegangenen Kapiteln bei Jesaja als Heilszusage für alle Menschen erweitert. Dieser Trost bekommt ein menschliches Gesicht – einerseits die tröstende Mutter, andererseits den kommenden Christus (Jesaja 42). Und damit wird dieser Trost etwas, das wir erfahren können, eine tragfähige Zusage für das neue Jahr. Denn so, wie eine Mutter ihr Kind wirklich trösten kann, so will Gott uns trösten.

Warum Gottes Trost hilft

Brauchst du Trost? Trägst du Verletzungen mit dir herum, die nicht heilen? Ist dein Leben (auch) von Brüchen, Versagen und Problemen bestimmt? Sagst du dir manchmal selber – oder lässt es dir von anderen sagen: «Es geschieht dir recht»? Dann könnte diese Jahreslosung deine Jahreslosung sein. Ein Motto, das hilft, schützt und trägt. Das tröstet. «Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.» (Jesaja, Kapitel 66, Vers 3) Denn genau das tut der «Gott allen Trostes» (2. Korinther 1,3), der seinen Heiligen Geist als «Tröster» zu uns schickt (Johannesevangelium, Kapitel 15, Vers 26).

Manche Christen nehmen das Angebot von Jesus beim Wort und sprechen Gott mit Abba, «Papa» an. Darin liegt eine grosse Kraft. Warum sollten wir Gott nicht beim Wort nehmen und wie ein Kind «Mama» rufen, wenn wir Trost brauchen. Es mag sich ungewohnt anfühlen, aber genau das ist Gottes Angebot, das hinter dieser Jahreslosung steckt: «Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.»

Zum Thema:
Kolumne zum Sonntag: Gott meint es gut mit uns
Gott steht uns zur Seite: Sechs Namen Gottes
Trost: Was Gott nicht kann

Datum: 02.01.2016
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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